Die Kanzlerkandidaten von SPD, den Grünen und der Union beim TV-Triell von ARD und ZDF | AP

Triell der Kanzlerkandidaten Angriffe, Vorwürfe und viele Versprechen

Stand: 12.09.2021 22:10 Uhr

Der Countdown zur Bundestagswahl läuft - und die Kandidaten von CDU, SPD und Grünen sind erneut in einem TV-Triell aufeinandergetroffen. Der Ton war angriffslustig - besonders zwischen Unionskandidat Laschet und SPD-Kanzlerkandidat Scholz.

Zwei Wochen vor der Bundestagswahl sind die drei Kanzlerkandidaten von Union, SPD und Grünen erneut in einem TV-Triell aufeinandergetroffen. In der Sendung von ARD und ZDF lieferten sich Armin Laschet (CDU), Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Grüne) einen teilweise scharfen verbalen Schlagabtausch.

Unionskandidat Laschet griff SPD-Kandidat Scholz im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen die Geldwäsche-Zentralstelle des Zolls an. Diese Financial Intelligence Unit (FIU) gehört in den Geschäftsbereich des Bundesfinanzministers. Auch mit Blick auf den Wirecard-Skandal musste sich Scholz verteidigen.

Laschet schließt Juniorrolle der Union nicht aus

Bei der Frage nach Koalitionsoptionen schloss der CDU-Vorsitzende Laschet eine Juniorrolle der Union in einer SPD-geführten Bundesregierung nicht generell aus. "Demokraten untereinander müssen nach der Wahl miteinander reden", so Laschet. Zugleich betonte er: "Wir kämpfen um Platz 1." Insgesamt wich Laschet der Frage aber eher aus. Man sei momentan nicht bei der Regierungsbildung, sondern "beim Werben um den richtigen Weg für unser Land".

SPD-Kanzlerkandidat Scholz legte sich erneut nicht definitiv fest, ob er eine Koalition zusammen mit der Linken ausschließt. Er betonte aber: "Wer in Deutschland regieren will, muss klare Positionen haben, er muss sich bekennen zur transatlantischen Zusammenarbeit, er muss klar sagen, dass die Nato für unsere Sicherheit unverzichtbar ist, und dass wir unsere Verpflichtungen im Bündnis erfüllen müssen. Er muss sich klar zu einer starken, souveränen Europäischen Union bekennen."

Baerbock warnt vor Gleichsetzung von Linken und AfD

Die Grünen-Bewerberin Baerbock betonte, sie kämpfe mit aller Kraft für einen Aufbruch in Deutschland. "Das geht nur mit Grünen in führender Rolle." Baerbock sagte ebenfalls, nach der Wahl müssten alle demokratischen Parteien miteinander reden. Dabei schloss sie die Linke mit ein. Baerbock warnte vor einer Gleichsetzung der Linken mit der AfD. Das sei "brandgefährlich". Von der Union verlangte sie, dass diese "die Brandmauer nach rechts vollständig schließt".

Gefragt nach der umstrittenen Kandidatur des ehemaligen Verfassungsschutz-Chefs Hans-Georg Maaßen für die CDU in Südthüringen sagte CDU-Spitzenkandidat Laschet: "Herr Maaßen wird sich an den Kurs halten müssen, den ich vorgebe als Parteivorsitzender." Auf die Frage, ob er Maaßen, der vielfach mit rassistischen und nationalistischen Äußerungen aufgefallen ist, wählen würde, antwortete Laschet nicht und verwies darauf, dass er selbst in Aachen zur Wahl gehe.

Scholz und Laschet werfen einander Blockadehaltung vor

Beim Thema Klimaschutz warfen sich Scholz und Laschet gegenseitig eine Blockadehaltung in wichtigen Fragen vor. Scholz betonte, die Union habe lange bestritten, dass für den klimagerechten Umbau der Wirtschaft mehr Strom nötig sei. Laschet sagte, die SPD habe Beschleunigungen bei Planungs- und Genehmigungsverfahren verhindert.

