A1-Rheinbrücke | Bildquelle: dpa

Marode Brücken in Deutschland "Probleme entstehen nicht über Nacht"

Stand: 12.08.2016 17:43 Uhr

Die Leverkusener Rheinbrücke ist wegen dringender Reparaturarbeiten gesperrt, auch die Schiersteinerbrücke zwischen Wiesbaden und Mainz bereitet den Behörden immer wieder Sorgen. Experten warnen vor einem riesigen Sanierungbedarf in ganz Deutschland.

Von Mona Ameziane für tagesschau.de

Besonders viele Probleme macht derzeit zum Beispiel die Leverkusener Brücke auf der A1 zwischen Köln und Leverkusen. Seit Donnerstagabend ist sie für drei Tage komplett gesperrt. Grund dafür sind Bauarbeiten an einem etwa 40 Zentimeter langen Riss an einem Seilanker. Normalerweise rollen pro Tag 120.000 Autos und Lkw über die Brücke, obwohl sie in den 1960er-Jahren für gerade einmal 40.000 Fahrzeuge geplant wurde.

Ein weiteres Beispiel: die Schiersteinerbrücke zwischen Wiesbaden und Mainz. Auch sie ist schon seit vielen Jahren ein Sorgenkind der Behörden, immer wieder mussten sie sie reparieren lassen. Obwohl die Höchstgeschwindigkeit für Fahrzeuge auf der Brücke zuletzt bis auf 60km/h zurückgesetzt wurde, senkte sich die Fahrbahn im Februar 2015 um 30 Zentimeter ab und musste sofort gesperrt werden.

Leverkusener Rheinbrücke der A1 wegen Reparaturen komplett gesperrt
tagesschau24 16:00 Uhr, 12.08.2016, Antraud Cordes-Strehle, WDR

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Haben die Behörden zu lange weggeschaut?

Fünf Prozent der Brücken in Deutschland sind marode und müssen dringend saniert werden. Das geht aus Brückendaten des Bundesverkehrsministeriums und der Länder hervor, die die "Welt" im September vergangenen Jahres ausgewertet hat. Erhoben wurden die Daten von den Straßenbaubehörden der Länder.

Für Brückeningenieur Hans-Dieter Lohoff liegen die Mängel an deutschen Brücken vor allem am erhöhten Verkehrsaufkommen, wie er am Beispiel der Leverkusener Brücke erklärt: "Der Verkehr hat zugenommen, die Brücke wurde einmal für ein Drittel der Fahrzeuge gebaut, die heute täglich über sie fahren. Außerdem hat auch der Schwerlastverkehr zugenommen und die Achslasten wurden erhöht", sagt Lohoff, Es gebe also viele Faktoren, die dafür sorgen, dass es Schwierigkeiten mit dem Material gibt."

Obwohl solche Mängel im Bauwerk ein Risiko darstellen, ist es unwahrscheinlich, dass eine Brücke tatsächlich einstürzt. Einmal im Jahr nehmen Ingenieure eine Sichtprüfung vor, alle sechs Jahre erfolgt eine sogenannte Hauptprüfung, bei der sie jedes Brückenteil penibel untersuchen. Falls nötig, können die Prüfer dann eine Gewichtsbegrenzung oder die Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit für die Brücke festsetzen. In manchen Fällen sind auch Sperrungen nötig, die dann für Verkehrschaos sorgen können.

Stefan Bratzel | Bildquelle: dpa
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Verkehrsexperte Stefan Bratzel sieht einen "riesigen Sanierungsbedarf".

Diese Maßnahmen wären heute gar nicht so häufig nötig, wenn die zuständigen Behörden - allen voran das Bundesverkehrsministerium - nicht so lange weggeschaut hätten, sagt Stefan Bratzel, Professor für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule in Bergisch Gladbach. "Solche Probleme entstehen nicht über Nacht. Jede Straße, jedes Haus und auch jede Brücke hat nur eine bestimmte Lebensdauer und deshalb hätte die Erneuerung der Brücken für die Behörden ein langfristiger Prozess sein müssen. Jetzt ist die Katastrophe da und es besteht ein riesiger Sanierungsbedarf, für den es keine kurzfristige Lösung gibt."

Sonderprogramm für Brückenmodernisierung

Auch Jürgen Berlitz, Bauingenieur und Verkehrsreferent des ADAC, kritisiert das Verhalten der zuständigen Behörden: "Man hat erst vor fünf oder sechs Jahren angefangen, die Dringlichkeit des Problems zu erkennen. Eigentlich hätte schon Ende der 1990er-Jahre klar sein müssen, dass mehr in die Erhaltung der Straßen und Brücken in Deutschland investiert werden muss." Auch wenn die Reaktion zu spät komme, sei zumindest im aktuellen Verkehrswegeplan das Problem erkannt und angemessen berücksichtigt worden, so Berlitz.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat außerdem ein "Sonderprogramm Brückenmodernisierung" aufgelegt, für das bis 2018 zwei Milliarden Euro zur Verfügung stehen. Experte Bratzel ist sich sicher, dass es in naher Zukunft trotzdem keine Lösung für die Problembrücken geben wird: "Man kann jetzt eigentlich nur noch nach und nach gegen die bestehenden Brückenschäden vorgehen. Das hat natürlich auch Folgen für die Auto- und vor allem die Lastwagenfahrer. Die meisten von ihnen können schon lange nicht mehr auf direktem Wege zu ihrem Ziel kommen, verbrauchen mehr Zeit, Benzin und schaden der Umwelt."  

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