Umstrittene Szene mit Thomas Brauner und Armin Laschet | dpa

Forderung von SPD und Linken CDU soll Wahlwerbespot zurückziehen

Stand: 22.09.2021 17:08 Uhr

Ein CDU-Wahlwerbespot sorgt für Kritik. Darin zu sehen ist ein "Querdenker", der ein Podium von Kanzlerkandidat Laschet stürmt. SPD und Linke forderten die Partei auf, das Video zurückzuziehen.

Der CDU-Wahlwerbespot, in dem in einer kurzen Szene ein "Querdenker" an der Seite von Unions-Kanzlerkandidat zu sehen ist, sorgt für Empörung. SPD und Linkspartei forderten die CDU auf, den Spot zurückzuziehen. Sie begründeten dies auch mit der Veröffentlichung des Videos nach der Tötung eines Tankstellenkassierers in Idar-Oberstein, zu der es offensichtlich nach einem Streit um die Einhaltung der Maskenpflicht gekommen war.

Es sei "absolut inakzeptabel, dass der Kanzlerkandidat der CDU einen Corona-Leugner in seinem jüngsten Wahlspot auftreten lässt, der offenbar Beziehungen in die rechtsradikale Szene hat", sagte die Linken-Vorsitzende Susanne Hennig-Wellsow der Nachrichtenagentur AFP. Demokratische Parteien dürften "Querdenker nicht hofieren, sie müssen ihnen entgegentreten". An die Adresse des Unions-Kanzlerkandidaten sagte sie: "So etwas geht nicht, Herr Laschet - besonders nicht nach dem Anschlag von Idar-Oberstein."

Ähnlich äußerte sich SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil. "Während die Ermittlungen zu der schrecklichen Tat noch laufen, erdreistet sich die CDU mit einem Wahlkampfspot für Armin Laschet zu werben, in dem ein radikaler Querdenker verharmlost wird", sagte Klingbeil dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Ihm sei "unbegreiflich, wie eine Partei und ihr Kanzlerkandidat so pietätlos sein können". Der SPD-Generalsekretär forderte Laschet auf, das Video zurückzuziehen und sich bei den Angehörigen des Opfers zu entschuldigen.

"Querdenker" stürmt Wahlkampfbühne

In Idar-Oberstein war am Wochenende ein Tankstellenkassierer erschossen worden. Nach Angaben der Ermittler hatte er den mutmaßlichen Täter zunächst auf die Einhaltung der Maskenpflicht hingewiesen. Es sei zu einer Diskussion gekommen. Später habe der Tatverdächtige die Tankstelle erneut betreten, einen Revolver aus der Hosentasche gezogen und einen tödlichen Schuss auf den Kassierer abgegeben.

Der CDU-Spot rief auch deshalb zum Teil empörte Reaktion hervor, weil er nach dieser Tat zu sehen war. In der umstrittenen Szene springt ein "Querdenker" auf die Bühne neben Laschet. Der Mann beklagte sich damals über Corona-Maßnahmen. Unterlegt ist dies mit der Aussage, dass die CDU auch mit denen rede, die "eine kritische Haltung" haben.

Bereits kurz nach der Veröffentlichung des Wahlwerbespots empörten sich Politiker mehrerer Parteien. Der frühere Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Peter Dabrock, zeigte sich entsetzt, dass die CDU "nach dem fürchterlichen Terror-Mord von Idar-Oberstein" an dem Werbespot festhalte. Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen schrieb auf Twitter, das Video sei "ein Hohn für alle, die mit Solidarität und Engagement gegen das Virus kämpfen". Die Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Katarina Barley, kritisierte in einem Tweet, die CDU biedere sich bei den "Querdenkern" an und fische am rechten Rand.

Laschet verteidigt Wahlwerbespot

Laschet verteidigte das Wahlvideo. Es zeige, dass jemand bei einer Kundgebung auf die Bühne springe und einige Fragen stelle. Er finde, "man muss die Fragen der Kritiker beantworten, aber man muss ihnen in allem Klartext auch widersprechen und sagen: Wir dulden nicht, dass Hass und Ressentiments geschürt werden", sagte Laschet im ARD-Mittagsmagazin. Zu der Tat in Idar-Oberstein sagte er: Der Mordanschlag zeige, "was manche in der Querdenker-Szene, insbesondere auch bei der AfD, mit ihrem Hass erreicht haben."

Zuvor berichtete die Nachrichtenagentur dpa, in der CDU heiße es, bei den Mitgliedern komme das Video sehr gut an. Die Szene mit dem "Querdenker" sei aus dem Wahlkampf in Erinnerung geblieben. Sie zeige, dass Laschet keinem Konflikt aus dem Wege gehe. Auch in einem früheren CDU-Wahlwerbespot fand sich eine ähnliche Szene. Dort werden allerdings die gleichen Sätze über Bilder von Umwelt- und Klimaaktivisten gesprochen.