BND-Zentrale Berlin | Bildquelle: picture alliance/dpa

Eröffnung der Geheimdienstzentrale Schindler für Komplett-Umzug des BND

Stand: 08.02.2019 12:05 Uhr

Kostenexplosion, beträchtliche Zeitverzögerung, verschwundene Baupläne: Über Jahre hat der Neubau der BND-Zentrale in Berlin für Ärger gesorgt. Auch kurz vor der Eröffnung durch Kanzlerin Merkel gab es Kritik.

Unmittelbar vor der offiziellen Eröffnung der neuen Zentrale des Bundesnachrichtendienstes (BND) am Vormittag hat dessen früherer Präsident Gerhard Schindler den Verbleib von Teilen des Auslandsgeheimdienstes in Bayern kritisiert. Es sei ein "Webfehler, dass die Technische Aufklärung in Pullach verbleibt", sagte Schindler dem RBB. "Das erschwert natürlich die Dienstaufsicht, das erschwert natürlich die Zusammenarbeit mit der Zentrale."

Ex-BND-Chef Schindler | Bildquelle: dpa
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EX-BND-Chef Schindler sieht es als Fehler an, dass die Technische Aufklärung in Pullach bleibt.

Für diese Teilung des BND gebe es keinen vernünftigen, logischen Grund. Schindler sagte, er hoffe, "dass man diese Entscheidung im Laufe der Jahre korrigiert und diese heterogene Struktur, die man jetzt bewusst eingeht, dann doch überwindet und eine homogene Struktur in der Hauptstadt Berlin schafft".

Auch aus der Politik gab es kritische Stimmen: "Als der Neubau beschlossen wurde, hat man damit argumentiert, dass dann alle Mitarbeiter des BND an einem Standort zusammengeführt und Außenstellen geschlossen werden könnten. Genau das passiert jetzt nicht", sagte André Hahn, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Linkspartei und Mitglied im Parlamentarischen Kontrollgremium dem SWR.

Eröffnung durch Merkel

Knapp elf Jahre nach der Grundsteinlegung eröffnete Kanzlerin Angela Merkel am Vormittag die neue BND-Zentrale in Berlin. Rund 4000 der 6500 Geheimdienstler des BND arbeiten nun in dem Neubau mitten in Berlin. Der Umzug des deutschen Auslandsgeheimdienstes von Pullach bei München und anderen Standorten in die moderne Zentrale in Berlin wurde bereits im Januar mit dem Einzug der Schule für die Geheimdienstler abgeschlossen.

Die Baukosten lagen bei etwa 1,1 Milliarden Euro, ursprünglich geplant waren 720 Millionen Euro - es kam zu erheblichen Zeitverzögerungen. 2011 verschwanden wichtige und vor allem geheime Baupläne. Vier Jahre später stand die noch unfertige BND-Zentrale unter Wasser. Unbekannte waren in die Hochsicherheitsbaustelle eingedrungen und hatten die Wasserhähne abmontiert.

Mehr Anfragen an den BND

Für die Mitarbeiter des traditionell kritisch beäugten BND und seinen Präsidenten Bruno Kahl ist die Eröffnung durch Merkel ein wichtiges Zeichen der Anerkennung. Für die Abnehmer der Informationen und Analysen des BND in Regierung und Politik hat sich mit dem Umzug vom hermetisch abgeriegelten früheren Standort in einer Parkanlage über dem Isartal in die hektische Berliner Mitte schon einiges geändert.

Die Zahl der Anfragen ist ebenso gestiegen wie jene der Briefings von Politikern und Regierungsmitgliedern. Der Dienst sei dynamischer geworden, heißt es in den Reihen seiner Kontrolleure anerkennend. Am Ende der Veränderungen angekommen sei der BND aber noch lange nicht.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 08. Februar 2019 um 07:30 Uhr in den Nachrichten.

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