Auszählung der Stimmen von Briefwählern | Bildquelle: dpa

Pro und Contra Mehr Briefwähler - bequem oder Problem?

Stand: 21.05.2019 17:10 Uhr

Die Zahl der Briefwähler steigt. Frank Aischmann sieht die Prinzipien der gleichen und geheimen Wahl in Gefahr. Christopher Jähnert meint dagegen, die Briefwahl erhöhe die Wahlbeteiligung.

Pro: Die Briefwahl sollte die Ausnahme bleiben.

Von Frank Aischmann, MDR

Klar, Briefwahl ist eine gute Sache. Für alle, die am Wahlsonntag nicht abstimmen können - wegen Urlaub, Krankheit, Behinderung, Dienstreise. Aber: Briefwahl ist als Ausnahme gedacht. Auch wenn es bequemer ist, in Ruhe zu Hause abzustimmen. Bisheriger Briefwahl-Rekord: Fast 50 Prozent bei der vergangenen Bundestagswahl in einem bayerischen Wahlkreis. Und das ist kritisch.

Denn einerseits ist die Abstimmung geheim. Allein in der Wahlkabine, keiner kann Einfluss nehmen, Tipps geben, manipulieren, gar stellvertretend das Kreuz machen. Wer will das bei den Briefwählern kontrollieren? Da müssen Vertrauen und die schriftliche Zusicherung reichen.

Zweites Stichwort: Gleiche Wahl: Wer schon vor zwei Wochen seinen Wahlschein abgeschickt hat, dem entgehen Wahlkampfendspurt und andere noch gar nicht absehbare Gründe, sich vielleicht doch noch einmal umzuentscheiden.

Wie gesagt: Wahltag ist Wahltag. Klingt langweilig, aber wichtiger noch als eine höhere Wahlbeteiligung durch die niedrigschwellige Abstimmung zu Hause ist das Grundvertrauen, dass in Deutschland wirklich jeder frei, geheim und gleich abgestimmt hat.

Die Briefwahl sollte die Ausnahme bleiben
F. Aischmann, ARD Berlin
21.05.2019 14:15 Uhr

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Contra: Wählen muss bequem sein.

Von Christopher Jähnert, SWR

Nach jeder Wahl gibt es Beschwerden, dass die Wahlbeteiligung zu niedrig war. Bei der vergangenen Europawahl in Deutschland lag sie bei nicht einmal 50 Prozent. Das zeigt: Für viele hat Wählen gehen keine große Priorität mehr. Fein anziehen und am Sonntag gemeinsam mit der Familie ins Wahllokal gehen. Das war einmal. Wählen muss sich offenbar einreihen zwischen viele andere Sonntagsbeschäftigungen.

Die Zahl der Briefwähler nimmt dagegen immer weiter zu. Und warum? Weil es einfach bequemer ist. Man kann es im Grunde tun, wann man will. Ganz offensichtlich spricht das Angebot auch viele an. Und dann wird ernsthaft die Frage gestellt, ob Briefwahl in Ordnung ist oder nicht? Wählen sollte so einfach wie möglich sein, damit hinterher keine Ausreden mehr kommen wie "Das Wetter war zu schlecht" oder "Keine Zeit gehabt".

Und mal ehrlich: Ist es wirklich so tragisch, wenn man zwei Wochen vor dem eigentlichen Wahltermin seine Stimme abgibt und der Wahlkampfendspurt dann eben keinen Einfluss mehr hat? Nein. Und natürlich kann bei der Briefwahl theoretisch jemand danebenstehen und beeinflussen. Ob das wirklich passiert, weiß niemand.

Aber bekannt ist: Das Wichtigste an der Demokratie ist, dass viele mitmachen. Und die Briefwahl hilft dabei.

Wählen muß bequem sein
C. Jähnert, ARD Berlin
21.05.2019 14:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 21. Mai 2019 um 15:25 Uhr.

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