Grünen-Chefs Baerbock und Habeck auf dem Kleinen Parteitag | dpa

Kleiner Parteitag der Grünen Viel Rückenwind

Stand: 02.10.2021 17:57 Uhr

Die Grünen wollen mitregieren - auch, wenn es nicht leicht wird. Das machten die Parteichefs Baerbock und Habeck heute noch einmal ganz klar. Die begeisterten Delegierten versprachen volle Rückendeckung. Vor allem für Baerbock gab es viel Lob.

Von Nina Barth, ARD-Hauptstadtstudio

Die Grünen wollen mitregieren, das ist klar. Und sie sind sich auch ziemlich sicher, dass es dazu kommt. Parteichef Robert Habeck formulierte es so: "Wenn wir uns nicht komplett dämlich anstellen, werden wir in den nächsten vier Jahren diese Regierung nicht nur mittragen, sondern maßgeblich mitbestimmen."

Nina Barth ARD-Hauptstadtstudio

Der kleine Parteitag der Grünen hat dem Verhandlungsteam den Rücken gestärkt - allen voran Annalena Baerbock, der ersten grünen Kanzlerkandidatin. Die wurde trotz eines Wahlergebnisses, das hinter den Erwartungen zurückblieb, gefeiert. Die Grünen hatten mit 14,8 Prozent ihr historisch bestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl geholt, wollten aber eigentlich stärkste Kraft werden.

Standing Ovations für die Kandidatin

Als Bundesgeschäftsführer Michael Kellner Baerbock für ihre Kandidatur dankte, gab es minutenlang Standing Ovations: "Ins Rennen um das Kanzleramt zu gehen, das war richtig. Deine Kandidatur, Annalena, war historisch. Die erste grüne Kanzlerkandidatin. Herzlichen Dank dafür", sagte Kellner.

Im Anschluss dankten weitere Delegierte Baerbock - auch Jürgen Trittin, der ehemalige Fraktionsvorsitzende und Bundesumweltminister der Grünen, der auch zum erweiterten Sondierungsteam gehört: "Du hast unseren Anspruch, diese Gesellschaft zu verändern, auch um den Preis der Diffamierung deiner Person durchgestanden", lobte der altgediente Grüne.

Worte, die Baerbock sichtlich gut taten. Gemeinsam mit Co-Parteichef Habeck stimmte sie die Partei auf schwierige Verhandlungen ein:

Das Ganze, und das muss man so ehrlich sagen - und deswegen gehen wir jetzt kleine, verantwortungsvolle Schritte - ist komplex. Diesen Aufbruch, den wir schaffen können, der ist nicht nur gesellschaftspolitisch historisch, sondern er ist auch historisch in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Eine Dreier-Konstellation hat es in diesem Land noch nie gegeben.

Regierungsbildung bis Weihnachten?

Ob es dabei in Richtung Dreierkonstellation mit SPD und FDP geht oder doch eher in Richtung Dreierkonstellation mit Union und FDP - festlegen wollen sich die Grünen weiterhin nicht. Baerbock erklärte: "Man kann sich stundenlang über Farbspielchen auseinandersetzen. Aber wenn wir Verantwortung übernehmen wollen, dann ist für uns der klare Maßstab, den Aufbruch, die Erneuerung für Klimaschutz, für eine liberale Gesellschaft, für echten sozialen Zusammenhalt zu schaffen. Und das heißt, in Gespräch offen zu gehen."

Doch egal in welcher Konstellation - es werde nicht leicht, ergänzte Habeck:

Das wird nicht ohne Debatten, ohne Zumutungen, ohne Anstrengungen möglich sein. Wir treten also ein in vier anstrengende Jahre. Denn ab jetzt - oder dann ab Weihnachten vielleicht - ist jede Krise unsere Krise, ist jede Herausforderung unsere Herausforderung. Wir können nicht mehr fordern oder Berichterstattung einfordern von anderen. Wir werden selber entscheiden müssen, und uns selber für die Entscheidungen rechtfertigen müssen.

Das letzte Wort haben die Mitglieder

Am Ende hat der kleine Parteitag dem Leitantrag mit nur einer Enthaltung und ohne Gegenstimme zugestimmt. Damit ist das zehnköpfige Sondierungsteam der Grünen offiziell eingesetzt, ebenso wie ein erweitertes Sondierungsteam, das unterstützen soll. Über den Eintritt in Koalitionsverhandlungen soll ein Parteitag abstimmen. Und über einen möglichen Koalitionsvertrag und das von grüner Seite vorgesehene Personaltableau sollen am Ende die Grünen-Mitglieder in einer Urabstimmung entscheiden. Bis dahin könnte es aber noch ein langer Weg werden. 

 

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 02. Oktober 2021 um 16:00 Uhr.