Eröffnungsgottesdienst der Deutschen BIschofskonferenz | dpa
Analyse

Bischofskonferenz in Fulda Der Wille ist da, der Weg noch unklar

Stand: 23.09.2021 20:36 Uhr

Zähes Ringen um Reformen: Zum Abschluss der Bischofskonferenz war man sich einig, dass sich etwas ändern muss. Einigen Bischöfen gingen viele Vorschläge aber zu weit. Wohin der Synodale Weg führt, ist noch unklar.

Von Tilmann Kleinjung, BR

Schon vor dieser Sitzung war klar: Die katholischen Bischöfe sind gespalten in der Frage, wie es weitergehen soll bei der Reform der katholischen Kirche, dem Synodalen Weg. Die Gegensätze traten auch bei der Herbstversammlung der Bischöfe in Fulda zu Tage. "Wir sind nicht in allem einer Meinung", sagte der Vorsitzende Bischof Georg Bätzing. Einig sei man sich aber, dass sich etwas ändern müsse.

Wir stehen an einem Scheidepunkt. Das ist uns deutlich. Die Bereitschaft ist bei allen zu erkennen, wirklich alles zu tun, dass Menschen uns wieder neu Vertrauen schenken und dass wir das Vertrauen derer, die zu uns gehören, nicht weiter enttäuschen.
Tilmann Kleinjung

Einigen gehen die Vorschläge zu weit

Doch einer konservativen Minderheit gehen viele Vorschläge zu weit, etwa wenn es um eine Reform der Sexualmoral geht oder um die Frage, wie die Kirchenbasis bei Bischofsernennungen beteiligt wird. Bischöfe wie Rudolf Voderholzer aus Regensburg oder Stefan Oster aus Passau haben ihre Ablehnung einzelner Reformvorschläge bereits öffentlich gemacht - auf einer eigenen Webseite mit "alternativen" Texten. Doch die Gefahr, dass sie oder andere Bischöfe den Synodalen Weg nicht mehr mitgehen, sieht der Bischof von Würzburg, Franz Jung, nach der Tagung in Fulda nicht mehr.

Wie ich jetzt die Diskussion verfolge in unserer Mitte, bin ich fest davon überzeugt, dass alle mitziehen. Es ist der entschiedene Wille da auch von allen Kritikern, diesen Weg gemeinsam zu gehen.

In einer Woche treffen sich die Bischöfe gemeinsam mit Vertretern des Zentralkomitees der deutschen Katholiken zur zweiten Versammlung des Synodalen Wegs. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Bätzing, hat seine Kollegen gleich beim Eröffnungsgottesdienst in Fulda auf diesen Termin eingeschworen und deren "Geist und den Mut zur Umkehr" eingefordert.

Kehrt um! Denkt neu! Das ist in der Tat mehr und anders als bloß etwas Anpassung und Fortschreibung. Aber alles darunter wird der Wucht des auslösenden Skandals und der Dramatik der Entkirchlichung nicht gerecht.
Georg Bätzing | dpa

Georg Bätzing Bild: dpa

Kritik an Entschädigungsverfahren für Missbrauchsopfer

Der Missbrauchsskandal hat die Bischofskonferenz auch bei dieser Tagung beschäftigt, vor allem die öffentliche Kritik an dem Entschädigungsverfahren für Missbrauchsopfer. Die Kirche orientiert sich dabei an staatlichen Schmerzensgeldtabellen. Aber das Prozedere sei intransparent, die gezahlten Anerkennungsleistungen seien zu gering, so die Klage von Betroffenen. Die Bischöfe wollen diese Kritik nun prüfen, aber prinzipiell an dem Verfahren festhalten.

Wir wollen bei diesen Kriterien bleiben, die wir aufgestellt haben. Aber wir müssen versuchen die Dinge zu verändern, die jetzt neu zu Verletzungen bei Betroffenen führen.

Die Ungeduld an der Basis - und Druck aus Rom. Die deutschen Bischöfe sitzen zwischen allen Stühlen. Bei dieser Bischofskonferenz ermahnte der Papstbotschafter in Deutschland, Nuntius Nikola Eterovic, die Bischöfe eindringlich und zum wiederholten Mal, die Einheit der Kirche zu wahren und den Weisungen des Papstes zu folgen. Für die Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" eine "kaum verhohlene Drohung". Sprecher Christian Weisner fordert die Abberufung des Nuntius.

Das ist wirklich Theologie und Kirchenpolitik von gestern. Wir sollten uns mal anschauen, wie die Menschen in Deutschland, gerade im Erzbistum Köln weiter aus der Kirche austreten, wie die Zustimmung der Katholikinnen und Katholiken zur kirchlichen Lehre ist.

Zu Köln gab es bei dieser Bischofskonferenz keine neuen Nachrichten. Auch wenn in den vergangenen Tagen Gerüchte kursierten, dass eine Entscheidung des Papstes zur Zukunft des Kölner Erzbischofs Rainer Maria Woelki unmittelbar bevorsteht. Zwei Visitatoren hatten nach den Auseinandersetzungen um die Kölner Missbrauchsstudie im Auftrag des Papstes die Amtsführung von Kardinal Woelki untersucht. Mit welchem Ergebnis? "Dazu kann ich Ihnen nichts sagen", sagte Bätzing zum Abschluss der Tagung.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. September 2021 um 20:00 Uhr.