Sendungsbild

Baerbock im ARD-Sommerinterview "Das müssen wir aufarbeiten"

Stand: 22.08.2021 17:19 Uhr

Die Kanzlerkandidatin der Grünen ist sich bewusst, dass sie an Zustimmung verloren hat. Im ARD-Sommerinterview gab sich Baerbock dennoch kämpferisch. Sie wolle das Land mit allen erneuern. Deutliche Worte fand sie zur Evakuierungsaktion in Afghanistan.

Es sieht nicht so rosig aus für Annalena Baerbock. Nur noch zwölf Prozent wollen sie als Kanzlerin, besagen die Umfragewerte. Sie liegt hinter Armin Laschet (CDU) und Olaf Scholz (SPD). Das weiß die Kandidatin der Grünen. Und sie weiß auch, dass sie Fehler gemacht hat. "Ja, es gab Rückschläge auch in der Kandidatur", sagte sie im ARD-Sommerinterview mit Blick auf zu spät gemeldete Einkünfte oder Ungenauigkeiten in ihrem Lebenslauf. Doch ihr gehe es darum, aus diesen Fehlern zu lernen und nicht den Kopf in den Sand zu stecken.

Sie stehe zu ihrer Kanzlerkandidatur und sei sich bewusst, dass es in diesem Land viele Aufgaben zu bewältigen gebe. Im Interview betonte Baerbock mehrmals, dass es ihr wichtig sei, gemeinsam zu handeln - gemeinsam in ihrer Partei, aber auch "gemeinsam mit den vielen Menschen" in Deutschland. Fünf Wochen vor der Bundestagswahl gibt sich Baerbock kämpferisch, will "rausgehen, um für Vertrauen zu werben", will mit den Menschen ins Gespräch kommen, als Kanzlerkandidatin, Grünen-Politikerin, als Frau und als Mutter. Ihr gehe es darum, das Land zu erneuern.

U-Ausschuss für Afghanistan

Deutliche Worte fand Baerbock zur aktuellen Afghanistan-Krise. "Wir müssen das aufarbeiten", sagte sie in einer Passage, in der es um die chaotischen Zustände rund um die Evakuierung ausländischer Staatsbürger und lokaler Mitarbeiter ausländischer Truppen und Organisationen aus Kabul ging und forderte einen Untersuchungsausschuss. Der Ausschuss müsse kommen, unabhängig davon, wer die nächste Bundesregierung anführe. "Das, was an Desaster passiert ist, das können wir nicht einfach verschweigen", betonte Baerbock.

Mit Blick auf den noch laufenden Evakuierungseinsatz sagte Baerbock, man werde "dieses große humanitäre Desaster nicht in den Griff bekommen", wenn die USA nicht deutlich machten: "Sie bleiben vor Ort, so lange Menschen gerettet werden müssen." Für weitere Rettungsflüge bleibt absehbar nur noch wenige Tage Zeit. Die USA wollen eigentlich zum 31. August den Abzug ihrer Truppen abschließen. Eine Fortführung des Evakuierungseinsatzes ohne die USA gilt als ausgeschlossen.

Baerbock forderte die Bundesregierung auch auf, andere Staaten zu einer Afghanistan-Konferenz einzuladen. Daran müssten China, Russland und Anrainer-Staaten Afghanistans teilnehmen, um zu klären, wohin Menschen in Sicherheit gebracht werden könnten, die nun etwa um ihre gesamte Familie fürchteten. Sie geht davon aus, dass deutlich über 50.000 Personen nach Deutschland gebracht werden müssten - Familienangehörige von Ortskräften, Journalisten und Menschenrechtsaktivisten mit eingerechnet.

9000 Euro E-Auto-Prämie

Baerbock stellte klar, Ziel ihrer Partei sei es unverändert, die nächste Regierung anzuführen. Der Klimaschutz ist dabei eines der wichtigsten Wahlkampfthemen. Baerbock betonte, dass im Wahlprogramm der Partei vor allem die kurzfristigen Ziele benannt seien, wie der Ausbau der Erneuerbaren Energien und der Kohleausstieg. "Es geht jetzt ums Machen." Und es gehe um die Frage: "Weitermachen wie bisher oder stellen wir jetzt die Weichen, um das zu verändern?" Der Klimaschutz müsse forciert werden, so Baerbock.

Die Grünen wollen deshalb den CO2-Preis in den nächsten Jahren Cent-weise erhöhen. Sie wollen aber auch die soziale Gerechtigkeit im Blick behalten. In diesem Zusammenhang nannte Baerbock einen höheren Mindestlohn von zwölf Euro und eine höhere Prämie für E-Autos. Diese soll von jetzt 6000 Euro auf künftig 9000 Euro steigen und auch für Kauf eines gebrauchten Elektroautos gelten.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 22. August 2021 um 15:00 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

avatar
Moderation 22.08.2021 • 19:49 Uhr

Schließung der Kommentarfunktion

Sehr geehrte User, die Meldung wurde bereits sehr stark diskutiert. Entscheidende neue Aspekte, die einer konstruktiven Diskussion förderlich wären, sind nicht mehr hinzugekommen. Deshalb haben wir beschlossen, die Kommentarfunktion zu schließen. Die Moderation