Carla Simon mit dem Goldenen Bären für den Besten Film bei der Preisverleihung der Berlinale 2022. | AFP

72. Berlinale Goldener Bär für Drama "Alcarràs"

Stand: 16.02.2022 20:42 Uhr

Das Drama "Alcarràs" ist auf der Berlinale mit dem Goldenen Bären für den besten Film ausgezeichnet worden. Schauspielerin Meltem Kaptan gewann den Silbernen Bären für ihre Rolle als Mutter des früheren Guantánamo-Häftlings Kurnaz.

Die internationale Berlinale-Jury unter Leitung des US-Regisseurs M. Night Shyamalan hat die Hauptpreise bei den 72. Filmfestspielen in Berlin verliehen. Das spanisch-italienische Drama "Alcarràs" von Carla Simón über Pfirsichbauern in Spanien gewann den Goldenen Bären.

Die Schauspielerin Meltem Kaptan wurde mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet - für ihre Hauptrolle in der ARD-Koproduktion "Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush".

Die Drehbuchautorin des Films, Laila Stieler, erhielt ebenfalls einen Silbernen Bären. Regie führte der deutsche Filmemacher Andreas Dresen. Der Film erzählt, wie die Mutter des langjährigen Guantánamo-Häftlings Murat Kurnaz versucht, ihren Sohn aus dem US-Gefangenenlager zu befreien.

18 Filme aus 17 Produktionsländern

Beim diesjährigen Filmfestival in Berlin konkurrierten 18 Filme aus 17 Produktionsländern um den Goldenen Bären für den besten Film sowie um die Silbernen Bären unter anderem für die beste Regie und die beste Schauspielleistung.

Im Rennen war neben "Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush" auch "AEIOU - Das schnelle Alphabet der Liebe" der deutschen Regisseurin Nicolette Krebitz über ein Liebespaar mit großem Altersunterschied, ebenfalls eine ARD-Koproduktion.

Regiepreis für Claire Denis

Den Silbernen Bär für die beste Regie erhielt die französische Regisseurin Claire Denis. Ausgezeichnet wurde sie für ihren Film "Avec amour et acharnement" mit Juliette Binoche und Vincent Lindon. Darin geht es um eine Frau, deren Leben durcheinandergerät, als ein Ex-Partner wieder auftaucht.

Den Preis der Jury erhielt die Regisseurin Natalia López Gallardo für ihr Drama "Robe of Gems" über drei Frauen in Mexiko, die auf unterschiedlichen Wegen mit dem Drogengeschäft in Konflikt geraten.

Die Erzählung "The Novelist's Film" gewann den Großen Preis der Jury. Der südkoreanische Regisseur Hong Sangsoo erzählt darin von einer Schriftstellerin, die im Laufe des Tages verschiedenen Menschen begegnet. Im vergangenen Jahr hatte der Filmemacher bereits den Drehbuchpreis für seinen Schwarz-Weiß-Film "Introduction" gewonnen.

Keine Geschlechtertrennung mehr

Die Berlinale vergibt Schauspielpreise nicht mehr getrennt nach Geschlecht, sondern für die beste schauspielerische Leistung in Haupt- und Nebenrolle.

Der Silberne Bär für die beste Schauspielleistung in einer Nebenrolle ging an Laura Basuki für die indonesische Geschichte "Nana". Die Collage "Everything Will Be Ok" des Kambodschaners Rithy Panh wurde für eine besondere künstlerische Leistung geehrt.

Goldener Ehrenbär für Isabelle Huppert

Zuvor war bereits die französische Film- und Theaterschauspielerin Isabelle Huppert mit dem Goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk ausgezeichnet worden. Huppert konnte wegen eines positiven Corona-Tests nicht persönlich anwesend sein, sondern war per Video aus Paris zugeschaltet. Stellvertretend nahm der Regisseur Laurent Larivière ihren Ehrenbären in Empfang. Im Anschluss wurde sein Film "À propos de Joan" gezeigt, in dem Huppert eine Hauptrolle spielt.

Die Organisatoren der 72. Berlinale würdigten Huppert als "eine der weltweit vielseitigsten Charakterdarstellerinnen". Sie spielte im Lauf ihrer Karriere in zahlreichen Filmen mit, unter anderem von Regisseuren wie Jean-Luc Godard, Claude Chabrol und Michael Haneke.

Heiner-Carow-Preis für Kameramann Starman

Der mit 5000 Euro dotierte Heiner-Carow-Preis ging dieses Jahr an den Kameramann Rafael Starman. Damit wurde er für den Spielfilm "Gewalten" gewürdigt, der bei der Berlinale in der Nachwuchsreihe "Perspektive Deutsches Kino" lief. In einer Welt voller Brutalität erschaffe Starman mit seiner Bildgestaltung eine unglaubliche Poesie, urteilte die Jury.

Die DEFA-Stiftung erinnert mit dem Preis an den Regisseur Heiner Carow. Die Stiftung bewahrt das Erbe des DDR-Filmunternehmens und fördert deutsche Filmkunst und -kultur mit Preisen.

Berlinale unter Corona-Bedingungen

Die Berlinale findet in diesem Jahr trotz Pandemie wieder mit Publikum statt. Die Kinosäle werden jedoch nur zur Hälfte besetzt. Zutritt haben zudem nur Menschen, die gegen das Coronavirus geimpft oder von einer Infektion genesen sind.

Die Berlinale wird noch bis Sonntag mit Publikumstagen fortgesetzt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. Februar 2022 um 20:00 Uhr.