Ein Screenshot der Software "Adblock Plus"

Reklame im Internet BGH entscheidet über Werbeblocker

Stand: 19.04.2018 05:32 Uhr

Werbeblocker, die Reklame im Netz ausblenden, bedeuten für viele Verlage Einnahmeverluste. Was der Bundesgerichtshof heute entscheidet, wird richtungsweisend für die ganze Medienbranche sein.

Von Kerstin Anabah, ARD-Rechtsredaktion

Animierte Banner, bildschirmfüllende Anzeigen: Wer im Internet unterwegs ist, ist ständig mit Werbung konfrontiert. User, die Werbung gänzlich ausblenden wollen, nutzen Werbeblocker. Das sind Programme, die Reklame im Internet unterdrücken. Für die Nutzer ist das angenehm, für die Seiteninhaber ein Milliardenverlust. Der Springer-Verlag will das nicht mehr hinnehmen. Nun muss der Bundesgerichtshof in Karlsruhe entscheiden.

Im konkreten Fall geht es um "Adblock Plus", ein Programm, das auf circa acht Millionen Geräten in Deutschland installiert sein soll. Weltweit, so der Kölner Anbieter Eyeo, seien es etwa 100 Millionen Geräte. Die User sollen meist junge Privatpersonen sein. Sie können das Programm aus dem Internet herunterladen - kostenlos. Werbung, die normalerweise auf Millionen von Internetseiten zu sehen ist, wird dann automatisch blockiert.

Nicolas Lieven, Wirtschaftsredaktion NDR info, zum erwarteten Urteil über Werbeblocker
tagesschau24 09:30, 19.04.2018

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Springer-Verlag unterlag vor Kölner Gericht

Für Medienkonzerne wie Springer ist das ein Riesenproblem. Mit Werbung auf Internetseiten wie bild.de oder welt.de verdient der Verlag viel Geld. Werbeblocker wie "Adblock Plus" verursachen Einnahmeverluste in Millionenhöhe.

Claas-Hendrik Soehring, Leiter Medienrecht bei Axel Springer, hält das Blockieren von Werbung für rechtswidrig: "Niemand hat das Recht, eine Software zu vertreiben, die die Integrität von Onlinemedien und deren Finanzierung gezielt zerstört. Nur der Verleger darf entscheiden, welche Inhalte und Anzeigen unter seinen Titeln publiziert werden. Werbeblocker gefährden die Qualität und die Vielfalt von Informationsangeboten und verletzen damit auch die Interessen der Allgemeinheit."

Vorm Oberlandesgericht Köln erlitt das Medienhaus eine Niederlage: Das Blocken von Werbung sei grundsätzlich rechtmäßig. Lediglich das sogenannte Whitelisting hielten die Richter für wettbewerbswidrig. Beim Whitelisting handelt es sich um ein besonders raffiniertes Geschäftsmodell: Will ein Internetseiten-Betreiber, dass seine Werbung nicht blockiert wird, kann er sich freikaufen: Wenn der Betreiber Eyeo am Werbeumsatz beteiligt wird, wird der Blocker deaktiviert.

Springer spricht von Erpressung durch Eyeo

Springer-Jurist Soehring spricht in diesem Zusammenhang von Erpressung: "Wir halten Whitelisting für ein erpresserisches Angebot. Erst werden Werbeanzeigen blockiert und dann gegen Zahlung einer Zwangsprovision wieder freigeschaltet. Das zeigt, dass es zum Beispiel bei "Adblock Plus", dem Angebot des Marktführers Eyeo, tatsächlich nicht um den Schutz des Internetbenutzers vor Werbung und den von ihr angeblich ausgehenden Gefahren geht. Man will einfach nur an fremden Werbeerlösen teilhaben."

Laura Sophie Dornheim, Sprecherin der beklagten Firma Eyeo, stellt dagegen die freie Entscheidung des Nutzers von Werbeblockern in den Vordergrund: "Wir sind grundsätzlich gegen jeden Zwang. Kein Mensch soll gezwungen werden, Werbung zu sehen und genauso wenig wird irgendein Unternehmen gezwungen, mit uns zusammen zu arbeiten. Jedem Websitebetreiber steht es frei, Adblocking-Nutzer auszusperren oder sie aufzufordern, anderweitig für Inhalte zu bezahlen."

Der Bundesgerichtshof muss nun in einem Grundsatzurteil klären, ob Werbeblocker überhaupt erlaubt sind. Die Entscheidung ist gerade für Medienunternehmen und Zeitungsverlage von immenser Bedeutung. Denn ohne Werbung werden sie ihre Online-Ausgaben kaum finanzieren können.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 19. April 2018 um 06:15 Uhr.

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