Razzia der Polizei gegen Kriminalität | imago images/Reichwein

BKA zur Organisierten Kriminalität Größere Schäden, höhere Gewaltbereitschaft

Stand: 01.11.2021 12:20 Uhr

837 Millionen Euro wirtschaftlicher Schaden, eine Milliarde erbeutetes Vermögen - die Organisierte Kriminalität in Deutschland hat laut dem neuen BKA-Lagebericht zugenommen. Auch die Gewaltbereitschaft der Täter stieg.

Die Organisierte Kriminalität hat in Deutschland im vergangenen Jahr einen wirtschaftlichen Schaden von mehr als 800 Millionen Euro verursacht. Das geht aus dem "Bundeslagebild Organisierte Kriminalität 2020" des Bundeskriminalamts (BKA) hervor.

Demnach führten die Behörden 2020 nach eigenen Angaben 594 Ermittlungsverfahren durch. Mehr als ein Drittel der Gruppierungen handelt mit Betäubungsmitteln. Zu den weiteren Hauptdeliktsbereichen zählen unter anderem Betrugsdelikte sowie die Eigentumskriminalität.

Mehr als eine Milliarde erbeutetes Vermögen

Durch ihre kriminellen Machenschaften erlangten die Täter laut BKA ein erbeutetes Vermögen im Wert von mehr als einer Milliarde Euro. Das waren 58 Prozent mehr als 2019. Auch der wirtschaftliche Schaden, der durch die Taten organisierter Banden verursacht wurde, wuchs um vier Prozent auf 837 Millionen Euro.

"Diese Zahlen zeigen die enormen Gewinnmöglichkeiten und zugleich den wesentlichen Anreiz der OK-Gruppierungen für ihre Taten auf", heißt es in dem Lagebild. Die Anzahl der Tatverdächtigen ist leicht gesunken auf rund 6529 Personen.

Der Großteil der organisierten Banden, gegen die im vergangenen Jahr ermittelt wurde, bestand aus bis zu zehn Tatverdächtigen (70,7 Prozent), fast ein Drittel (27,3 Prozent) hatte elf bis 50 Mitglieder. Die größte Gruppierung umfasste 158 Menschen.

Seehofer: "Dulden keine rechtsfreien Räume"

Zugleich stellte die Polizei vor allem im Bereich der organisierten Rauschgiftkriminalität eine Zunahme an bewaffneten Tatverdächtigen fest. Laut BKA sind die Gruppierungen der Organisierten Kriminalität zunehmend bereit, Menschen einzuschüchtern und Gewalt anzuwenden - sowohl gegen Aussteiger, Mitglieder verfeindeter Gruppierungen oder auch gegen Ermittlungsbeamtinnen und -beamte.

Ein Großteil Gruppierungen agiert international - 2020 war dies bei 433 Verfahren der Fall. "Der Druck auf die Organisierte Kriminalität ist in Deutschland heute so hoch wie nie", sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer laut Mitteilung. "Kriminalität darf sich für niemanden lohnen. Wir dulden keine rechtsfreien Räume, weder analog noch digital", so der CDU-Politiker.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell Radio am 01. November 2021 um 11:30 Uhr in den Nachrichten.