Eine Auszubildende zum Schweißer arbeitet  in einem Ausbildungszentrum an einem Stück Metall | Bildquelle: dpa

Berufsbildungsbericht Gutes Jahr für Azubis

Stand: 10.04.2019 17:07 Uhr

Mehr Azubis und gute Übernahmechancen - das sind die positiven Botschaften des Berufsbildungsberichts. Sorgen macht der zuständigen Ministerin Karliczek vor allem die sogenannte Ungelerntenquote.

Von Nadine Bader, ARD-Hauptstadtstudio

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hat selbst zwei Ausbildungen absolviert. Die Vorstellung des Berufsbildungsberichts ist ihr ein willkommener Anlass, um erneut zu betonen, dass ihr die berufliche Bildung besonders am Herzen liegt. 2019 will die CDU-Politikerin verstärkt dafür nutzen, die berufliche Bildung zu fördern. "Denn in diesem Jahr werden wir mit dem Jahr der Berufsbildung immer wieder und überall darauf aufmerksam machen, dass die berufliche Bildung eine attraktive Option ist."

Der Berufsbildungsbericht spiegelt das aus Sicht Karliczeks wider: Denn 2018 boten Betriebe knapp 17.000 mehr Ausbildungsstellen an als im Jahr zuvor. Und auch die Zahl der Bewerber hat zugenommen. Für Karliczek ein Zeichen dafür, dass die Ausbildung Jugendlichen einen "qualitativ hochwertigen Bildungsweg" bietet. "Die Chance vom Ausbildungsbetrieb übernommen zu werden ist vom letzten Bildungsbericht bis zu diesem weiter gestiegen. Es wurden fast dreiviertel der Auszubildenden nach ihrem Abschluss weiterbeschäftigt, und das ist wieder mal ein Anstieg um sechs Prozent."

Ministerin Karliczek bei der Vorstellung des Ausbildungsberichts | Bildquelle: dpa
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Bildungsministerin Karliczek will die Ausbildung attraktiver machen.

Ungelerntenquote macht Sorgen

Doch der Berufsbildungsbericht zeigt auch: Die Zahl der jungen Erwachsenen ohne Berufsabschluss ist weiter leicht gestiegen. Der Trend der vergangenen Jahre, dass die sogenannte Ungelerntenquote bei den 20- bis 34-Jährigen wieder steigt, setzt sich damit fort. Die Quote lag laut Bericht 2017 bei 14,2 Prozent. Damit verfehlt die Bundesregierung erneut das Ziel, die Zahl junger Erwachsener ohne Berufsabschluss auf 8,5 Prozent zu senken. Dieses Ziel hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits vor mehr als zehn Jahren ausgesprochen.

Außerdem ist die Situation auf dem Ausbildungsmarkt regional sehr unterschiedlich. Im Nordosten Deutschlands und in einigen Regionen Bayerns werden Azubis händeringend gesucht: Mit knapp 60.000 unbesetzten Ausbildungsstellen bundesweit wurde 2018 ein neuer Höchststand erreicht.

Karliczek will deshalb auch verstärkt in Gymnasien für die berufliche Bildung werben. "Wir wollen ganz gezielt noch mal darauf aufmerksam machen, dass es sehr attraktive Ausbildungsberufe gibt, die die gleichen Chancen bieten wie ein Hochschulstudium", sagte sie.

Wie viel Geld soll ein Azubi bekommen?

Um die Berufsausbildung attraktiver zu machen, verweist Karliczek im Bericht auch auf die geplante Mindestausbildungsvergütung. Die ist im Koalitionsvertrag vereinbart. Das Problem: Bisher sind sich Union und SPD uneins darüber, wie viel Auszubildende mindestens verdienen sollten. Deshalb wurden die Sozialpartner, also Arbeitgeber und Gewerkschaften, um einen Vorschlag gebeten. "Die Vorschläge, die die Sozialpartner gemacht haben, sind glaube ich ausgewogene Vorschläge, wo wir uns vorstellen können, die schon auch in der Form zu übernehmen", sagte Karliczek.

Der Vorschlag der Sozialpartner lautet: 515 Euro Mindestausbildungsvergütung pro Monat im ersten Lehrjahr, im zweiten Lehrjahr 615 Euro und im dritten 715 Euro pro Monat. Bis wann sie die Mindestvergütung für Azubis umsetzen will, ließ die Bundesbildungsministerin offen.

Berufsbildungsbericht im Kabinett
Nadine Bader, ARD Berlin
10.04.2019 15:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. April 2019 um 14:47 Uhr.

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