Ein sogenannter Praena-Test zur Feststellung eines Dow-Syndroms | Bildquelle: picture alliance / dpa

Test in Schwangerschaft Bundestag soll über Bluttests debattieren

Stand: 12.10.2018 17:51 Uhr

Mit Bluttests können werdende Eltern feststellen, ob ihr Kind mit Behinderungen auf die Welt kommen könnte. Mehr als 100 Abgeordnete wollen jetzt im Bundestag darüber debattieren, wie weit diese Tests gehen dürfen.

Mehr als 100 Bundestagsabgeordnete dringen auf eine grundlegende Klärung ethischer und gesetzgeberischer Fragen bei Bluttests für Schwangere, etwa auf ein Down-Syndrom des Kindes. Dafür wollen sie eine offene Debatte im Bundestag Anfang kommenden Jahres.

Sollen Kassen die Tests bezahlen?

Hintergrund ist auch eine Prüfung des Gemeinsamen Bundesausschusses des Gesundheitswesens, in welchen Fällen die gesetzlichen Kassen solche Tests künftig bezahlen könnten. Dessen Vorsitzender Josef Hecken hatte selbst eine ethische Debatte gefordert, weil das Gremium nur eine medizinische Bewertung der Tests vornimmt.

Den Anstoß für die Debatte gaben zehn Parlamentarier von Union, SPD, Grünen, Linken und FDP in einem gemeinsamen Papier. Menschen mit Down-Syndrom würden mit ihrer Sicht auf ihr Leben und diese Tests bisher zu wenig in die Diskussion einbezogen, heißt es darin.

Pressekonferenz zum Thema Bluttests auf Down-Syndrom | Bildquelle: dpa
galerie

Die Bundestagesabgeordneten Dagmar Schmidt, Corinna Rüffer und Jens Beeck sowie Sebastian Urbanski, Schauspieler, und Natalie Dedreux, junge Frau mit Down-Syndrom, geben eine Pressekonferenz zum Thema Bluttests auf Down-Syndrom.

"Trisomie-Test erst der Anfang"

Die Fortschritte der genetischen Diagnose erforderten gesellschaftliche Antworten, wie mit den Erkenntnissen umzugehen sei, sagte der CDU-Abgeordnete Rudolf Henke bei der Vorstellung einer fraktionsübergreifenden Initiative. Die Trisomie-Tests seien nur der Anfang. Aus medizinischer Sicht sei wenig dagegen einzuwenden, sie einzusetzen. Aber es werde weitere Gentests geben, warnte er.

Die Grünen-Abgeordnete Corinna Rüffer sagte, statt durch immer mehr Tests den Anschein zu erwecken, man habe es unter Kontrolle, was für ein Kind man bekomme, gehe es um Wertschätzung von Vielfalt. Dagmar Schmidt von der SPD erklärte, Eltern sollten nie in Gefahr geraten, sich für die Geburt eines Kindes rechtfertigen zu müssen.

Die Linke-Abgeordnete Kathrin Vogler befürchtet, die Kassenzulassung für die Bluttests könnte zum "Türöffner" werden für zahlreiche weitere Tests auf Erbkrankheiten. Man müsse zu einer gesetzlichen Regelung kommen, die die Diskriminierung von behinderten Menschen verhindere. Noch sei eine gesellschaftliche Debatte möglich. "Wir sollten das Zeitfenster nutzen." Der FDP-Abgeordnete Jens Beeck betonte, diese Diskussion solle dann auch in die gesamte Gesellschaft getragen werden.

Grundlegende ethische Frage

Zu den Abgeordneten, die den Vorstoß unterstützen, gehören auch Bundesforschungsministerin Anja Karliczek, die Staatsministerinnen Monika Grütters und Annette Widmann-Mauz, Ex-Unionsfraktionsvorsitzender Volker Kauder sowie Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt.

Die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) begrüßten die Initiative aus der Mitte des Bundestages. "Das Parlament ist der richtige Ort, um über diese grundlegende ethische Frage zu entscheiden", sagte der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, Florian Lanz.

Bundestagsabgeordnete fordern Debatte zur Pränatalen Diagnostik
tagesschau 20:00 Uhr, 12.10.2018, Tom Schneider, ARD Berlin

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Schmidt: Tests nur in Risikofällen

Auch die frühere Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt wirbt für eine Debatte. "Wollen wir, dass bei allen schwangeren Frauen ein Bluttest auf Down-Syndrom des Kindes gemacht wird?", fragte die SPD-Abgeordnete, die auch Vorsitzende der Bundesvereinigung Lebenshilfe ist.

Würden die Tests als Reihenuntersuchung eingeführt, "wäre das ein Signal, dass Down-Syndrom vermieden werden sollte". Menschen mit Down-Syndrom würden sich zu Recht abgewertet fühlen. Der Test sollte allenfalls in Risikofällen gemacht werden. Dazu bedürfe es aber umfassender Beratung der Paare durch Ärzte.

Down-Syndrom

Bei einem Down-Syndrom haben Menschen in jeder Zelle ein Chromosom mehr als andere Menschen. Das Chromosom 21 ist dreifach vorhanden, daher auch die Bezeichnung Trisomie 21. Folgen sind körperliche Auffälligkeiten und eine verlangsamte motorische, geistige und sprachliche Entwicklung. Die Ausprägungen sind aber sehr unterschiedlich.

Ethikrat zeigt Verständnis für Eltern

Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Peter Dabrock, sprach sich dafür aus, dass die Blutuntersuchung künftig von den Krankenkassen bezahlt wird. Man müsse akzeptieren, dass Eltern Klarheit über den Gesundheitszustand ihre Kindes haben wollten, sagte Dabrock dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Die Bluttests gibt es in Deutschland schon seit 2012. Seitdem lässt sich anhand einer Blutprobe der Schwangeren feststellen, ob das Kind wahrscheinlich mit Down-Syndrom zur Welt kommt. Bis dahin war dies nur über eine Fruchtwasseruntersuchung möglich, bei der ein Risiko für Fehlgeburten besteht. Bislang müssen werdende Eltern den Test selbst bezahlen.

Abgeordnete des Bundestages fordern neue Debatte über Pränataldiagnostik
Sandra Klüber, ARD Berlin
12.10.2018 18:16 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. Oktober 2018 um 17:00 Uhr.

Darstellung: