Nicola Whittaker  | Bildquelle: SWR

Einbürgerung wegen Brexit Deutsche wider Willen

Stand: 11.12.2018 19:01 Uhr

Vor 70 Jahren wanderte ihre Mutter nach England aus und wurde Britin. Nicola Whittaker geht den umgekehrten Weg: Sie zog nach Deutschland und wird jetzt Deutsche. Aus Angst vor dem Brexit.  

Von Stephan Lenhardt, SWR

"Good Morning, Miss Whittaker", tönt es zur Begrüßung durchs Klassenzimmer. Es ist 7.55 Uhr in Alzey (Rheinland-Pfalz). Nicola Whittaker steht im schwarz-rot karierten Schottenrock vor ihrer Klasse 5c. In ihrer Hand ein englischer Christmas Pudding.

Irgendwie erinnert sie an Marry Poppins. "Today we talk about Christmas Dinner." Das Elisabeth-Langgässer-Gymnasium ist eine bilinguale Schule. Steht Whittaker vor ihrer Klasse, spricht sie ausschließlich Englisch - selbst wenn sie mal ein Schüler auf Deutsch anspricht. 

Britin wird deutsch wider Willen
ARD-Morgenmagazin, 11.12.2018, Britin wird deutsch wider Willen

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Per Brexit zur deutschen Staatsbürgerschaft

"Die britischen Tugenden sind tief in mir verwurzelt: die Zurückhaltung, das viele please and thank you." Zum Frühstück hatte sie natürlich britischen Tee.

Den gibt es jeden Tag auch um 17 Uhr. Whittaker ist bereits im Jahr 1970 aus East Anglia nach Bad Kreuznach gekommen. Da war sie gerade mal zehn Jahre alt. Trotzdem: "Ich wäre nie auf die Idee gekommen, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen", sagt sie.

Nicola Whittaker | Bildquelle: SWR
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Nicola Whittaker lässt sich einbürgern: Die britische Staatsbürgerschaft möchte sie aber nicht aufgeben.

Angst vor Brexit

Der Brexit hat sie zu diesem Schritt getrieben, sagt sie. Als verbeamtete Lehrerin sorgt sie sich um ihren Status in der Zukunft.

"Ich höre auch, dass die britische Regierung vielleicht ausländische Beschäftigte ausweisen will. Wer weiß, ob die deutsche Regierung ähnliche Gedanken haben würde. Das war mir zu heikel", sagt Whittaker. "Ich bin fassungslos, was sich in meiner Heimat abspielt. Und wütend, weil wir Briten im Ausland in die Entscheidung gar nicht eingebunden wurden."

Mit dem deutschen Pass geht sie quasi den umgekehrten Weg, den ihre Mutter einst einschlug. 1949 siedelte die der Liebe wegen von Deutschland nach England aus. Sie nahm die britische Staatsbürgerschaft an. Den deutschen Pass gab sie auf.

Immer mehr Briten werden deutsch

Rund 70 Jahre später ist der Trend umgekehrt: Während im Jahr 2015 gerade mal 622 Briten eingebürgert wurden, waren es 2016 - das Jahr, in dem die Briten für den Brexit stimmten - mehr als 2800. Und 2017 bekamen fast 7500 Briten einen deutschen Pass. Im vergangenen Jahr sind 21.400 Menschen aus Großbritannien nach Deutschland umgezogen. So viele wie seit 18 Jahren nicht mehr.

"Mein Herz schlägt britisch"

Nicht wenigen dürfte es wie Whittaker gehen. "Mein Herz schlägt auch noch britisch", sagt sie. Dafür habe ihr Elternhaus sie viel zu sehr geprägt. Als EU-Bürgerin darf sie beide Pässe behalten.

Jetzt hofft sie auf ein zweites Referendum. Für ihre Landsleute hat sie wenig Verständnis: "Das ist der alte Empire-Gedanke." Der sei nicht aus den Köpfen zu kriegen. "Ich glaube, die Engländer haben nie verwunden, dass sie ihr Empire verloren haben." Diese Idee, dass man es allein schaffen könne, stecke einfach noch in den Köpfen. "Doch dieses Denken hat sich doch heute überholt", sagt Whittaker. Trotzdem: Die britische Staatsbürgerschaft aufzugeben, käme für die "Noch-EU-Bürgerin" nie infrage. "Never ever."

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 11. Dezember 2018 um 06:11 Uhr.

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