Medizinstudenten sitzen in einer Vorlesung in der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. | Bildquelle: dpa

Studium in Deutschland Immer mehr studieren ohne Abi

Stand: 03.04.2019 18:17 Uhr

Ohne Abitur führt der Weg nicht an die Uni - mit diesem Denken räumen immer mehr Studenten auf. Denn die Zahl der Studenten ohne Abitur hat an Universitäten in den vergangenen Jahren stetig zugenommen.

In deutschen Universitäten sitzen immer mehr Studenten ohne Abitur in den Hörsälen. Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) hat die Zahl der Studenten ohne allgemeine Hochschul- oder Fachhochschulreife über zehn Jahre hinweg erfasst. Im vergangenen Jahr verzeichneten die Unis sogar einen Rekord an Einschreibungen ohne Abitur.

Rund 60.000 Studenten ohne Abi zählte die CHE-Studie 2017 - das Vierfache im Vergleich zu 2007. Davon starteten 2,9 Prozent ins Erstsemester. Prozentual gesehen gab es mit fünf Prozent die meisten Studenten ohne Abitur in Hamburg, gefolgt von Bremen (4,5 Prozent) und Nordrhein-Westfalen mit vier Prozent. Die wenigsten abiturlosen Studenten erfasste die Studie im Saarland mit gerade einmal 0,5 Prozent.

Studenten im Hörsaal
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Rund 60.000 Studenten ohne Abi besuchten 2017 eine Universität.

Auch Medizinstudium ohne Abitur möglich

Voraussetzung für den Besuch einer Universität ohne die Hochschulreife ist eine abgeschlossene Berufsausbildung und mehrere Jahre Berufserfahrung. Die Note einer absolvierten Meister- oder Fachwirtprüfung ersetzt die Abiturnote.

Besonders in den Studienrichtungen der Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften finden sich viele Zugänge ohne Abitur. Aber auch ein Medizinstudium ist ohne Abitur möglich - ein Fakt, der laut CHE kaum bekannt ist. 2017 etwa gingen rund 800 Studienplätze für Medizin an Bewerber ohne Abitur.

Mehr Schüler schaffen Abiprüfung nicht

Nicht nur die Zahl der Neulinge an den Unis ohne Abi in der Tasche nimmt zu, es gibt auch mehr Studienabschlüsse ohne vorherige Hochschulreife. 2017 erlangten bundesweit 8100 Studenten ohne Abi ihren Abschluss - auch hier die vierfache Quote gegenüber 2007.

Aber die Zahlen des Kultusministeriums vom Februar zeigen auch, dass bundesweit immer mehr Schüler die Abiturprüfungen nicht bestehen. Fielen im Abijahrgang 2009 noch rund zwei Prozent aller Schüler in Deutschland durch, waren es 2017 schon fast vier Prozent und damit im Durchschnitt jeder 26. Schüler.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. April 2019 um 14:36 Uhr.

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