Bienen | Bildquelle: dpa

Neue EU-Studie bestätigt Insektizide verantwortlich für Bienensterben

Stand: 28.02.2018 14:48 Uhr

Bestimmte Insektizide stellen eine Gefahr für Bienen dar. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue EU-Studie. Um das Bienensterben aufzuhalten, könnte jetzt eine Maßnahme helfen.

Von Karin Bensch, ARD-Studio Brüssel

Summende Bienen bestäuben blühende Obstbäume. Doch die kleinen Tiere sind in Gefahr. In einigen EU-Ländern ist die Zahl der Bienen bereits um 60 Prozent zurückgegangen. Imker beobachten seit Langem ein Bienensterben.

Schuld daran sind unter anderen drei Insektizide, die zur Gruppe der sogenannten Neonicotinoide gehören. In der Landwirtschaft werden sie als Beizmittel für Saatgut eingesetzt, um Schädlinge zu bekämpfen und die Nutzpflanzen dadurch zu schützen. Doch die Pestizide töten oder schädigen auch Kleintiere, wie zum Beispiel, Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten.

Heute hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine neue Studie veröffentlicht. Einige Neonicotinoide stellen ein Risiko für Wild- und Honigbienen dar, sagte Behördensprecher José Tarazona dem ARD-Studio Brüssel.

Großaufnahme einer Biene auf einer Blüte. | Bildquelle: dpa
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Eine Biene reinigt einen ihrer Fühler, nachdem sie im frühen Sonnenschein eine Blüte nach Nektar abgesucht hat.

Studie bestätigt alte Erkenntnisse

Die EFSA hatte bereits 2013 eine Studie durchgeführt, in der sie zu ganz ähnlichen Erkenntnissen gekommen war. Der Grünen-Europa-Abgeordnete Martin Häusling fühlt sich durch das neue, alte Ergebnis bestätigt, bedauert aber die verschwendete Zeit. "Eigentlich ist es traurig, dass jetzt wieder fünf Jahre ins Land gezogen sind, in denen nichts oder nur wenig passiert ist", sagt er.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat die Gefahr bestimmter Pestizide für Wildbienen, Honigbienen und Hummeln untersucht. "Wir haben dafür eine große Datenmenge gesammelt", erklärt Tarazona. "Wissenschaftliche Erkenntnisse, Informationen aus den EU-Ländern, von Unternehmen und Umweltschützern."

Gefahr für Bienen unterschiedlich groß

Dabei wurde klar, dass die Gefahr für die Bienen unterschiedlich groß ist, je nachdem, wie sie die Schadstoffe aufnehmen. Am Ende ist aber klar, dass drei bestimmte Neonicotinoide für die untersuchten Bienenarten eine Gefahr darstellen. Häusling fordert, dass die EU-Länder jetzt schnell handeln. "Ich erwarte jetzt einfach, dass am 22. März beim Sonderausschuss die Mitgliedsländer dem Votum der EFSA folgen und ein Verbot aussprechen", sagt er.

Seit Ende 2013 ist der Einsatz von Neonicotinoiden in Europa beschränkt. Zum Beispiel dürfen die Pestizide nicht auf Rapssaat, Kirschen, Äpfel und Gurken gesprüht werden. Doch die Beschränkung hat Lücken und für zahlreiche Pflanzen gibt es Sondergenehmigungen. So dürfen die Neonicotinoide bei Hafer oder Weizen angewendet werden, wenn die Getreide zwischen Januar und Juni ausgesät werden.

Die Entscheidung über ein Komplettverbot liegt nun bei den EU-Ländern. Es wird spannend, wie sich die neue Bundesregierung dazu positioniert. Mit einem Komplettverbot hätte die Biene in Europa wieder eine Chance.

EU-Behörde: Insektizide sind eine Gefahr für Bienen - Komplettverbot?
Karin Bensch, WDR Brüssel
28.02.2018 14:03 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 28. Februar 2018 um 15:38 Uhr.

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