Bischöfliches Ordinariat in Eichstätt | Bildquelle: dpa

Prüfbericht zum Bistum Eichstätt "Ein Feuchtbiotop für Straftäter"

Stand: 05.02.2019 14:10 Uhr

Das Bistum Eichstätt könnte Millionen mit dubiosen Finanzgeschäften verloren haben. In einem internen Zwischenbericht üben Anwälte nun harsche Kritik auch an hochrangigen Klerikern im eigenen Bistum.

Von Katja Riedel, WDR

"Finanzskandal im Bistum Eichstätt - Ursachen, Verantwortlichkeiten, Konsequenzen und Erfahrungen": So ist der interne Zwischenbericht des Bistums zum Eichstätter Finanzskandal überschrieben, dessen wichtigste Erkenntnisse die Anwälte des Bistums heute vorgestellt haben. Es geht um finanzielle und wohl verlustreiche Abenteuer - vor allem um jenes, bei dem mehrere Beschuldigte des Bistums bis zu 60 Millionen Dollar in windige Immobiliendeals in den USA gesteckt haben sollen, deren drohende hohe Verluste zulasten des Kirchenvermögens und der Kirchensteuerzahler gehen würden

Das Bistum selbst hatte auf Wunsch des Bischofs Gregor Maria Hanke im Juli 2017 die Staatsanwaltschaft eingeschaltet und den Fall dann vor einem Jahr öffentlich gemacht. Insgesamt 31 Darlehen an amerikanische Immobiliengesellschaften soll die Diözese ohne Sicherheiten vergeben haben, die Rückzahlung ist inzwischen fraglich. Dem Bericht zufolge soll ein beschuldigter ehemaliger weltlicher Finanzdirektor selbst bei den Geschäften mitverdient haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Der Beschuldigte hat die Vorwürfe stets bestritten.

"Systemisches Versagen"

Die Analyse der von der Diözese beauftragten Münchner Kanzlei sieht nun den Keim des Skandals in "systemischem Versagen" innerhalb des Bistums selbst und kommt zu einem schonungslosen Befund: "In der Diözese Eichstätt herrschte im Bereich der Vermögensverwaltung ein klerikales Machtsystem, das unter Inkaufnahme kirchenrechtlicher Verstöße namentlich dem Machterhalt eines kleinen Zirkels hochrangiger Kleriker diente". Es gehe um ein "umfassendes System der Intransparenz". Dieses System habe der Bischof Ende 2015 erst durch die bundesweit für alle Bistümer beschlossene sogenannte Transparenzoffensive beendet.

Besondere Verantwortung tragen zwischen 2004 und 2015 dem Bericht zufolge maßgeblich agierende Machtträger und Mitglieder des mächtigen Domkapitels. Diese seien "faktische Hauptverantwortliche" für ein "Feuchtbiotop für Straftäter im Vermögensbereich". 

Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen sind hingegen noch nicht abgeschlossen. Zwei weltliche Beschuldigte, die zwischenzeitlich in Untersuchungshaft saßen, sind zunächst wieder auf freiem Fuß.

"Verantwortungslos und pflichtwidrig"

Aus den 161 Seiten Ermittlungsergebnissen geht hervor, dass die von der Kirche beauftragte Kanzlei neben einem Weltlichen, dem früheren stellvertretenden Finanzdirektor, nun auch einen Geistlichen immer stärker im Fokus sieht. Ihm gibt die Kanzlei offenbar eine Mitschuld, weil die umstrittenen Darlehen für die US-Projekte in seiner Amtszeit gewährt worden waren. Das Verhalten dieses früheren Finanzchefs sei "in hohem Maße verantwortungslos und pflichtwidrig" gewesen, heißt es in dem Bericht. "Denn allein schon anhand einfachster [...] Kontrollfragen hätte ihm klar sein müssen, dass derartige hochriskante Finanzgeschäfte [...] nicht in Betracht kommen."

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft München II fungiert der einstige Finanzdirektor allerdings nicht als Beschuldigter im Strafverfahren, sondern nur als Zeuge. Der Ex-Finanzchef hat diesen Vorwurf bei internen Stellungnahmen offenbar zurückgewiesen. Er soll sich bei seinen Einlassungen darauf berufen haben, dass er sich auf seinen fachlich versierteren Stellvertreter verlassen habe und dies auch den kirchlichen Gepflogenheiten entsprochen habe.

Reise nach Manila

In dem Bericht wird aber auch ein kirchliches Investment aus dem Jahr 2012 erwähnt. Fünf Millionen Euro, die ebenfalls verloren sind, habe das Bistum damals in eine Schiffsbeteiligung gesteckt. Dazu sei der geistliche Finanzchef auf Einladung des damaligen Investmentpartners "First Class" für mehrere Tage nach Manila auf die Philippinen gereist, so die Vorwürfe. Er sei nach Manila gereist, um die Einhaltung der sozialen Standards bei der Schiffsbesatzung zu überprüfen, so hat es der Finanzdirektor dem Bericht zufolge gegenüber den internen Ermittlern begründet.

Auch spielen Zahlungen auf ein Konto, das nicht in der jährlichen Bilanz der Diözese aufgetaucht sei, in dem Bericht eine Rolle. Eine Anfrage von WDR und "Süddeutscher Zeitung" ließen der Finanzchef und sein Anwalt zunächst unbeantwortet. Erst kürzlich sollen sie gegenüber dem Bistum jedoch zumindest für einen Teil der Vorwürfe Erklärungen geliefert haben.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuellam 05. Februar 2019 um 14:35 Uhr.

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