Armin Laschet beim Sommerinterview. | REUTERS
Analyse

Laschet im ARD-Sommerinterview Die Wundertüte für alle

Stand: 12.07.2021 05:00 Uhr

Klimaschutz ja, aber nicht um jeden Preis. Die Steuern nicht rauf, aber auch nicht runter. Das ARD-Sommerinterview hat vor allem eines gezeigt: Unions-Kanzlerkandidat Laschet will bloß nicht anecken.

Von Kristin Schwietzer, ARD-Hauptstadtstudio

Noch schnell die Schuhe zubinden. Armin Laschet wirkt entspannt, als er auf dem roten Sessel für das ARD-Sommerinterview Platz nimmt. Große Überraschungen hat er nicht im Paket, dafür ein paar kleine, die es in sich haben. So lautet seine Antwort auf die Frage, wie man trotz Pandemie, die Schulen wieder öffnen kann: Masken, Testen und Luftfilter.

Kristin Marie Schwietzer ARD-Hauptstadtstudio

Ausgerechnet in Nordrhein-Westfalen, dessen Ministerpräsident Laschet ist, war man bei der Anschaffung von Luftfiltern bisher eher zögerlich. Im Interview klingt das jetzt so: "Da haben wir ja bis jetzt viel Skepsis gehört. Jetzt scheint es möglich, daran müssen wir in den nächsten Tagen weiter dran arbeiten, entweder fest installiert oder mobil."

Laschet hat wohl erkannt, womit man im Superwahljahr "Mäuse" fängt und womit nicht. Zurück zur Normalität scheint ein Schlüssel zum Erfolg zu sein. Kinder und Jugendliche bräuchten das besonders - Präsenzunterricht: "Er ist die einzige Garantie für manche Kinder, dass sie echte Bildungschancen haben", so Laschet.

Eine Watsche für die eigene Fraktion

Alle mitnehmen, niemanden verprellen. Wohlfühl-Wahlkampf. Der Kanzlerkandidat der Union verspricht vielen vieles. Die Wirtschaft soll entlastet werden, die Bürger nicht belastet. Klimaschutz ja, aber nicht um jeden Preis. Sozial verträglich.

So korrigiert Laschet fast nebenbei die Entscheidung der Unionsfraktion, die CO2-Zusatzkosten beim Heizen einseitig auf die Mieter umzulegen. "Die jetzige Lösung, dass der Vermieter quasi gar nichts leistet, wird keinen Bestand haben", sagt er. Das ist eine Watsche für die Unionsfraktion. Die hatte einen Kompromiss zuletzt wieder gekippt. Laschet ahnt wohl, dass das bei einigen Mietern nicht gut ankommt, im Superwahljahr.

Gepflegtes Sowohl-als-auch

Also lieber beim Wahlversprechen bleiben, keine Steuern zu erhöhen. Steuern senken, will er aber auch nicht. Hier gibt es ein gepflegtes Sowohl-als-auch. Weder das eine noch das andere tun. Laschet versucht, was Merkel in den letzten 16 Jahren gelungen ist: die Wundertüte für alle. Vertrauen, dass es einer regelt. Keinen zu hart anfassen, vieles verstehen und ab und zu der politischen Konkurrenz das Wasser abgraben.

Der einzige Haken für den Kanzlerkandidaten der Union: Wie soll man Aufbruch verkörpern, wenn man 16 Jahre lang regiert hat? Laschet erklärt sich das so: "Das ist wahr, aber ich glaube, das waren trotzdem gute Jahre für Deutschland unter Angela Merkel. Ich habe die vier Weltkrisen erwähnt: Weltfinanzkrise, dann die Euro-Schuldenkrise, wo fast unsere Währung zerbrochen wäre, dann die Flüchtlingskrise und jetzt die Pandemie. Und das hat eher gezeigt, dass, wenn Krisensituationen da sind, die Menschen der CDU das zutrauen. Deshalb muss ein Stück Kontinuität da sein, aber das, was nicht optimal ist, das muss sich jetzt ändern."

Über Niederlagen will er noch nicht sprechen

Die Kanzlerin loben und doch Abstand schaffen - noch ein Spagat, den Armin Laschet im Superwahljahr bewältigen muss. Was die Kanzlerin besser kann als er? Ein Seufzer und ein: "Das weiß ich nicht." Am Ende weiß er es doch: "Ich schätze bei Angela Merkel die Arbeit der letzten 16 Jahre." Und die will er gern fortsetzen.

Laschet hält sich für einen guten Kanzler, weil er Erfahrung aus einem großen Industrieland mitbringe. Und wenn es nichts wird, kommt er trotzdem nach Berlin, als Oppositionsführer. Aber über Niederlagen will Armin Laschet jetzt noch nicht sprechen. Auf den Kanzlerkandidaten der Union wartet ein heißer Wahlsommer.

Über dieses Thema berichtete das Erste im Bericht aus Berlin am 11. Juli 2021 um 18:05 Uhr.