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Russische Antivirensoftware Bundesamt warnt vor Kaspersky-Produkten

Stand: 15.03.2022 15:29 Uhr

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik sieht bei der Kaspersky-Virenschutzsoftware ein "erhebliches Risiko" eines IT-Angriffs von russischer Seite. Der Hersteller weist das zurück.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat Verbraucherinnen und Verbraucher, Unternehmen und Behörden gewarnt, Virenschutzsoftware des russischen Herstellers Kaspersky weiter zu verwenden. Sie sollten diese Software durch alternative Produkte ersetzen, riet das BSI. Die Firma könnte demnach Cyber-Angriffe ausführen oder selbst Opfer solcher Angriffe sein. 

"Das Vorgehen militärischer und/oder nachrichtendienstlicher Kräfte in Russland sowie die im Zuge des aktuellen kriegerischen Konflikts von russischer Seite ausgesprochenen Drohungen gegen die EU, die NATO und die Bundesrepublik Deutschland sind mit einem erheblichen Risiko eines erfolgreichen IT-Angriffs verbunden", erklärte das BSI.

Mögliches Einfallstor für Angriffe

Ein russischer IT-Hersteller könne selbst "offensive Operationen durchführen", er könne aber auch gegen seinen Willen gezwungen werden, Zielsysteme anzugreifen. Schließlich könne ein russisches Unternehmen selbst ausspioniert "oder als Werkzeug für Angriffe gegen seine eigenen Kunden missbraucht werden". 

Alle Nutzerinnen und Nutzer der Virenschutzsoftware von Kaspersky könnten von solchen "Operationen" betroffen sein, warnte das BSI. Besonders gefährdet seien Unternehmen und Behörden mit besonderen Sicherheitsinteressen oder Betreiber wichtiger Infrastrukturen. Sie können sich vom BSI oder vom Verfassungsschutz beraten lassen. 

Kaspersky: Entscheidung "politisch motiviert"

Kaspersky wies die Darstellung zurück. Der Konzern habe keine Verbindungen zur russischen Regierung. Man arbeite mit dem BSI zusammen, um die Bedenken auszuräumen. Die Entscheidung des BSI sei politisch motiviert und beruhe nicht auf einer technischen Bewertung der Antivirensoftware. Schädliche oder verdächtige Dateien von deutschen Nutzern würden in Rechenzentren in Zürich verarbeitet. Auf Wunsch könnten die Kunden unter anderem den Quellcode der verwendeten Software einsehen.

Das BSI mahnte, den Austausch wichtiger Bestandteile der IT-Sicherheitsinfrastruktur "sorgfältig zu planen und umzusetzen". Denn bei einer Abschaltung der Virenschutzsoftware ohne Vorbereitung "wäre man Angriffen aus dem Internet möglicherweise schutzlos ausgeliefert". Der Umstieg auf andere Produkte ist demnach auch nicht problemlos: Er sei mit "vorübergehenden Komfort-, Funktions- und Sicherheitseinbußen verbunden". 

Eintracht Frankfurt beendet Vertrag

Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt beendet mit sofortiger Wirkung den Sponsoringvertrag mit dem russischen Softwareunternehmen Kaspersky. Als Grund nannten die Hessen die offizielle und formelle Warnung des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), das Zweifel an der Zuverlässigkeit des Herstellers von Cyber-Security-Systemen geäußert hatte. Für die Eintracht sei dadurch eine auf Vertrauen in die Produkte und Dienstleistungen aufbauende Partnerschaft in diesem hochsensiblen Bereich nicht mehr möglich.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. März 2022 um 16:00 Uhr.