Das Landgericht in Kiel | Bildquelle: dpa

Anonyme E-Mails Landgerichte wegen Bombendrohungen geräumt

Stand: 11.01.2019 19:31 Uhr

Mehrere Landgerichte sind nach Bombendrohungen geräumt worden. Laut Polizei gingen anonyme E-Mails einer "nationalsozialistischen Offensive" ein. Inzwischen gibt es überall Entwarnung.

Nach einer Serie von Bombendrohungen sind am Vormittag Landgerichte mehrerer Städte in Deutschland vorübergehend geräumt worden. Betroffen waren Gebäude in Potsdam, Magdeburg, Erfurt, Wiesbaden, Saarbrücken, Hamburg und Kiel. In mindestens vier Fällen ging laut Behörden die Drohung einer angeblichen "nationalsozialistischen Offensive" per E-Mail ein. Die Polizei setzte Sprengstoffhunde ein, fand aber nichts Verdächtiges und gab überall Entwarnung.

Der Absender ist den Behörden in Bund und Ländern nach Angaben des Bundesinnenministeriums bekannt. "Es handelt sich um einen oder mehrere Personen, die als Vielschreiber wiederholt Drohungen gegenüber verschiedenen Institutionen geäußert hat beziehungsweise haben", sagte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur.

Angebliche Nazi-Unterzeichnung

Laut der Polizei in Magdeburg wurde in der E-Mail mit einem Anschlag auf bundesweiter Ebene gedroht. Der Absender sei anonym. Die Staatsschutzabteilung der Kriminalpolizei Schleswig-Holstein ermittelt: Eine Einschätzung, wie real ein rechtsextremistischer Hintergrund sein könnte, sei bisher nicht möglich.

In Hamburg gab es ebenfalls eine Warnung. Die Mail enthalte laut Polizei rechtsextreme Bezüge. Die Ermittler ließen das Gebäude hier nicht räumen. Auch hier ermittelt der Staatsschutz.

Rund 200 Menschen mussten in Potsdam aus dem Justizzentrum gebracht werden. Hier wurde mit einem Sprengstoffhund das Gebäude abgesucht und der Bereich um das Gebäude abgesperrt.

Bisher keine Funde

In Erfurt wurden rund 30 Bedienstete aus dem Gerichtsgebäude gebracht. Ein Sprengstoffspürhund schlug bei der Suche nicht an. Nach Angaben der Erfurter Polizei konnte die Arbeit im Gerichtsgebäude wieder aufgenommen werden. Entwarnung auch in Saarbrücken.

Auch in Saarbrücken blieb die Durchsuchung mit Spürhunden ohne Fund.

Auch Gebäude der Landgerichte Kiel und Wiesbaden wurden geräumt. Das Kieler Landgericht ist inzwischen ebenfalls wieder zugänglich. "Der Einsatz ist beendet, es gab nichts", teilte die Polizei mit. Zuvor hatten Spürhunde den Außenbereich des Komplexes abgesucht. In den vergangenen Wochen hatten bereits Bombendrohungen an anderen Landgerichten in Schleswig-Holstein die Einsatzkräfte beschäftigt. Bei keinem der Vorfälle wurden verdächtige Gegenstände gefunden.

Barley verurteilt Drohungen

Bundesjustizministerin Katarina Barley wertet die Bombendrohungen als Angriff auf die Justiz und das demokratische Gemeinwesen. "Die Bombendrohungen an mehreren Landgerichten und den Angriff auf den Bundesgerichtshof in der Silvesternacht in Leipzig verurteile ich scharf", sagte die SPD-Politikerin. "Wer Gerichte bedroht, greift die unabhängige Justiz und unser demokratisches Gemeinwesen an. Diese Straftaten müssen mit allem Nachdruck aufgeklärt und die Täter zur Verantwortung gezogen werden."

In Leipzig hatten Unbekannte in der Silvesternacht ein Gebäude des Bundesgerichtshofs beschädigt. Nach Angaben des sächsischen Landeskriminalamtes deutet die Vorgehensweise der Täter auf eine geplante, organisierte Aktion hin.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Januar 2019 um 11:00 Uhr.

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