Polizisten stehen vor dem Lübecker Hauptbahnhof, der nach einer Bombendrohung abgesperrt worden war. | Bildquelle: dpa

“Nationalsozialistische Offensive“ Bundesweite Serie von Bombendrohungen

Stand: 13.03.2019 17:59 Uhr

Die Absender nennen sich "Nationalsozialistische Offensive", "NSU 2.0" oder "Wehrmacht": Eine Serie von Drohbriefen beschäftigt Polizei und Staatsanwaltschaft. Laut NDR und "SZ" besteht ein Zusammenhang.

Von Antonius Kempmann und Reiko Pinkert, NDR

Zu den Bombendrohungen gegen das Finanzamt Gelsenkirchen und den Hauptbahnhof Lübeck bekennen sich nach Informationen von NDR und "Süddeutscher Zeitung" angeblich Rechtsextremisten. Beide Gebäude waren Anfang der Woche geräumt worden. Sprengsätze waren nicht gefunden worden.

In einer Mail an die Bundestagsabgeordnete Martina Renner (Die Linke) erklärt ein Absender mit dem Namen "Nationalsozialistische Offensive", er stecke hinter den Bombendrohungen. Außerdem behaupten der oder die Täter in dem Schreiben, zahlreiche weitere Finanzämter und Bahnhöfe im gesamten Bundesgebiet bedroht zu haben.

Verschiedene Absender von angeblich Rechtsextremen

Seit Ende des Jahres 2018 registrieren die Ermittlungsbehörden eine bundesweite Serie von anonymen Drohmails aus dem sogenannten Darknet. Mittlerweile zählen die Behörden nach Informationen von NDR und "SZ" mehr als 100 solcher Fälle. Unterzeichnet sind diese Schreiben mit wechselnden Absendern wie "Nationalsozialistische Offensive", "NSU 2.0" oder schlicht "Wehrmacht".

Auch die Adressen, von denen die E-Mails verschickt wurden, wechseln sich ab. Die Wortwahl der Schreiben und die Empfänger weisen aber laut Ermittlern Ähnlichkeiten auf. Die Opfer werden jeweils persönlich angeschrieben, darunter sind Politiker, der Zentralrat der Juden und Künstler. Auch die Sängerin Helene Fischer, die sich nach den Ausschreitungen in Chemnitz gegen Fremdenfeindlichkeit äußerte, soll zu den Betroffenen zählen.

Die Linke-Bundestagsabgeordnete Martina Renner
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Die Linke-Bundestagsabgeordnete Martina Renner erhielt einen der Bekennerbriefe - Absender: "Nationalsozialistische Offensive". | Bildrechte: Dirk Reinhardt/MDR

Drohungen auch gegen Prominente und Institutionen

Außer an prominente Einzelpersonen häuften sich in den vergangenen Monaten die Briefe an Institutionen des öffentlichen Lebens. So gingen Drohmails unter anderem an das Oberlandesgericht München, das Oberlandesgericht Bamberg, ein Gebäude der Staatsanwaltschaft in Frankfurt und den Flughafen Hamburg.

Ob dahinter jeweils dieselben Absender stecken oder es auch Trittbrettfahrer gibt, ist unklar. In keinem Fall sind bisher Sprengsätze gefunden worden, die Drohungen seien laut Ermittlern "virtuell geblieben".

Koordinierte Ermittlungen seit Januar

Am 21. Januar dieses Jahres beschlossen die deutschen Generalstaatsanwälte, die Ermittlungen zu koordinieren. So wurde die Berliner Staatsanwaltschaft beauftragt, ein Sammelverfahren zu führen, da viele der Drohbriefe in der Hauptstadt eingegangen waren. Ermittelt wird wegen räuberischer Erpressung, Volksverhetzung und Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten. Der Generalbundesanwalt, der für Ermittlung in Terrorfällen zuständig ist, hat außerdem einen Prüfvorgang angelegt.

In dem jüngsten Schreiben, das am Dienstag bei der Bundestagsabgeordneten Renner eintraf, kündigte die "Nationalsozialistische Offensive" an, künftig auch Briefbomben verschicken und Bürger "auf offener Straße zu exekutieren". Der oder die Absender behaupten außerdem, über Sturmgewehre, Pistolen und biologische Kampfstoffe zu verfügen. In dem teilweise wirren Selbstbezichtigungsschreiben äußern sich die Verfasser zudem ablehnend gegenüber dem Justizwesen, den Banken und dem Parteiensystem, auch gegenüber der AfD.

"Netzwerke müssen untersucht werden"

Die Abgeordnete Renner fordert die Behörden zum Handeln auf: "Drohungen müssen ernst genommen werden, Netzwerke müssen untersucht werden und Betroffene müssen besser informiert werden." Bei den Sicherheitsbehörden heißt es dagegen, dass man die Drohungen in jedem Fall ernst nehme.

In den 1970er-Jahren gab es eine rechtsterroristische Vereinigung, die Bombenanschläge auf Gerichtsgebäude in Norddeutschland verübte. Mitglieder der sogenannten "Braunschweiger Gruppe" waren nach ihrer Ergreifung zu Haftstrafen verurteilt worden.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 13. März 2019 um 18:30 Uhr.

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