Kriminaltechniker untersuchen auf der Berliner Stadtautobahn A100 einen Pkw. | dpa

Berliner Stadtautobahn Ermittler gehen von islamistischem Anschlag aus

Stand: 19.08.2020 12:44 Uhr

Die Staatsanwaltschaft wertet die Zusammenstöße auf der Berliner Stadtautobahn als islamistischen Anschlag. Ein Mann habe gezielt Fahrzeuge gerammt. Psychische Probleme des 30-Jährigen sind nicht ausgeschlossen.

Bei dem Zwischenfall auf der Berliner Stadtautobahn mit mehreren Verletzten hat die Staatsanwaltschaft in Berlin eine erste Stellungnahme abgegeben: "Nach derzeitigen Erkenntnissen ist es ein islamistisch motivierter Anschlag gewesen", sagte ein Sprecher. Auch Berlins Innensenator Andreas Geisel sprach von einem islamistischen Anschlag: "Ein religiös motivierter Tathintergrund ist nicht auszuschließen."

Gleichzeitig gibt es laut Ermittlern derzeit keine Hinweise auf eine Mitgliedschaft des Mannes in einer terroristischen Vereinigung. Er sei zuvor nicht als Gefährder aufgefallen, war der Polizei aber wegen kleinerer Delikte bekannt, erläutert ARD-Korrespondentin Esther Neumeier. Die Nachrichtenagentur dpa erfuhr allerdings aus Sicherheitskreisen, dass der Iraker zu einem als Gefährder bekannten Islamisten in Kontakt gestanden haben soll.

Hinweise bei Facebook?

"Es handelt sich nach dem derzeitigen Ermittlungsstand um gezielte Angriffe vor allem auf Motorradfahrer mit zum Teil schwerwiegenden Folgen. Äußerungen des Beschuldigten nach seinen Tathandlungen legen eine religiös-islamistische Motivation nahe. Zusätzlich gibt es Hinweise auf eine psychische Labilität", hieß es von Polizei und Staatsanwaltschaft.

Im Internet habe der 30-Jährige im Vorfeld Hinweise auf die geplante Tat veröffentlicht. Auf seiner Facebook-Seite postete der Iraker Fotos des Autos, mit dem er später absichtlich mehrere Fahrzeuge rammte, sowie religiöse Sprüche.

Mehrere Verletzte

Mehrere Menschen wurden am Dienstagabend auf der A100 bei den Zusammenstößen des Autofahrers mit anderen Fahrzeugen erheblich verletzt. Ein gerammter Motorradfahrer sei schwer verletzt worden.

Der Mann hatte an drei Stellen auf der Autobahn nahe der Berliner Innenstadt die Crashs verursacht. Laut Polizei hatte er eine vermeintliche Munitionskiste dabei. Als er gestoppt wurde, habe er angekündigt, in der Kiste befände sich ein "gefährlicher Gegenstand", so die Polizei. Kriminaltechniker durchleuchteten die Metallkiste. Sie sei für die Aufbewahrung von Munition geeignet gewesen. Die Kiste sei dann mit einem Wassergewehr aufgeschossen worden. Allerdings entdeckte die Polizei darin nichts Verdächtiges.

Gegen den Iraker werde wegen versuchten Mordes in mehreren Fällen ermittelt, hieß es aus der Staatsanwaltschaft. Er soll noch heute einem Haftrichter vorgeführt werden.

Einsatz weitgehend beendet

Inzwischen ist der Polizeieinsatz vor Ort weitgehend beendet. Die Sperrungen der Autobahn Richtung Neukölln wurden weitgehend aufgehoben. Zwischen Kurfürstendamm und Hohenzollerndamm gab es laut Verkehrsinformationszentrale allerdings weiterhin eine Sperrung.

Das stark beschädigte Auto des Fahrers stand zuletzt auf der Autobahnausfahrt Alboinstraße in Berlin-Tempelhof Richtung Westen. Dort in der Nähe hatte sich wohl der dritte Crash ereignet. Der Autofahrer war offenbar mit großer Wucht auf ein Motorrad geprallt.

Die anderen beiden Zwischenfälle, bei denen der Mann andere Fahrzeuge rammte, geschahen weiter westlich auf der Autobahn in Wilmersdorf und Schöneberg. Daher muss der Mann seine Fahrtrichtung mehrfach geändert und die Autobahn in beide Richtungen abgefahren haben.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 19. August 2020 um 11:00 Uhr.