Die BMW-Zentrale in München | Bildquelle: dpa

Krise in der Autoindustrie BMW kürzt Erfolgsprämie für Mitarbeiter

Stand: 27.11.2019 16:25 Uhr

Nach Audi hat nun auch der Autobauer BMW ein Sparpaket vorgelegt. Statt Stellenstreichungen wird in München auf die Senkung der Erfolgsbeteiligung gesetzt. Bis 2022 sollen zwölf Milliarden Euro eingespart werden.

Die Sparrunde in der deutschen Autoindustrie geht weiter: Nur einen Tag nach Audi hat auch der Autobauer BMW eine Einigung mit dem Betriebsrat verkündet. Anders als der Konkurrent aus Ingolstadt kommen die Münchner zwar ohne weitreichenden Stellenabbau aus, dafür sinkt die Erfolgsprämie für die Mitarbeiter um knapp 20 Prozent, wie das Unternehmen im Anschluss an eine Betriebsversammlung mitteilte. BMW-Chef Oliver Zipse sagte:

"Wir haben gemeinsam mit dem Betriebsrat eine solidarische Lösung erzielt. Damit können wir auf drastische Maßnahmen verzichten, die andere gerade ergreifen, um ihre Kosten zu senken."

Der Gesamtbetriebsratvorsitzende Manfred Schoch betonte, dass es gelungen sei, die "einzigartige Erfolgsbeteiligung" langfristig abzusichern. Da künftig die Dividende als eine von mehreren Bezugsgrößen bei der Berechnung herausgenommen wird, sinkt die Prämie jedoch insgesamt. Nach der neuen Formel hätte ein typischer Bandarbeiter der Tarifstufe ERA 5 laut BMW für das vergangene Jahr nicht mehr 9100 Euro, sondern 7600 Euro bekommen. Zudem müssen Mitarbeiter, die freiwillig 40 statt 35 Stunden arbeiten, finanzielle Einbußen hinnehmen. Ihr Weihnachtsgeld und die Erfolgsbeteiligung werden nicht mehr auf Basis ihres 40-Stunden-Einkommens, sondern einer normalen 35-Stunden-Woche berechnet.

BMW-Chef Oliver Zipse spricht im November 2019 in München. | Bildquelle: PHILIPP GUELLAND/EPA-EFE/REX
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BMW-Chef Oliver Zipse will drastische Maßnahmen im Sparkurs vermeiden.

Rund 90.000 Mitarbeiter betroffen

Die Kürzungen sind Teil des Sparpakets "Next", mit dem BMW die Kosten bis 2022 um mehr als zwölf Milliarden Euro senken und die Ertragskraft stabilisieren will, um die Investitionen in neue Elektroautos zu stemmen. Der Sparkurs sieht auch eine Verringerung der Zahl der Zeitarbeitskräfte und einen Personalabbau in der Verwaltung vor. Die Regelungen gelten ab dem Geschäftsjahr 2020. Sie betreffen rund 90.000 Mitarbeiter.

Arbeitsplatzabbau bei Audi: "Schwerer Schlag für die Region"

Bei Audi ist die Krise der Automobilindustrie deutlich stärker zu spüren. "Dieser Abbau von mehreren 1000 Arbeitsplätzen in Ingolstadt ist ein schwerer Schlag für die Region", sagte der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Der Chef der Agentur für Arbeit Ingolstadt, Johannes Kolb, betonte, er erwarte zwar kurzfristig keine großen Veränderungen bei der Arbeitslosigkeit. Gelinge es aber nicht, "den strukturellen Wandel und die veränderten Anforderungen an die Arbeitnehmer und ihre Qualifizierungen zu managen", drohe mittel- und langfristig ein deutlicher Anstieg. Im Oktober lag die Arbeitslosenquote in Ingolstadt laut Kolb bei 1,9 Prozent.

Auch im Umland herrscht Sorge angesichts des angekündigten Stellenabbaus. In Schweinfurt demonstrierten mehr als 3000 Mitarbeiter von Autozulieferern für die Sicherung ihrer Arbeitsplätze. Die Gewerkschaft IG Metall hatte eine Kundgebung unter dem Motto "Sicherheit in unsicheren Zeiten" organisiert. Schweinfurt ist ein Schwerpunkt der Autozulieferer-Industrie in der Region.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 27. November 2019 um 16:13 Uhr.

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