In-vitro-Fertilisation, dabei wird ein Spermium in eine Eizelle injiziert | Bildquelle: picture alliance / imageBROKER

Künstliche Befruchtung BGH stärkt Recht auf späte Mutterschaft

Stand: 02.01.2020 15:13 Uhr

Trotz erhöhtem Risiko einer Fehlgeburt: Auch älteren Frauen sollen die Kosten für eine künstliche Befruchtung erstattet werden. Das urteilte der Bundesgerichtshof. Entscheidend sei die Schwangerschaft, nicht deren Verlauf.

Auch Frauen fortgeschrittenen Alters haben einen Anspruch auf Kostenübernahme einer künstlichen Befruchtung. Das stellte der Bundesgerichtshof (BGH) in einem Urteil klar. Ein statistisch gesehen höheres Risiko, eine Fehlgeburt zu erleiden, ist für Krankenversicherungen demnach allein kein Grund, die Übernahme der Kosten abzulehnen.

Für den Behandlungserfolg entscheidend sei, dass es mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zu einer Schwangerschaft kommen könne. Wie diese weiterhin verlaufe, habe zunächst keine Rolle zu spielen.

Kostenübernahme für 44-Jährige verweigert

In dem konkreten Fall ging es um die Behandlung einer 44-Jährigen, deren Mann auf natürlichem Wege keine Kinder zeugen konnte. Seine private Krankenversicherung hatte die Kosten von rund 17.500 Euro nicht übernehmen wollen und das vor allem mit dem Alter der Frau begründet. Fehlgeburten kämen in dieser Altersgruppe häufiger vor.

Wegen der Probleme des Mannes stuften die Karlsruher Richter die vier Anläufe einer künstlichen Befruchtung jedoch als medizinisch notwendige Heilbehandlung ein. Für jeden Versuch habe es eine Wahrscheinlichkeit von mindestens 15 Prozent gegeben, dass ein Embryotransfer zur erwünschten Schwangerschaft führt. Damit bestehe eine ausreichende Erfolgsaussicht der Behandlung.

Künstliche Befruchtung im Reagenzglas | Bildquelle: dpa
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Entscheidend sei das Erreichen der Schwangerschaft durch die künstliche Befruchtung, so der BGH.

Selbstbestimmungsrecht des Paares

Das Selbstbestimmungsrecht des Paares umfasse "grundsätzlich auch die Entscheidung, sich den Kinderwunsch in fortgeschrittenem Alter unter Inkaufnahme altersspezifischer Risiken zu erfüllen", heißt es in dem Urteil weiter.

Anders könne die Entscheidung dann ausfallen, wenn es wegen der Gesundheit der Eltern nur wenig wahrscheinlich sei, dass das Kind lebend zur Welt komme. Bei dem Ehepaar sah der BGH dafür keine Anhaltspunkte. Die Versicherung muss die Kosten deshalb weitgehend übernehmen.

(AZ:.: IV ZR 323/18)

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 02. Januar 2020 um 17:15 Uhr.

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