Bluttest zur Brustkrebserkennung an der Universitätsklinik Heidelberg | Bildquelle: dpa

Heidelberger Bluttest-Affäre Kommission sieht Führungsversagen

Stand: 16.07.2019 22:29 Uhr

In der Affäre um einen frühzeitig veröffentlichten Bluttest gegen Brustkrebs an der Uniklinik Heidelberg hat jetzt eine externe Untersuchungskommission ein Zwischenergebnis vorgelegt. Darin findet sie deutliche Worte.

Es sei eine ganze Reihe von Versäumnissen gewesen, die dazu geführt habe, dass am 21. Februar am Universitätsklinikum Heidelberg ein medizinisches Verfahren vorgestellt wurde, das zuvor nicht ausreichend getestet worden war. Die externe Expertenkommission, die den Vorgang in den zurückliegenden Monaten untersucht hat, findet deutliche Worte.

Bluttest "erkennbar zu früh" veröffentlicht

Ihr Co-Vorsitzender, der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft Matthias Kleiner, spricht von "Führungsversagen, Machtmissbrauch und Eitelkeit". Falsch verstandene Wissenschaftsfreiheit habe auf übergeordneter Ebene dazu geführt, dass niemand die Publikation des Tests verhindert habe. Dabei sei der Chef der Frauenklinik, Christof Sohn, vor dem Pressetermin gewarnt worden, den Bluttest vorzeitig zu veröffentlichen.

Sohn habe von der mangelnden Belastbarkeit der Testergebnisse gewusst, sagt die frühere Bundesverfassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt, die der Kommission ebenfalls vorsitzt. "Die öffentliche Vorstellung des Bluttests erfolgte erkennbar zu früh."

"Dramatisch hoher Anteil" von Fehldiagnosen

Kleiner konkretisiert, dass bei einem Drittel der Frauen in der Testreihe Brustkrebs nicht erkannt und bei einem weiteren, gesunden Drittel die fälschliche Diagnose Brustkrebs gestellt worden sei. "Das ist ein dramatisch hoher Anteil."

Auch eine interne Senatskommission der Uniklinik, die sich mit der Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis und dem Umgang mit Fehlverhalten in der Wissenschaft befasst, legte einen Zwischenbericht vor. Das vernichtende Urteil: Es gebe fachlich-wissenschaftliche Mängel fortlaufend seit Beginn der Forschung an dem Bluttest. Rechtliche Konsequenzen würden geprüft. Auch die Staatsanwaltschaft Mannheim befasst sich mit der Angelegenheit.

Die Vorsitzende des Aufsichtsrats der Uniklinik, Simone Schwanitz, kündigte zunächst einmal weitere Beratungen an. Welche Konsequenzen gezogen würden, könne sie zum jetztigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Juli 2019 um 16:35 Uhr in "Forschung aktuell".

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