CDU-Generalsekretär Peter Hintze stellt am 18.7.1994 in Bonn mit dem Wahlplakat "Auf in die Zukunft ... aber nicht auf roten Socken" eine Aktion gegen die neue deutsche "Linksfront" vor. | picture-alliance/ dpa

Bundestagswahlkampf Die roten Socken sind zurück

Stand: 31.08.2021 14:42 Uhr

Die roten Socken haben in der deutschen Politik eine gewisse Tradition. Erstmals benutzt wurden sie von der Union im Wahlkampf 1994. Seitdem sind sie mehrfach wieder verwendet worden.

Von Anita Fünffinger, ARD-Hauptstadtstudio

Seit 1994 gibt es in Wahljahren in Deutschland einen immer wiederkehrenden Modetrend. Kurz vor der Abstimmung, also im Sommer, werden Stricksocken ins Schaufenster gehängt. Rote Socken.

Anita Fünffinger ARD-Hauptstadtstudio

Erfunden hat's der damalige Generalsekretär der CDU. Peter Hintze ließ Wahlkplakate mit roten Socken kleben. "Auf in die Zukunft ... aber nicht auf roten Socken" stand drauf.

Vorangegangen war die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, wo sich die rot-grüne Landesregierung von Ministerpräsident Reinhard Höppner von der PDS, der Vorgängerin der Linken, tolerieren ließ. "Zukunft statt Linksfront!" lautete die Devise von Hintze. Bei der Wahl scheiterte die PDS an der Fünf-Prozent-Hürde. Obwohl einzelne PDS-Abgeordnete trotzdem in den Bundestag einzogen, reichte es nicht für eine rot-rot-grüne Mehrheit. Mission erfüllt. 1998 legte Hintze die Kampagne in leicht abgewandelter Form nochmal auf. Diesmal nützte es nichts. Helmut Kohl wurde abgewählt. Auch Hintze trat zurück.

Der CDU-Generalsekretär Peter Hintze, der im Bonner Adenauerhaus ein CDU-Wahlplakat mit dem Schriftzug "Auf die roten Socken folgen die roten Hände" vorstellt. | picture-alliance / dpa

Statt roter Socken stellte CDU-Generalsekretär Hintze am 25. Mai 1998 die "Rote-Hände"-Kampagne vor. Bild: picture-alliance / dpa

Neuauflage im Bundestagswahlkampf 2009

Auf Bundesebene blieb die PDS schwach, aber in den ostdeutschen Ländern mischte sie ganz vorne mit. 2009 hatten Union und SPD mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier schon vier Jahre relativ gut miteinander regiert. Das hielt aber CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla nicht davon ab, die roten Socken sprichwörtlich wieder auf die Leine zu hängen: "Und jetzt sagt Herr Steinmeier, nach der Bundestagswahl niemals mit der Linkspartei. Seine Linksbekundungen sind schlicht unglaubwürdig."

Schwieriger war es 2013

Pofalla konnte sich beruhigen, seine CDU regierte fortan mit der FDP. Vier Jahre später trat für die SPD der ehemalige Finanzminister Peer Steinbrück an. Eine Rote-Socken-Kampagne 2013 ausgerechnet gegen ihn, den konservativen SPDler? Schwierig. Zumal Parteichef Sigmar Gabriel die Linie der SPD ganz klar festlegte: "Es wird weder eine Koalition mit der Linkspartei geben, noch sind Sozialdemokraten der Auffassung, dass man die größte Volkswirtschaft Europas in eine unsichere Situation per Tolerierung schicken kann."

Und 2021?

Zwei Große Koalitionen später nähert sich die Linke im Bund eher der Fünf-Prozent-Hürde als der Zweistelligkeit. Trotzdem geht das rote Gespenst auch im Jahr 2021 wieder um. CSU-Landesgruppenchef im Bundestag, Alexander Dobrindt, ist im Sommer einer der ersten Mahner vor der roten Gefahr in Person von Dietmar Bartsch, dem linken Spitzenkandidaten. "Wer Annalena Baerbock wählt, der muss wissen, dass er die bucklige Verwandtschaft mit Dietmar Bartsch mitbekommt."

Er greift die Grünen an. Womöglich auch, weil die ja eigentlich als politischer Hauptkonkurrent galten, nicht die schwächelnde SPD. Zumal deren Kandidat Scholz der FDP näher zu sein scheint als den Linken. SPD-Parteivize Kevin Kühnert gibt denn auch zu bedenken: "Wer ernsthaft glaubt, dass mit Olaf Scholz - ich wiederhole: Olaf Scholz - die kommunistische Gewaltherrschaft wieder einzieht in Deutschland, dass der mit der roten Fahne durch den Bundestag läuft, der ist ein bisschen falsch gewickelt."

Söder warnt vor "Linksrutsch"

Mit dem Erstarken der SPD nimmt die Union inzwischen Scholz in den Fokus. Nach Überzeugung von CSU-Chef Markus Söder sollte die Union die Warnung vor einem Linksbündnis ins Zentrum der Wahlkampf-Schlussspurts rücken. Er warnte denn auch vor einem "Linksrutsch". SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz habe noch einmal klargemacht, dass er sich das durchaus mit den Linken vorstellen könne, sagte Söder. Zudem sei Scholz nur Teil eines Teams. Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken, ihr Stellvertreter Kühnert oder auch Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter "stehen ja nicht gerade für eine bürgerliche Politik".

Auch Laschet versuchte im TV-Triell, den SPD-Kandidaten zu einer klaren Absage an eine Koalition mit der Linken zu bewegen. Scholz wich dem Thema aber aus. Inzwischen meldete sich auch die scheidende Kanzlerin und Ex-CDU-Chefin zu Wort: "Mit mir als Bundeskanzlerin würde es nie eine Koalition geben, in der die Linke beteiligt ist. Und ob dies von Olaf Scholz so geteilt wird oder nicht, das bleibt offen", sagte Angela Merkel.

Deutlich nein gesagt zu Rot-Rot-Grün hat in der Tat bislang niemand aus der SPD, und auch nicht bei den Grünen. Insofern kann die Union bis zum Wahltag noch ein wenig mit den roten Socken wedeln.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 31. August 2021 um 12:48 Uhr.