Zahnputzbecher in einer Hamburger Kita | Bildquelle: dpa

Studie zu Kita-Beiträgen Familien sind ungleich belastet

Stand: 28.05.2018 07:46 Uhr

Einkommensschwache Haushalte werden durch die Kita-Gebühr übermäßig belastet, lautet das Fazit einer Bertelsmann-Studie. Familienministerin Giffey peilt bereits Verbesserungen an.

Einkommensarme Familien sind einer Studie zufolge bei Kita-Beiträgen überproportional stark belastet. Zwar sind die Gebühren vielerorts nach Einkommen gestaffelt - Haushalte unterhalb der Armutsrisikogrenze müssen aber dennoch durchschnittlich einen nahezu doppelt so hohen Anteil ihres Einkommens für die Kita aufwenden wie finanziell besser gestellte. Das geht aus der von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlichten Erhebung "ElternZoom 2018" hervor.

Außerdem fallen die Gebühren für die Kindertageseinrichtungen je nach Bundesland stark unterschiedlich aus.

Armutsgefährdete Eltern, die über weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens verfügen, geben monatlich fast zehn Prozent ihres gesamten Haushaltsnettoeinkommens - im Mittelwert 118 Euro - für die Kita aus. Bei Familien oberhalb der Armutsgrenze sind es "nur" fünf Prozent - also 178 Euro. Hinzu kommen laut Studie Zusatzgebühren etwa für Mittagessen, Hygieneartikel oder Ausflüge - rund 45 Euro im Schnitt. Die Ergebnisse beruhen laut Bertelsmann auf zwei bundesweit teilweise in Kooperation mit Infratest dimap erhobenen separaten Befragungen von insgesamt rund 10.490 Eltern.

Ungerechte Belastung

Die finanzielle Belastung sei ungerecht verteilt, bemängelte die Stiftung - und forderte Kita-Beitragsfreiheit für armutsgefährdete Familien.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey bekräftigte das Ziel einer Kita-Beitragsfreiheit. Hohe Elternbeiträge könnten eine Hürde sein, sagte sie. "Das Einkommen der Eltern darf aber nicht darüber entscheiden, ob und wann Kinder in eine Kindertageseinrichtung gehen. Eine zentrale Säule unseres Gute-Kita-Gesetzes ist deshalb der Einstieg in die Beitragsfreiheit", so die SPD-Politkerin. 

Dabei würde eine bundesweite Mehrheit von 53 Prozent der einkommensschwachen und 59 Prozent der finanzkräftigeren Eltern für mehr Personal und bessere Ausstattung nach eigenen Angaben auch höhere Beiträge akzeptieren. 

Franziska Giffey | Bildquelle: dpa
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In dieser Wahlperiode fließen Ministerin Giffey zufolge 3,5 Milliarden Euro in die Kindertagesbetreuung. 

Große Unterschiede je nach Bundesland

Je nach Bundesland schlagen die Kita-Gebühren laut Studie unterschiedlich stark zu Buche: Am meisten geben Eltern in Schleswig-Holstein mit 8,9 Prozent ihres Nettoeinkommens für die Kita aus, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern (7,8), Niedersachsen (7,3) und dem Saarland (7,2). Besonders wenig zahlen Familien in Berlin (2,0), Rheinland-Pfalz (4,0) und Hamburg (4,3).

Das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen liegt - wie Bremen - mit 6,6 Prozent leicht über dem Bundesschnitt. Ähnlich sieht es in Hessen (6,7), Baden-Württemberg (6,5), Brandenburg (6,2), Thüringen (6,1) und Bayern (5,9) aus.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Mai 2018 um 09:00 Uhr.

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