Rizinfund Köln-Chorweiler | dpa

Rizin-Fall in Köln Verdächtiger ist offenbar Islamist

Stand: 20.06.2018 18:34 Uhr

Es gibt immer mehr Hinweise, dass der Festgenommene im Rizin-Fall einen Sprengsatz herstellen wollte. Laut Bundesanwaltschaft wurden dreimal mehr Rizinussamen entdeckt als vermutet. Der Mann gilt als Islamist.

Bei dem in Köln festgenommenen Tunesier sind 3150 Rizinussamen gefunden worden - mehr als dreimal so viele wie zunächst vermutet. Wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte, hatte der in der vergangenen Woche festgenommene 29-Jährige 84,3 Milligramm hochgiftiges Rizin hergestellt. Nach den bisherigen Erkenntnissen könnte der Tunesier demnach die Herstellung eines Sprengsatzes erwogen haben. Allerdings ergaben demnach die Ermittlungen bislang keine Anhaltspunkte für konkrete Anschlagsplanungen des in Köln-Chorweiler Festgenommen.

Rizinus Pflanze | picture alliance / WILDLIFE

Rizinus-Samen enthalten ein extrem gefährliches Gift. Bild: picture alliance / WILDLIFE

Der 29-Jährige soll nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft sämtliche Rizinussamen über den Internetversandhandel bestellt haben. 2100 Rizinussamen können demnach drei konkreten Bestellvorgängen zugeordnet werden. Die Ermittlungen zur Herkunft der weiteren Rizinussamen dauern an.

Münch: Zeitpunkt für möglichen Anschlag unklar

Der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch, sagte im rbb, wo und wann der Mann haben zuschlagen wollen, sei bislang noch unklar - ebenso, ob er Mittäter oder Verbindungspersonen gehabt habe. Münch sprach von konkreten Vorbereitungen für einen Anschlag mit einer Biobombe. Das sei ein in Deutschland einmaliger Vorgang.

Er lobte zudem die Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden – national wie international. Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte nach eigenen Angaben Hinweise erhalten, wonach ein tunesischer Staatsangehöriger mit Wohnsitz in Köln potenziell hochgiftige Substanzen zu bestellen versuchte und ging dem mit hoher Priorität nach.

Weitere Utensilien gefunden

Wie die Bundesanwaltschaft weiter mitteilte, wurden bei H. weitere Utensilien beschlagnahmt, darunter 250 Metallkugeln, zwei Flaschen acetonhaltiger Nagellackentferner sowie Drähte mit aufgelöteten Glühbirnen. Zudem wurden 950 Gramm eines grauen Pulvers gefunden - einer Mischung aus Aluminiumpulver und pyrotechnischen Substanzen, die aus Feuerwerkskörpern stammen. Der Verwendungszweck dieses Pulvers ist offenbar noch nicht abschließend geklärt.

SEK Beamte mit Atemschutzmasken und Schutzanzügen steigen in einen Krankenwagen. | dpa

Einsatzkräfte durchsuchten die Wohnung des Tunesiers unter größten Sicherheitsvorkehrungen. Bild: dpa

Verdächtiger tief in der islamistischen Szene verankert

Generalbundesanwalt Peter Frank erklärte im SWR, dass der Tunesier tief im islamistischen Spektrum verankert war und mit Personen im Kontakt stand. Zweimal habe er auch versucht, über die Türkei nach Syrien zur Terrororganisation "Islamischer Staat" zu reisen, doch das habe offenbar nicht geklappt, so Frank. Als Mitglied der Terrororganisation gilt der Mann derzeit aber nicht.

Für die Ermittler hat der Fall eine neue Dimension: "Der Einsatz eines biologischen Kampfstoffes ist der erste Fall für uns in Deutschland“, so der Generalbundesanwalt. Allerdings würden islamistische Terroristen schon länger mit einem solchen Szenario werben: "Islamistische Terroristen haben in den vergangenen Jahren immer wieder über ihre Werbekanäle verschiedene Anleitungen, auch zur Herstellung von Rizin aus Rizinus-Samen, beworben", so Frank.

Der Generalbundesanwalt warnte dahingehend auch für die Zukunft: "Wir müssen uns davon verabschieden, dass terroristische Straftaten immer nach dem gleichen Muster erfolgen," sagte Frank in einem Interview mit den tagesthemen. Die Gefahr, dass Anschläge auf unterschiedliche Arten und Weisen begangen werden könnten, sähen die Sicherheits- und Strafverfolgungsbehörden schon seit längerer Zeit. Terroristen seien "insoweit sehr kreativ und versuchen asymetrisch alle möglichen Szenarien auszutesten".

Rizin unterliegt dem Kriegswaffenkontrollgesetz

Polizisten hatten am Dienstag vergangener Woche die Wohnung des Tunesiers in einem Kölner Hochhaus gestürmt und den 29-Jährigen festgenommen. H. sitzt seit dem vergangenen Mittwoch wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz in Untersuchungshaft. Rizin unterliegt als biologische Waffe dem Kriegswaffenkontrollgesetz. Zudem wird gegen ihn wegen Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat ermittelt.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 19. Juni 2018 um 14:30 Uhr.

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KOMMENTARE

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Sisyphos3 21.06.2018 • 01:14 Uhr

21:13 von sosprach

Wiederum ein Einzelfall, wie viele gibt es davon? . natürlich was denken sie denn ? einer von dutzenden gar hunderten Einzelfällen Ausweisen … kaum, er hat ja noch nichts angestellt und wenn, hat er in seinem Heimatland sicherlich ne menschenunwürdige Behandlung zu erwarten, dann behält man ihn hier Sie verstehen das nicht - ich auch nicht, aber es gibt viele Mitbürger die scheinen das zu verstehen gar zu akzeptieren