Armin Laschet vor einem Logo der CDU im Konrad-Adenauer-Haus | dpa
Analyse

Bundestagswahl Tiefer Sturz der Union trotz Aufholjagd

Stand: 26.09.2021 18:15 Uhr

Laut Prognose liegen Union und SPD gleichauf. Bereits jetzt ist klar: Für CDU/CSU ist es das schlechteste Wahlergebnis bei einer Bundestagswahl. Die SPD kann sich vor allem dank ihres Kanzlerkandidaten Scholz verbessern.

Von Jörn Schönenborn, WDR

Die Prognose gibt keinen Aufschluss darüber, ob Union oder SPD am Ende die Nase vorn haben werden. Sie zeigt, dass CDU und CSU nach dem tiefen Fall in den Umfragen eine kleine Aufholjagd gelungen ist. Das ändert aber nichts daran, dass es das schlechteste Bundestagswahlergebnis in der Unionsgeschichte ist. Der Sturz bliebt tief.

Jörg Schönenborn

Schlechte Noten in der Steuer- und Außenpolitik für die CDU

Dabei sind die Verluste bei Frauen fast doppelt so hoch wie bei Männern. Hier macht sich der Merkel-Faktor negativ bemerkbar. Auch sonst steckt im Ergebnis nicht nur der Malus für den Kanzlerkandidaten Armin Laschet, sondern auch ein miserables Zeugnis für die politische Arbeit der Union in den vergangenen Jahren.

Die Kompetenzverluste sind dramatisch. Allein die Wirtschaftskompetenz sinkt um 25 Punkte. Dazu schlechte Noten in der Steuer- und Außenpolitik. Wenn man einen Grund für die herbe Niederlage der Union sucht, dann liegt er hier: Das Zutrauen, dass CDU und CSU gut regieren können, ist verloren gegangen.

Scholz macht es für die SPD

Die SPD erholt sich von ihrem Negativrekord im Jahr 2017. Dabei hatte Olaf Scholz unter den Spitzenkandidaten in diesem Wahlkampf die größte persönliche Zugkraft. Vor allem ein Teil der hinzugewonnenen SPD-Wählerinnen und -Wähler gibt ihn als wichtigstes Wahlmotiv an. Mit auffälligen Kompetenzgewinnen für die Partei ist das allerdings nicht verbunden.

Der für die SPD zentrale Kompetenzwert der sozialen Gerechtigkeit steigt zwar um zwei Punkte auf 40 Prozent, bleibt aber historisch der zweitniedrigste. Scholz und seine Partei punkten bei Über-60- und Über-70-Jährigen. Hier haben sie traditionelle Unionswählerinnen und -wähler zu sich geholt, für die vor allem soziale Fragen wie eine sichere Rente wichtig waren.

Unter dem Strich: Der stärkere Kandidat mit nur geringen Kompetenzzuwächsen, das reicht für eine deutliche Verbesserung der SPD gegenüber 2017. Ob es für den Wahlsieg reicht, wird vermutlich erst die Auszählung zeigen.

Über dieses Thema berichtete Das Erste ab 26. September 2021 ab 17:15 Uhr.