Medizinisches Personal verpflegt einen Patienten. | Bildquelle: dpa

Gesundheitsministerium Jede dritte Blutvergiftung endet tödlich

Stand: 13.09.2020 12:11 Uhr

Jährlich findet der Welt-Sepsis-Tag am 13. September statt. Damit soll auf das Syndrom aufmerksam gemacht werden. Ein Bericht macht nun deutlich: Pro Jahr sterben hierzulande zehntausende Menschen an den Folgen einer Sepsis.

Jedes Jahr sterben in Deutschland rund 95.000 Menschen an einer Blutvergiftung. Bei aktuell knapp über 300.000 Fällen endet damit etwa jede dritte Sepsis tödlich.

Das berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) anlässlich des Welt-Sepsis-Tags und beruft sich dabei auf eine Antwort des Gesundheitsministeriums auf eine Linken-Anfrage.

Höhere Sterblichkeit als in anderen Industrienationen

Ohne aktuelle Zahlen zu nennen, räumte die Regierung dem Bericht zufolge in der Antwort ein, dass die Sterblichkeit bei Blutvergiftungen in Deutschland höher liegt als in anderen Industriestaaten.

2017 hatte ein Bündnis aus Betroffenen, Fachgesellschaften und Experten laut RND angegeben, dass die Rate der Todesfälle in Deutschland um 10 bis 20 Prozent über der in den USA, Großbritannien oder Australien liegt.

Kritik an Gesundheitsministerium

Die Linken-Gesundheitspolitikerin Pia Zimmermann kritisierte, das Ministerium weigere sich, "erste einfache Schritte zur Senkung der Sepsis-Sterblichkeit einzuleiten". Andere Länder wie Australien, USA und England seien hier weiter. "Fest steht: Herr Spahn bricht seine im Amtseid eingegangene Verpflichtung, Schaden von der Bevölkerung abzuwenden", erklärte Zimmermann.

Auf die Fragen der Linksfraktion nach Maßnahmen zur Bekämpfung der Sepsis verwies das Gesundheitsministerium laut RND auf ein Hygieneförderprogramm für Kliniken, die deutsche Strategie zur Reduzierung von Antibiotikaresistenzen und Kampagnen zur Steigerung der Impfquote.

Einen nationalen Aktionsplan Sepsis oder die 2018 von den Gesundheitsministern der Bundesländer geforderte Einrichtung einer Expertengruppe beim Robert Koch-Institut halte die Regierung hingegen nicht für nötig, berichtete das RND.

Jedes Jahr elf Millionen Tote

Weltweit sterben laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) jedes Jahr rund elf Millionen Menschen an Sepsis, darunter fast drei Millionen Kinder.

Bei einer Sepsis handelt es sich um eine Infektion, die durch Bakterien, Viren, Pilze und andere Mikroorganismen hervorgerufen wird. Diese gelangen über äußere Verletzungen, aber auch durch eine Lungen- oder Zahnentzündung in die Lymphbahnen und ins Blut. Bei einer schweren Sepsis kommt es zu einer Überreaktion des Immunsystems, wodurch lebenswichtige Organe versagen können.

Das Syndrom, das früher vereinfachend als Blutvergiftung bekannt war, entsteht laut WHO in vielen Fällen im Krankenhaus. Auch wer an einer schlimmen Form von Covid-19 leidet, hat laut WHO ein höheres Risiko, eine Sepsis zu bekommen. Selbst wer sie überstehe, müsse mit lebenslangen Folgen rechnen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 13. September 2020 um 10:23 Uhr.

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