Baerbock machte deutlich, mit dem aktuellen Tempo der schwarz-roten Koalition würden Klimaziele deutlich verfehlt. Union und SPD hätten sich immer nur gegenseitig die Schuld in die Schuhe geschoben. Sie nannte den Kampf gegen den Klimawandel eine große Kraftanstrengung. Baerbock bekräftigte, Deutschland müsse früher aus der Kohle aussteigen, und zwar deutlich vor dem Jahr 2038 - das ist bisher geplant.

SPD und Grüne für Bürgerversicherung und Mietgrenzen

Einig waren sich Baerbock und Scholz im Punkt einer Bürgerversicherung, die Grüne und SPD anstreben. CDU-Chef Armin Laschet lehnte sie als "Einheitsversicherung ab".

Auch in der Debatte um steigende Mieten sprachen sich sowohl Baerbock als auch Scholz für Begrenzungen aus. Für Städte, wo Mieten explodierten, müsse man es auf Bundesebene ermöglichen, dass man Obergrenzen einziehen könne, sagte Baerbock. Scholz sagte, neben dem Bau von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr strebe die SPD ein "Mietmoratorium" an, damit bei Neuvermietungen Mieten nicht mehr so stark steigen könnten. Unionskanzlerkandidat Laschet legte den Fokus auf Anreize für Investitionen in zusätzliche Wohnungen. Nötig sei "mehr und schnelleres Bauen".

Alle Kandidaten für mehr Corona-Impfungen

Alle drei Kandidaten warben beim Triell für mehr Corona-Impfungen. Grünen-Chefin Baerbock kritisierte, dass es erst nach eineinhalb Jahren Pandemie von diesem Montag an eine bundesweite Aktionswoche dazu gibt. Wenn man etwa bei Pflege und Kliniken in eine Situation komme, dass nicht genug Menschen geimpft seien, müsse auch die Frage einer Impfpflicht für einzelne Berufsgruppen angegangen werden. Sie sprach sich dafür aus, dass es wie bei Schulkindern auch bei Arbeitnehmern Verpflichtungen zu regelmäßigen Corona-Tests geben soll.

Vizekanzler Scholz wandte sich gegen eine Testpflicht am Arbeitsplatz. In Betrieben würden Testangebote breitflächig genutzt. Dies sei "in dieser Phase der Pandemie der richtige Weg". Er wies darauf hin, dass eine Testpflicht Konsequenzen haben könnte, dass man möglicherweise seinen Arbeitsplatz verlieren könnte.

CDU-Chef Laschet warb unter anderem für mobile Impfangebote, etwa auch für Menschen, die keinen Hausarzt haben. Er betonte das Ziel, zu mehr Impfungen zu kommen, und das "ohne eine Pflicht".

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KOMMENTARE

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Kambrium2 13.09.2021 • 00:18 Uhr

Angriffe, Vorwürfe und viele

Angriffe, Vorwürfe und viele Versprechen Und vor allem letzteres wird bei allen ganz schnell vergessen sein. Also auch jetzt, wo ja alles so besonders sein soll, wieder wie immer? Kein Wunder, dass da immer mehr Wähler verzweifeln und dann plötzlich unberechenbar ganz andere, als vorausgesagt, wählen. Da wird uns auch das Fahrrad, Dieselbashing, Tempolimit und Gentering nicht helfen die Welt zu retten . Ernsthafte Umweltpolitik müßte die wirklich großen Umweltverderber mit 30 und mehr Prozent an der Klimaverschiebung laut beim Namen nennen und entsprechend angehen, statt hier den kleinen Leuten und Rentnern mit überzogenen Preisen das Autofahren unmöglich zu machen. Aber die können sich ja auch, im Gegenteil zu den genannten Umweltverderbern, nicht wehren. Wird dieses Klima gerettet, wenn man unsere 2% Anteil auf 1 oder 0,5% herunterfährt? Null Prozent geht ja nicht, weil hier ja, für unsere zukünftigen Umweltwächter noch ein paar Fahrräder gebaut werden müssen. Ach wir Sünder