Ein Bischof steht mit verschränkten Händen zwischen zwei anderen. | Bildquelle: dpa

Treffen der Bischofskonferenz Fingerzeig aus Mainz

Stand: 11.03.2019 04:30 Uhr

Die katholischen Bischöfe beschäftigen sich ab heute auf ihrer Frühjahrsvollversammlung mit dem Missbrauchsskandal. Der Mainzer Bischof Kohlgraf gilt als liberale Kraft - und stieß bereits vorher eine Debatte an.

Von Stephan Lenhardt, SWR

Der Satz stammt aus einem internen Papier der Bischofskonferenz und ist ungewöhnlich deutlich: "Die Kirche befindet sich in einer existenziellen Krise, die vom Missbrauchsskandal nicht ausgelöst ist, hierin wohl aber einen Brennpunkt finde", heißt es darin. Die Wochenzeitung "Die Zeit" hatte das Papier veröffentlicht. Es sind klare Worte, die Bischöfe der katholischen Kirche in der Öffentlichkeit wohl nicht wählen würden.

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf. | Bildquelle: dpa
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Bischof Kohlgraf sieht die Kirche in einer existenziellen Krise.

Das Papier stammt aus der Feder von vier Bischöfen. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf ist einer von ihnen. Er nimmt ab heute an der Frühjahrsvollversammlung in Lingen im Bistum Osnabrück teil.

Auf der Agenda des Treffens steht der Missbrauchsskandal in der Kirche: "Die Frage nach dem systemischen Hintergrund dieser Taten wird sicher Thema sein bei der Bischofskonferenz“, sagte Kohlgraf kurz vor seiner Reise nach Lingen. "Ich hoffe, dass wir Bischöfe uns da einig sind, dass wir die systemischen Fragen dieser Taten nicht allein unter uns klären können."

Idee einer Missbrauchssynode

Bereits in dem internen Papier hatten die Bischöfe auch einen "synodalen Prozess" in Sachen Missbrauchsaufarbeitung vorgeschlagen. Bei solch seltenen Synoden in der katholischen Kirche können seit dem zweiten Vatikanischen Konzil auch Laien, Theologen oder externe Experten teilnehmen.

Es wäre ein breit angelegtes Debattenforum der deutschen katholischen Kirche zum Thema Missbrauch. Der Vorschlag Kohlgrafs und seiner Mitstreiter wurde aber in der Bischofskonferenz vor einigen Wochen abgelehnt.  

In der Zwischenzeit hatte der Papst zum Kinderschutz-Gipfel die Vorsitzenden der nationalen Bischofskonferenzen weltweit nach Rom geladen. In Deutschland war die Enttäuschung bei den Gläubigen nach seiner Abschlussrede aber groß.

Externe Berater im Bistum Mainz

In seiner eigenen Diözese setzt Kohlgraf auf externen Sachverstand. Er hat eine Beratergruppe zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals im Bistum Mainz ins Leben gerufen. Darin sitzen unter anderem die Leiterin des "MädchenHauses Mainz", eine Rechtsanwältin, eine Kriminalkommissarin und die Traumatologin Brigitte Bosse.

"Natürlich finde ich es richtig und wichtig, dass das Bistum auch auf unsere externe fachliche Expertise setzt", sagt sie. "Es geht ja darum, traumatisierten Menschen zu helfen." Das Bistum will mit den Beratern Standards und Kriterien für die Aufarbeitung schaffen.

Zusammenarbeit mit Staatsanwaltschaften

Bereits im Januar hatte das Bistum den Generalstaatsanwaltschaften in Koblenz und Frankfurt Listen mit insgesamt 199 dokumentierten Sachverhalten übergeben, die in einem Missbrauchskontext stehen oder stehen könnten. 288.000 Euro hat das Bistum nach eigenen Angaben bislang für "Anträge auf Anerkennung erlittenen Leids" gezahlt.

Die Pressemitteilung des Bistums, die die Bemühungen zum Thema Aufklärungsarbeit des Bistums Mainz zusammenfasst, trägt den Titel "Das Thema Sexualisierte Gewalt ist Chefsache". Und der Zeitpunkt kurz vor Beginn der Konferenz in Lingen, lässt sie wie einen Fingerzeig für die anderen Bischöfe in Deutschland erscheinen.  

Deutsche Bischofskonferenz beginnt Frühjahrsversammlung
tagesschau 12:00 Uhr, 11.03.2019, Joop Wösten, WDR

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Liberaler Vorreiter im Südwesten

Tatsächlich hat Bischof Kohlgraf in seiner bislang kurzen Amtszeit in Mainz mit liberalen Positionen auf sich aufmerksam gemacht. Mittelfristig kann er sich ein Ende des Pflichtzölibats für Priester vorstellen: "Der Zölibat ist eine wertvolle Lebensform, weil es die Lebensform ist, in der Jesus gelebt hat", sagte er.

"Ich lebe auch so. Ich kann mir trotzdem vorstellen, dass es so etwas gibt, wie außerordentliche Wege ins Priesteramt." Es gebe heute bereits Priester aus den unierten Ostkirchen, die verheiratet seien. "Es ist also keineswegs ausgeschlossen." Doch er warnt davor, das Thema ausschließlich unter dem Missbrauchsaspekt zu betrachten. "Es geht mir nicht um billige Parolen."

Auch im Umgang seiner Kirche mit Homosexuellen mahnt er Erneuerungen an: "Einerseits zu sagen: Wir wollen dich nicht diskriminieren, aber in deiner Lebensform erkennen wir nichts Gutes. Das ist ein Thema, über das müssen wir noch sprechen."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. März 2019 um 02:05 Uhr.

Korrespondent

Stephan Lenhardt | Bildquelle: SWR/Alexander Kluge Logo SWR

Stephan Lenhardt, SWR

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