Der Hauptsitz des Mainzer Unternehmens Biontech | RONALD WITTEK/EPA-EFE/Shuttersto

Beschleunigung der Impfstoff-Produktion BioNTech hofft auf Staatsgeld

Stand: 06.02.2021 17:16 Uhr

Könnten staatliche Investitionen die Produktion von Corona-Impfstoffen beschleunigen? Ja, sagt der Vorstand des Mainzer Herstellers BioNTech. Im Gesundheits- und Finanzministerium zeigt man sich dafür offen.

Der Mainzer Impfstoff-Hersteller BioNTech wünscht sich von der Politik finanzielle Unterstützung für den Ausbau seiner Produktion. "Im vergangenen Jahr hätte uns mehr Geld nicht geholfen, weil wir den Produktionsprozess im großen Maßstab erst sicher aufstellen mussten", sagte BioNTech-Finanzvorstand Sierk Poetting dem "Spiegel". "Jetzt aber würde Geld helfen. Erst recht, wenn wir für nächstes Jahr eine Kapazität von drei Milliarden Dosen antizipieren sollen, wie es diese Woche bereits angefragt wurde."

Poetting geht davon aus, dass der Bedarf an Impfstoff weiter steigen wird. "Es gibt unterversorgte Länder, es könnte eine dritte Impfdosis gegen mutierte Varianten des Virus notwendig werden, oder es könnten sich ganz neue Mutationen entwickeln. Deswegen arbeiten wir daran, weitere Standorte auszubauen und neue Partner in unser Netzwerk zu nehmen", sagte er.

"Am Geld wird es nicht scheitern"

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erklärte, BioNTech habe beim Impfgipfel am 1. Februar einen möglichen Finanzbedarf von bis zu 400 Millionen Euro für die Reservierung von Kapazitäten und Rohstoffen bis in das nächste Jahr hinein dargelegt. "Wir sind im Austausch mit dem Unternehmen, um dies weiter zu konkretisieren", schrieb der CDU-Politiker auf Twitter.

Auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz sagte den Impfstoff-Herstellern bei Bedarf konkrete Unterstützung zu. "Ich spreche mit Unternehmen und frage: Gibt es eine Stelle, wo wir mit öffentlichen Mitteln privatwirtschaftliche Entscheidungen erleichtern können?", sagte der SPD-Kanzlerkandidat dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Wenn eine Firma Sorge hat, soll sie das klipp und klar sagen und wir lösen das Problem. Am Geld wird die schnellere Beschaffung von Impfstoff jedenfalls nicht scheitern."

Von der Leyen wirbt für mehr EU-Mittel

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte zuvor angesichts der Lieferengpässe bei Impfstoffen für die Bereitstellung weiterer EU-Mittel geworben. Als Beispiel wurden zusätzliche Investitionen in den Ausbau oder die Umwidmung von Produktionsstätten genannt.

BioNTech-Vorstand Poetting sagte dazu: "Den Vorschlag müsste man prüfen. Er könnte idealerweise dazu führen, dass mittelfristig Kapazitäten erhöht werden könnten."

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell im Hörfunk am 06. Februar 2021 um 18:10 Uhr.