Anti-AfD-Aktion vom "Zentrum für Politische Schönheit" | Zentrum für Politische Schönheit / Patryk Witt

"Zentrum für Politische Schönheit" Künstler bekennen sich zu Anti-AfD-Aktion

Stand: 28.09.2021 18:30 Uhr

Die AfD habe ihnen "Woche für Woche ganze Lkw-Ladungen" Flyer geliefert - davon ausgehend, dass das Material an einen Verteilservice für Flyer geht. Den "Flyerservice Hahn" hatte das Künstlerkollektiv allerdings erfunden.

Die Künstlergruppe "Zentrum für Politische Schönheit" (ZPS) hat sich verantwortlich für einen fiktiven Flyerservice erklärt, dem die AfD große Mengen Wahlkampf-Faltblätter lieferte. "Wir hielten uns an die Corona-Empfehlungen der Bundesregierung: 'Wir waren faul wie die Waschbären und taten absolut gar nichts'", erklärte die Künstlergruppe unter Verweis auf einen Werbespot der Regierung während der Corona-Pandemie, der zum Zuhausebleiben aufrief. 

Unterschiedliche Angaben über Menge

Das ZPS habe der AfD angeboten, ihr Wahlkampfmaterial "in großem Stil abzunehmen und zu verteilen". Die Partei habe das Angebot "dankbar" angenommen und fünf Millionen Flyer "in die Logistikkette des ZPS" geliefert. "Ohne Auftragsbestätigung oder rechtsgültigen Vertrag kamen Woche für Woche ganze Lkw-Ladungen der AfD an", erklärte das Künstlerkollektiv. Die AfD hatte zuvor von einer Million Flyern gesprochen. 

Das ZPS erklärte weiter, der "Flyerservice Hahn" habe das Material schon wegen seiner Allgemeinen Geschäftsbedingungen nicht verteilen können. "Die AGBs des Dienstleisters schließen die Verteilung von 'Propaganda und Falschaussagen' sowie Werbematerialien 'politischer Parteien' ausdrücklich aus", hieß es in der Erklärung der Künstlergruppe.

Die AfD habe das Material an eine "windige Firma ohne Handelsregistereintrag" und mit der "Geschäftsadresse Zentrum für Politische Schönheit" geliefert. 85 AfD-Parteiverbände seien Kunden beim "Flyerservice Hahn" geworden. Das ZPS rief die Bürgerinnen und Bürger auf, sich zur Finanzierung des Rechtsstreits mit der AfD mit Spenden am Recycling der Flyer zu beteiligen. 

AfD will Strafanzeige stellen

Die AfD hatte bereits am Freitag mitgeteilt, die Bundesgeschäftsstelle werde "zeitnah eine Strafanzeige stellen und das weitere rechtliche Vorgehen prüfen". Die Parteichefs Tino Chrupalla und Jörg Meuthen hatten erklärt, der "Flyerservice Hahn" habe der AfD einige Wochen vor der Bundestagswahl angeboten, die Flyer "zu einem akzeptablen Preis in die Haushalte verteilen". Es seien mehrere Aufträge über insgesamt über eine Million Flyer erteilt worden. Dafür sei "eine Website fingiert und illegal die Umsatzsteuernummer eines völlig unwissenden Unternehmers benutzt worden".

Am Dienstagabend vor der Bundestagswahl seien die betreffenden Kreisverbände und Bundestagskandidaten der AfD per E-Mail darüber informiert, die Flyer könnten "aus organisatorischen Gründen" nicht verteilt werden. Chrupalla sprach von einem "massiven Eingriff in den demokratischen Wahlkampf".

Das ZPS hatte bereits in der Vergangenheit mit Aktionen gegen die AfD auf sich aufmerksam gemacht. So hatte die Künstlergruppe Ende 2017 in der Nachbarschaft des AfD-Rechtsaußen Björn Höcke im thüringischen Bornhagen eine Installation errichtet, die an das Berliner Holocaustmahnmal erinnerte.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 28. September 2021 um 23:08 Uhr.