SPD-Neumitglied Jan Böhmermann bei seiner Kampagne #neustart19 Ende August. | Bildquelle: dpa

Kandidatur für SPD-Vorsitz Ernsthaft Böhmermann?

Stand: 02.10.2019 15:28 Uhr

Jan Böhmermann hat die erste Hürde Richtung SPD-Vorsitz genommen. Der Satiriker ist offiziell in die Partei aufgenommen worden. Beim Bundesparteitag im Dezember kann er theoretisch zum SPD-Chef gewählt werden.

Die SPD sucht derzeit eine neue Führung. Seit Wochen touren die Kandidatenpaare durch die Republik, stellen sich den Fragen der Basis und werben für ihre Inhalte. Die Partei hatte sich entschlossen, nach dem Rücktritt von Andrea Nahles ein ganz neues Verfahren zur Besetzung ihrer Spitzenposten auszuprobieren - Mitgliederentscheid statt Hinterzimmer. Auf dem Parteitag Anfang Dezember soll dann das Gewinnerteam formal bestätigt werden. Gut möglich, dass dann auch der Name Jan Böhmermann auf dem Wahlzettel auftaucht.

Jan Böhmermann bei seiner Kampagne #neustart19 Ende August. | Bildquelle: dpa
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Böhmermann bei seiner Kampagne #neustart19 Ende August.

Ausnahme vom Wohnortsprinzip

Der Satiriker ist in die Partei aufgenommen worden - die erste Hürde auf seinem Weg an die SPD-Spitze. Der SPD-Kreisverband Anhalt-Bitterfeld hatte am späten Dienstagabend einen Beschluss des Kreisvorstands bekannt gemacht, ihn offiziell dem Ortsverein Köthen zuzuordnen. Dieser hatte den Kölner zwar bereits aufgenommen - das bedurfte aber nach der Bestätigung der Kölner SPD auch noch der des Kreisverbands.

Eigentlich hätte Böhmermann an seinem Wohnort Köln Mitglied werden müssen. Nachdem aus dem zuständigen Ortsverband aber ablehnende Stimmen laut geworden waren, fand sich die Köthener SPD zur Aufnahme bereit - die Sozialdemokraten der Rheinmetropole genehmigten dann die dafür erforderliche Ausnahme vom Wohnortprinzip.

Böhmermann kündigte daraufhin auf Twitter an, seine Bewerbung für den Vorsitz einreichen zu wollen.

Böhmermann braucht drei Ortsvereine

Von der Seitenline aufs Spielfeld - geht das? Kann der 38-Jährige wirklich SPD-Chef werden, wenn er sich doch am Kandidaten-Casting nicht beteiligt? Antwort: Er kann. Rein formal hätte Böhmermann tatsächlich die Chance auf eine Kandidatur. Denn das Kandidaten-Casting der Partei ist nicht der einzige mögliche Weg. So könnte er mit Unterstützung von drei Ortsverbänden bis zu zwei Monate vor dem Parteitag seinen Hut in den Ring werfen - das sieht das Organisationsstatut der Partei vor, wie ein Parteisprecher erläutert. Im Fall einer Initiativbewerbung geht es laut Geschäftsordnung sogar noch direkt auf dem Konvent im Dezember in Berlin. Dann ist allerdings die Unterstützung von 50 Delegierten aus fünf Bezirken nötig.

In der SPD ist man so mäßig begeistert über das Neu-Mitglied. Erstmals sucht die Partei in einem aufwändigen basis-demokratischen Verfahren eine neue Führung - eine Führung, die die kriselnde Partei aus dem Tief holen und für neuen Schwung sorgen soll.

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Was sind Böhmermanns Motive?

Speziell für den Parteitag hat sich die SPD viel vorgenommen. Nicht nur das siegreiche Kandidatenduo will die Partei bestätigen, auch will sie die Halbzeitbilanz der Koalition bewerten und wohl über deren Zukunft entscheiden. Und die SPD will sich organisatorisch und programmatisch runderneuern. Wie würde ein Bewerber Böhmermann da hineinpassen? Würde er tatsächlich vor den Delegierten reden? Will er das überhaupt? In der Partei ist man aber auch wenig geneigt, den Satiriker so weit gewähren zu lassen, dass er den Konvent am Ende durcheinanderbringen kann.

In der SPD rätselt man auch über Böhmermanns Motive. Will er der Partei schaden, indem er sie mit seiner Kandidatur ins Lächerliche zieht, oder meint er es ernst und will der SPD wirklich auf die Beine helfen? Generalsekretär Lars Klingbeil entschied sich für die zweite Möglichkeit. Auf Twitter hieß er den Satiriker willkommen. Und wies dann auf all die mühseligen Aufgaben für SPD-Basismitglieder hin, die manche Böhmermann wohl nicht recht zutrauen: "Jetzt geht’s los! Infostände, Hausbesuche, Bürgergespräche, Plakate kleben. Wir freuen uns sehr, dass du jetzt an unserer Seite für eine starke Sozialdemokratie kämpfst!"

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Oktober 2019 um 12:38 Uhr.

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