Deutsche Bischöfe

Neuer Vorsitzender der Bischofskonferenz Marx - Machtmensch und Motivator

Stand: 12.03.2014 17:17 Uhr

Nahbar und gesellig - so wirkt Kardinal Marx, neuer Vorsitzender der Bischofskonferenz, im direkten Umgang. Doch der profilierte Wirtschafts- und Sozialethiker gilt auch als Machtmensch, der in der katholischen Kirche nicht nur Freunde hat.

Von Irene Esmann, BR

Erzbischof von München und Freising, Großkanzler der einzigen katholischen Universität Deutschlands in Eichstätt-Ingolstadt, Präsident der EU-Bischofskommission in Brüssel, Mitglied des Kardinalsrates in Rom, Koordinator des neuen vatikanischen Wirtschaftsrates. Und jetzt also auch noch Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz: All das ist Kardinal Reinhard Marx.

Macher, Mahner, Motivator - Marx, das neue Gesicht der katholischen Bischofskonferenz
I. Esmann, BR
12.03.2014 16:49 Uhr

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Nicht von ungefähr rührt also, dass viele Katholiken im Erzbistum München und Freising fürchten, Marx könne in Zukunft kaum mehr vor Ort sein. "Ich muss mir Zeit nehmen, um zu schauen, was andere übernehmen können. Ich möchte vermeiden, dass das Erzbistum Schaden nimmt", sagte Marx nach seiner Wahl. Römische Aufgaben seien wichtig, aber man könne nicht alle Aufgaben in der gleichen Intensität ausfüllen.

"Einsam an der Spitze"

Leicht dürfte es dem Kardinal allerdings nicht fallen zu verzichten. Marx ist machtbewusst. Er ist ein Macher, und er scheint äußerst belastbar zu sein. Zu Hause in München brachte er eine Strukturreform auf den Weg. Nur Lob gab es dafür allerdings nicht: Zu sehr regiert habe Marx, sagen Kritiker. Gerade viele Pfarrer waren von Jahr zu Jahr mehr von ihrem neuen Oberhirten enttäuscht. Sogar eine Protestgruppe - der Münchner Kreis - gründete sich. Einer der damaligen Sprecher warf Marx vor: "Man muss Monate, gar Jahre warten, bis man einmal einen Termin bekommt. Wir haben öfter das Gefühl, dass unser tatkräftiger Kardinal relativ einsam an oberer Spitze arbeitet und uns zu wenig berücksichtigt."

Marx greift durch. Auch im Missbrauchsskandal redete der Kardinal nicht drumherum, forderte Null-Toleranz bei der Aufklärung - ohne Wenn und Aber. Als er den Rücktritt von Verantwortlichen des Klosters Ettal im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal in dem oberbayerischen Internat forderte, musste er allerdings später zurückrudern. Abt und Schulleiter wurden rehabilitiert.

Dennoch: Der profilierte Wirtschafts- und Sozialethiker ist in der Lage zuzuspitzen, kann Dinge auf den Punkt bringen. Zu kirchen- und sozialpolitischen Themen war er deshalb schon vor seiner Wahl zum deutschen Oberhirten gefragter Gast in Talkshows und auf Podien. Wenn er nicht Kirchenmann geworden wäre, hätte er sich auch eine Karriere als Politiker vorstellen können, sagte Marx vor einigen Jahren.

Neuer Stil, alte Aufgaben

Mit seinem neuen Amt muss er beides sein. Und so ist es schon glaubwürdig, wenn Marx einen neuen Stil ankündigt - im Vergleich zu seinem zurückhaltenden Vorgänger. Marx will Akzente setzen, die katholische Kirche in Deutschland selbstbewusst vertreten. Aber er muss auch das heterogene Bischofskollegium zusammenhalten. Kann der als stur und eitel geltende Marx das?

"Ein Westfale ist treu, manchmal auch so, dass manche das als stur empfinden. Aber das ist ein Missverständnis von Menschen, die die Westfalen nicht kennen", so Marx. Treu ist er vor allem seiner Kirche, deren Lehre der in Glaubensdingen eher konservative Erzbischof, stets verteidigt.

Doch stur im direkten Umgang - das ist der auch körperlich gewichtige Marx nicht. Nahbar, gesellig, gemütlich - gerne mit Bierglas in der Hand und Zigarre im Mund kann man ihm begegnen. Ein bayerische Westfale vielleicht - oder ein westfälischer Bayer. "Ich liebe das Leben schon, weil es ein kostbares Geschenk ist, das uns Gott gegeben hat. Und was Gott schenkt, ist wunderbar und man ist manchmal ein wenig zu undankbar dafür, dass man leben darf, dass einem dieses kostbare Geschenk gegeben wird."

Mit seiner Art scheint Marx auch den neuen Papst Franziskus überzeugt zu haben. Schließlich hat der ihn zu einem seiner engsten Berater gemacht. Marx selbst ist regelrecht begeistert von Franziskus: "Was mich besonders beeindruckt, ist seine Freude am Dienst. Ich wünsche ich mir für alle Priester, Bischöfe und Hauptamtlichen in der Kirche, dass sie nicht jammern und klagen, sondern mit Freude und Zuversicht ihren Dienst tun. Dafür ist der Papst ein großes Vorbild. Mir jedenfalls gibt er Schwung." Bei der Vielzahl seiner Ämter wird er den auch brauchen.

Die Bischofskonferenz

Die Gründung der Deutschen Bischofskonferenz geht auf das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) zurück. Ihre bisherigen Vorsitzenden waren:

- Julius Kardinal Döpfner, Erzbischof von München und Freising (1965-1976)
- Joseph Kardinal Höffner, Erzbischof von Köln (1976-1987)
- Karl Kardinal Lehmann, Bischof von Mainz (1987-2008)
- Robert Zollitsch, Erzbischof von Freiburg (2008-2014)
- Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising (2014-2020)

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