Notdürftige Gräber in Butscha | dpa

Gräueltaten von Butscha BND hat Erkenntnis über russische Verantwortung

Stand: 07.04.2022 17:08 Uhr

Der BND kann offenbar forensisch belegen, dass für die Gräueltaten in Butscha russische Staatsangehörige verantwortlich sind. Auch Söldner privater Sicherheitsunternehmen sollen beteiligt gewesen sein.

Michael Götschenberg ARD-Hauptstadtstudio

Von Michael Götschenberg, ARD-Hauptstadtstudio

Am Mittwoch informierte der BND Abgeordnete des Bundestags in mehreren vertraulichen Sitzungen über seine Erkenntnisse zu den Geschehnissen in Butscha. Was der Dienst präsentierte, sei erschütternd, heißt es in Fraktionskreisen.

So sei es dem BND gelungen, durch die Auswertung von Satelliten-Aufnahmen, öffentlich zugänglichen Videos, die beispielsweise über Social Media verbreitet wurden, und abgefangenen Funksprüchen zu rekonstruieren, was sich in Butscha zugetragen hat und wer dafür die Verantwortung trägt. Das wurde dem ARD-Hauptstadtstudio in Fraktionskreisen des Bundestags bestätigt. Zuerst hatte der "Spiegel" darüber berichtet.

Demnach, so heißt es, könne der BND forensisch klar nachweisen, dass russische Staatsangehörige für die Ermordung der Zivilisten verantwortlich sind. Der Kreml hat bisher mit Nachdruck jegliche Verantwortung bestritten.

Armee-Angehörige und private Söldner

Konkret werden ein Luft-Sturm-Regiment und ein weiterer Verband der russischen Armee mit den Taten in Verbindung gebracht, heißt es in Fraktionskreisen. Anhand von Satellitenaufnahmen habe der BND nachgewiesen, welche russischen Verbände zur fraglichen Zeit vor Ort gewesen seien.

Darüber hinaus habe der BND Hinweise darauf, dass Söldner, die in Diensten von privaten russischen Sicherheitsunternehmen stehen, ebenfalls an den Gräueltaten beteiligt waren.

In den vergangenen Wochen war bereits wiederholt von einem Einsatz von Söldnern der sogenannten Gruppe Wagner in der Ukraine die Rede. Unter anderem das britische Verteidigungsministerium hatte darüber informiert, dass es entsprechende Erkenntnisse gebe. In Fraktionskreisen heißt es, der BND gehe davon aus, dass in Butscha Söldner eines anderen privaten russischen Sicherheitsunternehmens beteiligt waren.

BND-Experten lasen den Abgeordneten auch mehrere Funksprüche vor, die sich auf das Morden in Butscha beziehen, und die der Dienst im Süden der Ukraine abgefangen hat. Darin sollen sich russische Soldaten beispielsweise über die Erschießung eines Menschen unterhalten, der in Butscha mit dem Fahrrad unterwegs war. Der Funkspruch bezieht sich auf die erschütternden Fotos, die weltweit für Entsetzen sorgten, auf denen auch Menschen zu sehen sind, die auf dem Fahrrad erschossen wurden.

Weitere Kriegsverbrechen befürchtet

Die Äußerungen geben Aufschluss darüber, wie die Kriegsverbrechen in der russischen Armee bewertet werden. Das Ausmaß an Menschenverachtung und Zynismus, mit dem über die Taten gesprochen werde, sei erschütternd, heißt es in Fraktionskreisen. Das wiederum lasse befürchten, dass es zu weiteren Kriegsverbrechen dieser Art kommen könne.

Der BND gehe dabei davon aus, dass die Ermordung der Zivilisten in Butscha nicht auf eigene Initiative der Soldaten erfolgte, sondern in Einklang mit Anweisungen der militärischen Führung stehe. Die Ergebnisse seiner Untersuchung will der BND dem Generalbundesanwalt zur Verfügung stellen, der bereits Ermittlungen zu Kriegsverbrechen in der Ukraine aufgenommen hat.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 07. April 2022 um 16:10 Uhr.