Eine Verkäuferin greift in einer Bäckerei ins Regal | Bildquelle: dpa

Eurostat-Daten Wenn Arbeit nicht vor Armut schützt

Stand: 24.10.2018 11:18 Uhr

Befristet Beschäftigte und Teilzeitarbeiter sind in Deutschland deutlich stärker von Armut bedroht als noch vor zehn Jahren. Das zeigen neue Zahlen von Eurostat. Sie weisen zugleich aber auch eine Verbesserung aus.

Befristet Beschäftigte und Teilzeitarbeiter können nach Daten des Europäischen Statistikamts Eurostat oft von ihrem Verdienst kaum leben. Demnach waren im vergangenen Jahr 18,3 Prozent der Arbeitnehmer mit einer befristeten Anstellung von Armut bedroht. Das geht aus einer neuen Erhebung des Amtes hervor. Im Jahr 2007 betrug die Quote noch 12,7 Prozent. Gegenüber 2016 ging die Armutsgefährung allerdings zurück - damals lag sie noch bei 20,5 Prozent

Unter den Teilzeitbeschäftigten galten im Vorjahr 14 Prozent als armutsgefährdet. Auch dieser Anteil liegt deutlich über der Zahl von 2007 - damals galten 10,1 Prozent als armutsgefährdet. Allerdings stehen sie auch für einen Rückgang gegenüber 2015 (15,2 Prozent).

Die Eurostat-Daten bestätigen Erhebungen, die in Deutschland vorgenommen wurden. So hatte erst in der vergangenen Woche die Nationale Armutskonferenz ihren jährlichen Schattenbericht vorgelegt. Ihm zufolge ist zwischen 2004 und 2014 die Erwerbsarmut stark angestiegen.

Armutsgefährdet ab 1096 Euro

Nach den EU-Kriterien gilt als armutsgefährdet, wer über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung verfügt. In Deutschland lag dieser Schwellenwert für einen Alleinstehenden im vergangenen Jahr laut einem Bericht der "Saarbrücker Zeitung" bei 1096 Euro im Monat.

"Nach wie vor sind viel zu viele Menschen arm trotz Arbeit", sagte Linken-Arbeitsmarktexpertin Sabine Zimmermann der Zeitung. Dagegen helfe ein deutlich höherer Mindestlohn. Zudem müsse die sachgrundlose Befristung abgeschafft und ein Rückkehrrecht in Vollzeit für alle Beschäftigten eingeführt werden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. Oktober 2018 um 20:00 Uhr.

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