Jens Spahn | dpa

Lieferung von Corona-Impfstoff Spahn verteidigt BioNTech-Deckelung

Stand: 20.11.2021 17:20 Uhr

Wegen seiner Ankündigung, die BioNTech-Lieferungen an Ärzte zu begrenzen, gab es heftige Kritik an Gesundheitsminister Spahn. Doch der verteidigt seine Pläne und verspricht jedem Impfwilligen ein wirksames Vakzin.

Nach heftiger Kritik an der Ankündigung, die Bestellmengen des BioNTech-Vakzins zu beschränken, hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Entscheidung verteidigt. "Ich weiß, dass diese kurzfristige Umstellung für viele engagierte Helferinnen und Helfer vor Ort in den Arztpraxen und Impfzentren viel zusätzlichen Stress bedeutet. Und das bedauere ich ausdrücklich", sagte der CDU-Politiker der Nachrichtenagentur dpa.

Die Nachfrage nach BioNTech sei in den letzten zwei Wochen so stark gestiegen, dass sich das Lager sehr schnell leere. Allein in der neuen Woche würden fast sechs Millionen Dosen an die impfenden Stellen geliefert. Das sei mehr, als es bisher überhaupt an Booster-Impfungen in Deutschland gegeben habe.

Aus einer Übersicht des Gesundheitsministeriums zu Impfstofflieferungen geht zudem hervor, dass Deutschland in diesem Monat voraussichtlich fast 8,8 Millionen Dosen BioNTech über die Initiative Covax an Drittstaaten spenden wird oder gespendet hat.

Mit BioNTech und Moderna gebe es zwei exzellente und hoch wirksame Impfstoffe. Von beiden gebe es in Deutschland genug, um bis Jahresende 50 Millionen Menschen zu impfen, sagte Spahn. "Ich kann versprechen, dass jeder, der sich impfen lassen will, einen guten, sicheren und wirksamen Impfstoff bekommt." In manchen Studien zur Wirkung von Auffrischungsimpfungen schneide eine dritte Impfung mit Moderna sogar besser ab als eine mit BioNTech.

Moderna-Verfall verhindern

Gestern hatte das Gesundheitsministerium in einem Schreiben an die Länder für die nächsten Wochen Begrenzungen bei Bestellmengen für den Impfstoff von BioNTech/Pfizer angekündigt, damit das Präparat von Moderna bei den Auffrischungsimpfungen vermehrt zum Einsatz kommt. Andernfalls drohten eingelagerte Moderna-Dosen ab Mitte des ersten Quartals 2022 zu verfallen, was vermieden werden müsse. Praxen sollen demnach vorerst maximal 30 Dosen BioNTech pro Woche bestellen können, Impfzentren und mobile Impfteams 1020 Dosen. Für Bestellungen von Moderna soll es keine Höchstgrenzen geben.

Heftige Kritik aus der Politik

Die Pläne stießen sogleich auf Kritik. Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek nannte sie inakzeptabel. Holetschek, der auch Vorsitzender der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) der Länder ist, will dies nun auf die Tagesordnung der für Montag geplanten GMK-Beratungen setzen. "Das muss besprochen und gelöst werden", sagte er der dpa.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach übte ebenfalls Kritik. Dass das Verfallsdatum der Moderna-Impfdosen nahe, habe man frühzeitig wissen können, sagte er im Deutschlandfunk. Eine Verteilung an andere Länder wäre beispielsweise denkbar gewesen. Den BioNTech-Impfstoff, dem die Menschen vertrauen, nun zurückzuhalten, finde er nicht richtig, so Lauterbach.

Mit Unverständnis reagierte auch Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. "Wir müssen jetzt mal alle einen richtigen Schritt vorwärts gehen und das heißt für mich auch BioNTech-Impfstoff nicht kontingentieren, sondern es sollte weiter vor Ort eine Freiheit geben, mit Biontech oder Moderna impfen zu können", sagte sie.

Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen schrieb bei Twitter: "Das sollten wir nicht tun! Wir brauchen alles andere als eine Handbremse beim Impfen." Gerade für junge Menschen sei der BioNTech-Impfstoff besonders gut verträglich. Auch die Wahl zwischen verschiedenen Vakzinen spiele bei der Entscheidung für die Erstimpfung eine Rolle.

Unverständnis auch bei Ärzten

Auch zahlreiche Ärztevertreter kritisierten die Pläne des Ministeriums. So wies die Präsidentin der niedersächsischen Ärztekammer, Martina Wenker, auf Einschränkungen beim Einsatz verschiedener Vakzine hin: "Das Hauptproblem ist, dass wir den Moderna-Impfstoff nach der neuesten STIKO-Empfehlung bei bestimmten Personengruppen nicht einsetzen dürfen. Alle unter 30 Jahre - Kinder, Jugendliche und Erwachsene und zudem alle Schwangeren - müssen mit Biontech geimpft werden", sagte sie der dpa.

Die Kassenärztliche Vereinigung Bayern forderte einem Bericht der "Bild am Sonntag" zufolge, dass die "gravierende Fehlentscheidung" revidiert werden müsse. Die Praxen müssten weiterhin unbeschränkt alle Impfstoffe bestellen dürfen. 30 Dosen Biontech pro Praxis pro Woche reichten überhaupt nicht aus, um dem Andrang Herr zu werden, sagte der Chef des Hausärzte-Verbandes in Mecklenburg-Vorpommern, Stefan Zutz, dem NDR. "Es wäre eine Katastrophe für die Impfkampagne."

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 20. November 2021 um 13:22 Uhr.