BND-Chef Gerhard Schindler

Überraschender Wechsel BND-Chef Schindler soll vorzeitig gehen

Stand: 26.04.2016 20:00 Uhr

Der Bundesnachrichtendienst (BND) bekommt offenbar überraschend einen neuen Präsidenten. Der bisherige Chef Gerhard Schindler soll nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" vorzeitig abgelöst werden. Auch sein Nachfolger soll bereits feststehen.

Von Christian Baars und Georg Mascolo, NDR

Gerhard Schindler leitet seit vier Jahren den BND, jetzt soll für den 63-Jährigen Schluss sein - zweieinhalb Jahre vor dem Ende seiner eigentlichen Dienstzeit. Neuer Präsident soll nach Informationen von NDR, WDR und SZ Bruno Kahl werden. Er ist bislang Beamter im Finanzministerium und gilt als enger Vertrauter von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).

Bruno Kahl
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Bruno Kahl soll neuer BND-Chef werden.

Eine offizielle Bestätigung für den überraschenden Wechsel an der Spitze des Auslandsnachrichtendienstes gibt es bislang nicht.

Jedoch hat Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) kurzfristig für Mittwoch zu einem Hintergrundgespräch mit Journalisten eingeladen. Es wird erwartet, dass dort die Personalie verkündet wird.

Kanzleramt soll Wechsel forciert haben

Über die Gründe für die Ablösung Schindlers ist bislang nichts bekannt. Er war zwar vor etwa einem Jahr in die Kritik geraten, nachdem bekannt geworden war, dass der BND in seiner Abhörstation im bayerischen Bad Aibling Suchbegriffe der amerikanischen NSA eingesetzt hatte, mit denen europäische Verbündete ausspioniert worden waren. Jedoch gab es bislang keine Hinweise darauf, dass er wegen dieser Affäre zurücktreten müsste.

Nach Informationen von NDR, WDR und SZ soll nun das Kanzleramt den Wechsel forciert haben. Dabei spielten demnach verschiedene Gründe eine Rolle. Unter anderem habe die Arbeit des NSA-Untersuchungsausschusses aufgezeigt, dass die Kontrolle und Aufsicht im BND Mängel habe. Dies soll zwar schon länger der Fall sein - auch unter früheren Präsidenten - doch jetzt sei die Zeit für einen Wechsel, heißt es.

Außerdem spielte offenbar der geplante Umbau des BND eine Rolle. Derzeit läuft der Umzug des Dienstes von Pullach in Bayern nach Berlin, zudem soll das Thema Cybersicherheit deutlich stärker in den Fokus des Nachrichtendienstes gerückt werden. Die verbleibenden zweieinhalb Jahre, die Schindler noch im Amt bleiben sollte, seien für diese großen Reformen und Umbauten zu knapp.

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