Ampullen mit dem Impfstoff von Pfizer/BioNTech. | dpa

Corona-Impfstoff Kritik an Spahns BioNTech-Deckelung

Stand: 20.11.2021 11:40 Uhr

Weil gelagerte Moderna-Dosen zu verfallen drohen, will Gesundheitsminister Spahn BioNTech-Lieferungen an die Ärzte begrenzen. Bayerns Ressortchef Holetschek nannte den Vorstoß "inakzeptabel", und auch Grüne und FDP äußerten Kritik.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist wegen der Ankündigung in die Kritik geraten, Lieferungen des BioNTech-Vakzins an Hausärzte zu deckeln. Die sogenannten Booster-Impfungen sollen stattdessen verstärkt mit dem Impfstoff von Moderna vorgenommen werden.

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek lehnt Spahns Pläne klar ab. Das sei inakzeptabel, sagte der CSU-Politiker der Nachrichtenagentur dpa. Holetschek, der auch Vorsitzender der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) der Länder ist, will dies nun auf die Tagesordnung der für Montag geplanten GMK-Beratungen setzen. "Das muss besprochen und gelöst werden."

Theurer: "Kontraproduktiv und ein völlig falsches Signal"

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach übt ebenfalls Kritik an den Plänen. Dass das Verfallsdatum der Moderna-Impfdosen nahe, habe man frühzeitig wissen können, sagte er im Deutschlandfunk. Eine Verteilung an andere Länder wäre beispielsweise denkbar gewesen. Den BioNTech-Impfstoff, dem die Menschen vertrauen, nun zurückzuhalten, finde er nicht richtig, so Lauterbach.

Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen schrieb bei Twitter: "Das sollten wir nicht tun! Wir brauchen alles andere als eine Handbremse beim Impfen." Gerade für junge Menschen sei der BioNTech-Impfstoff besonders gut verträglich. Auch die Wahl zwischen verschiedenen Vakzinen spiele bei der Entscheidung für die Erstimpfung eine Rolle.

FDP-Fraktionsvize Michael Theurer sprach sogar von einem "schlechten Scherz". Es brauche massenhaft Impfungen, um kurzfristig die Boosterwirkung sicherzustellen und die Impfquote zu erhöhen. Hier Höchstmengen zu definieren, sei "absolut kontraproduktiv und setzt ein völlig falsches Signal. Alles was verimpft werden kann, muss verimpft werden."

"Spahn torpediert das Vorhaben"

Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz warf Spahn vor, das geplante Hochfahren der Auffrischungsimpfungen zu behindern. "Während die amtierende Bundeskanzlerin, die Regierungschefs der Länder und der Bundestag die große Boosteroffensive ausrufen, torpediert Jens Spahn das Vorhaben", sagte Vorstand Eugen Brysch der Nachrichtenagentur dpa. Denn offensichtlich gebe es nicht genügend frei wählbare Vakzine für die impfwilligen Menschen.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) erklärte nach der Ankündigung, in den Praxen sei wegen der Begrenzung bei Biontech-Bestellungen ab 23. November nun mit deutlich erhöhtem Beratungsbedarf zu rechnen. Beide Impfstoffe seien nach vorliegenden Studiendaten und laut der Ständigen Impfkommission gleichwertig. "Trotzdem wird es hohen Erklärungsbedarf geben, der wertvolle Zeit bindet, die für das Impfen dann fehlt", sagte KBV-Vize Stephan Hofmeister.

Beide Vakzine "gleich gut für Auffrischungsimpfungen geeignet"

Das Gesundheitsministerium betont nun, dass die Präparate von BioNTech und Moderna beide "sicher, wirksam und gleich gut für Auffrischimpfungen geeignet" seien. In einer Mitteilung heißt es, bis Ende des Jahres stünden 50 Millionen Dosen beider Corona-Impfstoffe für Erst-, Zweit- und insbesondere Auffrischimpfungen zur Verfügung. "Es ist genug Impfstoff für alle da."

Das Ministerium rechnet in der Mitteilung vor, dass zusammen mit bereits ausgelieferten und noch nicht verimpften BioNTech-Dosen und denen, die in der kommenden Woche noch ausgeliefert würden, kurzfristig rund neun Millionen Dosen BioNTech zur Verfügung stünden. Bis zum Jahresende kämen weitere gut 15 Millionen hinzu. Zudem stünden 26 Millionen Dosen Moderna für die Auffrischungsimpfungen bis Jahresende zur Verfügung.

Ministerium will Moderna-Verfall vermeiden

Gestern hatte das Ministerium erklärt, dass nachdem das Präparat von BioNTech bisher mehr als 90 Prozent der Bestellungen ausmache, vermehrt Moderna eingesetzt werden solle. Dies solle sichern, dass kurzfristig ausreichend Impfstoff verfügbar ist. Zudem verfielen eingelagerte Moderna-Dosen ab Mitte des ersten Quartals 2022, was aber vermieden werden müsse.

Ärztinnen und Ärzte in Deutschland können dementsprechend ab kommender Woche nicht mehr so viel Corona-Impfstoff von BioNTech/Pfizer bestellen, wie sie wollen. Die Höchstbestellmenge werde auf 30 Impfdosen pro niedergelassenem Arzt oder niedergelassener Ärztin beschränkt, heißt es in einem Schreiben des Ministeriums, das dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt. Impfzentren und mobile Impfteams könnten pro Woche 1020 Dosen bestellen.

Das Gesundheitsministerium hat als Ziel 20 bis 25 Millionen Auffrischungsimpfungen bis zum Ende des Jahres genannt.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 19. November 2021 um 10:00 Uhr.