Paul Ziemiak (r), CDU-Generalsekretär, stellt die Kampagne der CDU Deutschlands für die Bundestagswahl vor.  | dpa
Analyse

CDU-Wahlkampagne Bilder, Bilder und ein paar Fragen

Stand: 06.07.2021 16:38 Uhr

Die CDU will in ihrer Wahlkampagne Kanzlerkandidat Laschet mit einem starken Team präsentieren. Erstmals wirbt die Partei deshalb mit Menschen und nicht nur mit Slogans. Doch nicht alles ist so, wie es scheint.

Eine Analyse von Franka Welz, ARD-Hauptstadtstudio

Thematisch bleibt die CDU sich treu: Wohlstand erhalten, Innere Sicherheit, das Klima schützen und gleichzeitig Jobs schaffen, die Familie stärken, dafür sorgen, dass Kinder "heute lernen, was morgen zählt", bezahlbarer Wohnraum, ein gutes Leben im Alter - keine großen Überraschungen also.

Franka Welz ARD-Hauptstadtstudio

Leitmotiv oder der "schwarze Faden" der Kampagne, wie CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak es nennt, ist der sogenannte Unionkreis - eine Form, die sich auf allen Wahlkampfmaterialien findet und laut Ziemiak Zusammenhalt demonstrieren soll. Denn die CDU sei nicht die Partei des "Entweder-oder", sondern die Partei des "Sowohl-als auch". Man könnte auch sagen, die Quadratur des Fadens.

Gesichter statt Slogans

Neue Wege geht die Partei bei der Präsentation: Menschen statt Slogans zieren die Plakate und das zum ersten Mal überhaupt. "Wir zeigen Gesichter und wir nehmen Themen in den Fokus," erklärte Ziemiak nicht ohne Stolz, als er die Kampagne im Konrad-Adenauer-Haus vorstellte.

Diese Gesichter sind männlich, weiblich, divers sind sie nicht, dafür aber weiß. Die Familie ist die traditionelle Kleinfamilie aus Mutter, Vater und Kind - alternative Familienentwürfe erwähnt Ziemiak zwar in seiner Präsentation, gezeigt werden sie jedoch nicht. Eine Pflegerin beugt sich liebevoll über Opa und es gibt sogar Plakate mit einer Ingenieurin mit Schutzhelm sowie einer Polizistin - sie zeigen Frauen in Berufen, die traditionell eher männlich besetzt waren.

Mehr Schein als Sein?

Nur haben zumindest zwei der Frauen auf den Plakaten andere Berufe als die dargestellten - sie arbeiten für die CDU. Die vorgebliche Pflegerin ist eine der Sprecherinnen der Partei, die Polizistin mit schusssicherer Weste ist eine der führenden Mitarbeiterinnen bei der CDU-Online-Kampagne "Connect".

Ziemiak nahm dies zwar in seiner Präsentation vorweg, ohne zu sehr ins Detail zu gehen und begründete es damit, die CDU habe in der Pandemie keine Krankenschwester, keine Polizistin, keinen Altenpfleger von der Arbeit abhalten wollen, um Fotos für Wahlwerbung zu machen und außerdem eine "verantwortungsvolle" und sichere Kampagne produzieren wollen.

Verantwortungsvoll mag sie sein, aber ist sie auch authentisch? Wie nah ist eine Partei tatsächlich an den Menschen, die Mitglieder, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen als Repräsentanten von Berufsgruppen verkleidet? Wie glaubwürdig ist ein Werbevideo, das den Unionskanzlerkandidaten Laschet als Zusammenführer von Bürgerdarstellerinnen und Bürgerdarsteller zeigt?

Die Grenzen des gemeinsam Machbaren

Wer gehofft hatte, unter all den Gesichtern, neben dem "Kanzlerkandidatenmotiv" (ein etwas verkrampft wirkender Laschet) auch einige aus Laschets Wahlkampfteam zu erspähen, wurde enttäuscht. Da aber wegen des zu erwartenden historisch hohen Anteils von Briefwählerinnen und -wählern ohnehin für die CDU "jeder Tag Wahltag" sei, so Ziemiak, würde die CDU die "ganze Breite" auch mit Personen und Gesichtern im Verlauf des Sommers deutlich machen.

Mit einem Plakatmotiv sollte jedoch niemand rechnen: Armin Laschet Seite an Seite mit dem ehemaligen Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen. Ein solches Plakat sei "nicht denkbar", erklärte Ziemiak auf Nachfrage, ein weiteres Signal der Abgrenzung von Maaßen, der sich für die CDU um ein Direktmandat in einem Wahlkreis in Südthüringen bewirbt und mit seinen regelmäßigen Provokationen zunehmend Kritik, auch aus der eigenen Partei auf sich zieht.

Unliebsame Bilder verhindern

Um unliebsame Bilder zu verhindern, bricht die Partei also mit einer weiteren Tradition, denn eigentlich sind Plakate, die Direktkandidatinnen und -kandidaten gemeinsam mit der Kanzlerkandidatin oder wie jetzt dem Kandidaten zeigen, Standard.

Laschet selbst war bei der Vorstellung der Kampagne, die ja auch seine Kampagne ist, übrigens nicht dabei. Das sei traditionell Sache des Generalsekretärs, sagte Ziemiak, während er alleine vorstellte, wie die CDU "Deutschland gemeinsam machen" will. In Berlin war Laschet durchaus: Er saß beim Empfang der niederländischen Royals im Bundesrat neben Königin Máxima.

Über dieses Thema berichtete am 06. Juli 2021 tagesschau24 um 11:00 Uhr und 16:00 Uhr sowie Deutschlandfunk um 17:00 Uhr in den Nachrichten.