Ein Radfahrer fährt Wahlplakaten mit den Spitzenkandidaten Olaf Scholz (SPD) und Armin Laschet (CDU) vorbei. | dpa

Sondierungsgespräche SPD und Union reden mit

Stand: 03.10.2021 05:49 Uhr

FDP und Grüne haben schon miteinander gesprochen - heute steigen auch SPD und Union in die Sondierungen ein. Alle Parteien betonen, offene Gespräche führen zu wollen. Aber zwischen den Zeilen wird deutlich: Die Union könnte es schwer haben.

Eine Woche nach der Bundestagswahl steigen auch die SPD und die Union aus CDU und CSU in die Sondierungsgespräche für eine künftige Bundesregierung ein. Die Sondierer der Sozialdemokraten wollen heute jeweils etwa zwei Stunden lang getrennt mit FDP und Grünen über eine von Kanzlerkandidat Olaf Scholz angestrebte Ampel-Koalition beraten. Am Abend wollen dann Vertreter von CDU und CSU erstmals mit der FDP Chancen für ein Jamaika-Bündnis zusammen mit den Grünen ausloten.

Zunächst trifft sich die SPD in Berlin um 15.30 Uhr mit der FDP und dann mit den Grünen um 18 Uhr. Für die SPD soll eine Sechser-Delegation kommen, die Partei setzt auf rasche Sondierungen. Grüne und FDP schicken jeweils Zehner-Delegationen. Die FDP-Gruppe um Parteichef Christian Lindner kommt dann am Abend um 18.30 Uhr auch noch zu einer ersten Gesprächsrunde mit der Union zusammen. Statements soll es jeweils nach den einzelnen Runden geben.

Ziemiak will "Zukunftsbündnis"

Laschet hatte sich bereits am Samstag in Berlin mit Mitgliedern des CDU-Sondierungsteams getroffen, um die heutigen Gespräche mit der FDP und den Grünen am Dienstag vorzubereiten. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak sagte der "Bild am Sonntag": "Wir gehen mit großem Verantwortungsbewusstsein in die Gespräche mit FDP und Grünen." Er fügte an: "Wir wollen unseren Beitrag in einem neuen Zukunftsbündnis dazu leisten, dass etwas Neues für unser Land entsteht."

Auch FDP-Generalsekretär Volker Wissing betonte, die FDP gehe offen in die Gespräche mit Union und SPD. "Wir haben eigene Grundwerte und ein eigenständiges Programm, das wir umsetzen wollen. Dazu brauchen wir Verbündete", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die künftige Regierung müsse fortschrittlich und bereit zu Reformen sein. Die Union forderte er zugleich auf zu klären, "ob sie an einem Strang zieht".

CDU-Chef Laschet unter Druck

Ähnliches forderte auch der FDP-Chef Christian Lindner. Der "Bild am Sonntag" sagte er, CDU und CSU müssten klären, ob sie wirklich eine Regierung führen wollten. "Manche Wortmeldung der CDU spekuliert ja, dass erst Verhandlungen mit der SPD scheitern sollen, bevor die Union wieder ins Spiel kommt. Das kann man unserem Land nicht zumuten", so Lindner. Man sei zu ernsthaften Gesprächen mit der Union bereit und erhoffe sich umgekehrt dasselbe.

Nach dem historischen Wahldebakel der Union gerät Kanzlerkandidat und CDU-Chef Armin Laschet derweil in den eigenen Reihen immer stärker unter Druck. In der CDU wird daher immer offener über eine inhaltliche und personelle Neuaufstellung diskutiert. "Dafür muss es einen Bundesparteitag geben, spätestens im Januar", sagte Parteivize Jens Spahn der "Welt am Sonntag". "Dass im Wahlkampf Fehler passiert sind und unser Spitzenkandidat nicht richtig gezogen hat, kann niemand leugnen." Mehrere CDU-Politiker forderten ein Mitgliedervotum über eine personelle Neuaufstellung, wenn die Jamaika-Sondierungen scheitern sollten.

Schulz kritisiert Laschet

Der frühere SPD-Vorsitzende Martin Schulz sagte "Bild am Sonntag" auf die Frage nach Gründen für das Weitermachen Laschets: "Laschet klammert sich an die Jamaika-Perspektive, weil er glaubt, das sei seine Lebensversicherung." Das führe zu einer Hängepartie in der Union. "Wenn es die theoretische Möglichkeit von Jamaika nicht gäbe, wäre Laschet schon von den eigenen Leuten zum Rücktritt gezwungen worden. "Wer ein Minus von neun Prozent bei einer Bundestagswahl einfährt, kann nicht reklamieren, das Land zu führen", so Schulz.

Die SPD war bei der Bundestagswahl am vergangenen Sonntag mit 25,7 Prozent stärkste Kraft geworden. Die Union stürzte auf den Tiefpunkt von 24,1 Prozent. Die Grünen kamen als Nummer drei auf 14,8 Prozent. Dahinter lag die FDP mit 11,5 Prozent.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 03. Oktober 2021 um 09:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Blitzgescheit 03.10.2021 • 11:23 Uhr

@Am 03. Oktober 2021 um 10:35 von born in stasi-land

Zitat: "Die letzten 16 Jahre Merkel hat mit Zukunft nichts zu tun. Kommt hin, die letzten 16 Jahre sind zeitlich betrachtet Vergangenheit. Alle weiteren Aussagen in Ihrem Beitrag finde ich aber indiskutabel." Ja. Fakten sind nun einmal unumstößlich und damit indiskutabel. Da haben Sie recht.