Werder-Fans haben Pyrotechnik gezündet. | picture alliance / Soeren Stache

BGH-Urteil Geldstrafen wegen störender Fans zulässig

Stand: 04.11.2021 13:15 Uhr

Vereine haften für ihre Fans: Weil Anhänger des FC Carl Zeiss Jena Pyrotechnik im Stadion zündeten, soll der Club 25.000 Euro Strafe an den DFB zahlen. Nun bestätigte der Bundesgerichthof die Rechtmäßigkeit der Strafe.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) darf seine Vereine auch weiterhin wegen des Verhaltens ihrer Anhänger und Zuschauer mit Geldstrafen belegen. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden. Durch die Praxis würden keine elementaren Grundsätze der Rechtsordnung verletzt.

Die Strafen seien als reine Präventivmaßnahme zu bewerten, dies sei auch ohne Verschulden der Vereine zulässig, begründeten die Richter das Urteil.

Geklagt hatte der Regionalligist FC Carl Zeiss Jena, der die Frage grundsätzlich klären lassen wollte - und nun auch in letzter Instanz unterlag. Die Rechts- und Verfahrensordnung des DFB sieht vor, dass für Zwischenfälle im Stadionbereich die Vereine haften.

BGH: Strafe dient der Prävention

Die Sanktion sei nicht verhängt worden, weil die vom Verein "ergriffenen Maßnahmen nicht ausgereicht haben, um Ausschreitungen ihrer Anhänger zu verhindern", hieß es in der Urteilsbegründung. Die Geldstrafe solle den Verein "dazu anhalten, zukünftig alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel einzusetzen, um mäßigend auf ihre Anhänger einzuwirken und so künftige Zuschauerausschreitungen zu verhindern."

Der Verein solle zudem befriedend auf die Fans einwirken und situationsabhängige präventive Maßnahmen ergreifen, forderten die Richter den FC Carl Zeiss Jena auf.

Verein reagiert mit Unverständnis

Der unterlegene FC Carl Zeiss Jena reagierte mit Unverständnis auf das Urteil. "Wir müssen uns jetzt das Urteil ansehen und entscheiden, ob es wert ist, da noch mal das Bundesverfassungsgericht anzufragen", sagte Chris Förster, der Geschäftsführer des Fußball-Regionalligisten. "Unsere Argumentation war ja, dass wir für etwas bestraft werden, wofür wir nichts können. Und jetzt hat der BGH erklärt, dass es keine Strafe ist, sondern präventiven Charakter hat."

Die Vereine würden die Geldbußen aber durchaus als Strafe empfinden, so Förster. "Die Prävention, die damit einhergehen soll, hat sich über die Jahre eben auch nicht eingestellt. Insofern kann man diesen präventiven Charakter durchaus mal in Frage stellen: Der ist nicht von der Praxis gedeckt", kritisierte er. Die Geldstrafen des DFB seien eine "enorme finanzielle Belastung" und ein "großer wirtschaftlicher Schaden für uns und auch für viele kleine Vereine", so Förster.

"Sippenhaft, wie wir sie aus dem Mittelalter kennen"

Auch der Dachverband für Fanhilfen bezeichnete das Urteil als "fatales Signal" für deren Rechte. "Die vom DFB-Sportgericht verhängten Kollektivstrafen gegen Fans und Vereine widersprechen zutiefst dem Grundsatz der demokratischen Rechtsprechung", sagte Sprecher Danny Graupner. "Nur wem eine konkrete Tat nachgewiesen wird, kann dafür strafrechtlich belangt werden", so Graupner. Dass der BGH dies bei seinem Urteil völlig außer Acht lasse könne man nicht nachvollziehen.

"Gerade die oftmals jungen Fans werden dadurch doppelt bestraft, da einzelne Personen in der Regel nach solchen Vorfällen strafrechtlich verfolgt werden", sagte Graupner. Der Verein für Fanhilfen sprach von "Sippenhaft, wie wir sie nur aus dem Mittelalter kennen". Das Verhängen von Kollektivstrafen sei "unverhältnismäßig".

"Es muss einen Dialog geben"

Das Verhalten der Fans werde sich aber auch nach dem Urteil nicht verändern, sagte Philipp Köster, Chefredakteur des Fußballmagazins 11 Freunde im Interview mit tageschau24. Er forderte daher einen Dialog auf Augenhöhe zwischen Fans und Clubs. "Das haben gerade die Ultra-Kurven in der Vergangenheit immer wieder vermisst", so Köster. "Es muss einen Dialog geben und man muss nach Lösungen suchen."

Verein muss 25.000 Euro Strafe zahlen

Konkret ging es um drei Vorfälle bei Spielen des FC Carl Zeiss Jena im Jahr 2018, bei denen Fans Pyrotechnik abbrannten oder Gegenstände aufs Spielfeld warfen. Das DFB-Sportgericht verurteilte den Verein zu einer Geldstrafe von knapp 25.000 Euro. Mit der Entscheidung des BGH hat dieser Schiedsspruch nun Bestand.


(Az. I ZB 54/20)

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 04. November 2021 um 10:00 Uhr.