Broschüren der AfD stehen in einem Regal | Bildquelle: picture alliance / Maurizio Gamb

Analyse zu AfD-Kandidaten Probleme mit der Abgrenzung nach rechts

Stand: 12.09.2017 12:03 Uhr

Immer wieder fallen AfD-Politiker durch rechtsextreme Äußerungen auf. Sind das Ausnahmen? Eine Analyse des Nachrichtenportals "BuzzFeed" zeigt: 47 von 396 AfD-Bundestagskandidaten grenzen sich nicht von Rechtsextremen ab, manche sind sogar selbst rechtsextremistisch.

47 Bundestagskandidaten der AfD haben sich in den vergangenen Monaten rechtsextrem geäußert oder grenzen sich nicht von Rechtsextremen ab. Das geht aus einer Analyse aller 396 AfD-Kandidaten durch "BuzzFeed News" hervor.

Zahlreiche AfD-Bundestagskandidaten der AfD pflegen demnach Kontakte zu "Pegida" und der rechtsextremen "Identitären Bewegung" oder zeigen erkennbare Sympathien für sie.

"Rechtsradikale Speerspitze"

"In vielen Äußerungen zeigt sich eine klare rechtsradikale Haltung, ein erhebliches Maß an Frauenfeindlichkeit und männlichem Chauvinismus, außerdem eine geschichtsrührende rechtsextreme Einstellung in Bezug auf Nationalsozialismus und die Geschichte Weimars", sagt der Extremismus-Experte Hajo Funke, emeritierter Professor an der FU Berlin.

"Die Äußerungen sind nicht verwunderlich, da sich die De-facto-Führung der AfD - Alexander Gauland, Alice Weidel, Jörg Meuthen, André Poggenburg, Björn Höcke - auf eine rechtsradikale Haltung geeinigt hat. Als rechtsradikale Speerspitze dominieren sie die Partei. Das wird auch auf eine mögliche Bundestagsfraktion Auswirkungen haben." 

Björn Höcke | Bildquelle: dpa
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AfD-Politiker wie Höcke zählt Funke zur "radikalen Speerspitze" der Partei.

Der Analyse zufolge äußerten sich zwölf AfD-Kandidaten für den Bundestag selbst rechtsextremistisch: Fünf Kandidaten trauern dem Deutschen Reich nach, sieben bedienen sich bei Vokabeln oder Symbolen des Dritten Reichs. 15 Kandidaten der AfD für den Bundestag relativieren Deutschlands Rolle im Zweiten Weltkrieg oder sehen einen "Schuldkult" darum. 

Insgesamt 30 Kandidaten dulden rechtsextreme Freunde in ihren Profilen oder sind Mitglied in entsprechenden Gruppen. Durch Mitgliedschaften in oder Sympathien für rechte Burschenschaften fallen insgesamt acht Bewerber auf. 

Mehrheit der AfD-Kandidaten nicht offen rassistisch

Das Ergebnis der Analyse zeigt aber auch: Der größte Teil der AfD-Kandidaten ist nicht offen rassistisch. Dennoch ist für Positionen von Rechtsextremisten in der AfD nicht nur in Einzelfällen Platz. Die Partei hält zahlreiche Menschen für tauglich, im Deutschen Bundestag zu sitzen, die sich von rechtsextremen Positionen nicht nur nicht abgrenzen, sondern diese zum Teil sogar aktiv verbreiten.

AfD-Kundgebung in Frankfurt/Oder im Mai 2017 | Bildquelle: dpa
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Für rechtsextreme Positionen ist in der AfD nicht nur in Einzelfällen Platz.

Vier Reporter des Nachrichtenportals recherchierten in allen 16 Landeslisten der AfD sowie allen 299 Wahlkreisen. Sie prüften sämtliche Äußerungen der AfD-Bundestagskandidaten auf deren sozialen Kanälen und Internetseiten sowie weitere Äußerungen in der Presse und in Videos während der zwölf Monate vor der Bundestagswahl.

"BuzzFeed" legte den Kandidatinnen und Kandidaten die entsprechenden Belege vor und fragte sie, ob sie etwas hinzufügen wollen, ob sie ihre Motivation für die Veröffentlichung der jeweiligen Stellen übersenden möchten und ob sie das Gefühl haben, dass die Fundstellen den zentralen Leitlinien der Parteiführung widersprechen. In den Fällen, in denen die Kandidaten plausible Erklärungen für die Äußerungen hatten, veröffentlichte "BuzzFeed" die entsprechenden Belege nicht. Der Bundesvorstand der AfD reagierte auf eine Anfrage von "BuzzFeed" bislang nicht.

Spitzenkandidaten-Portrait: Das Duo Gauland & Weidel
Dagmar Pepping, ARD Berlin
12.09.2017 12:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 13. September 2017 um 07:50 Uhr und tagesschau24 am 15. September 2017 um 09:00 Uhr.

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