Absperrband mit dem Aufdruck: BER, Berlin Brandburg Airport.

Hauptstadtflughafen BER braucht weitere Milliardenhilfen

Stand: 12.03.2021 20:46 Uhr

Der BER ist in Betrieb und Flughafen-Chef Daldrup hat seinen Abschied verkündet. Davor präsentierte er noch saftige Forderungen: Das Unternehmen brauche zum Überleben weitere 1,9 Milliarden Euro staatliche Hilfen.

Die öffentliche Hand soll dem angeschlagenen Hauptstadtflughafen BER mit weiteren 1,9 Milliarden Euro unter die Arme greifen. Die Betreibergesellschaft FBB teilte nach einer Aufsichtsratssitzung mit, das sehe der Finanzplan für die nächsten Jahre vor. Schwarze Zahlen dürfte es wegen des Einbruchs im Flugverkehr aufgrund der Corona-Krise erst wieder 2026 geben.

Die Eigentümer Berlin, Brandenburg und der Bund mussten den Airport bereits 2020 wegen der Pandemie und dem Passagierrückgang mit weiteren Mitteln unterstützen, ebenso im laufenden Jahr. FBB-Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider sagte, der Aufsichtsrat habe einmütig an die Gesellschafter appelliert, die Vorschläge der Geschäftsführung zu unterstützen. Die FBB ist mit 4,5 Milliarden Euro verschuldet.

Durch Corona fehlen 80 Millionen Passagiere

Nun fehlen bis 2025 den Erwartungen zufolge 80 Millionen Passagiere wegen des Einbruchs im Luftverkehr im Zuge der Corona-Pandemie. Das entspreche Einnahmeausfällen in Höhe von 1,6 Milliarden Euro, sagte Daldrup. Die FBB versucht, das mit einem eigenen Sparprogramm zu kompensieren: 80 Prozent der geplanten Investitionen will die Gesellschaft bis 2025 streichen und die Zahl der Beschäftigten unter anderem über Altersteilzeit oder auslaufende Verträge um ein Viertel reduzieren.

"Damit wird das Unternehmen einen Beitrag leisten", erklärte der Flughafenchef. Doch aus eigener Kraft komme die Gesellschaft nicht auf einen grünen Zweig. Die staatlichen Eigentümer müssten für eine Teilentschuldung einspringen: 1,1 Milliarden Euro sollen der Bund sowie die Länder Berlin und Brandenburg bei den Fremdkapitalgebern abzahlen. Andernfalls könnten die Kredite nicht mehr bedient werden. Darüber hinaus brauche es 800 Millionen Euro Liquiditätshilfen bis 2025.

Darlehen sollen nicht zurückgezahlt werden

Als dritter Punkt auf der Rechnung stehen die bereits geleisteten Corona-Hilfen, von denen ein Großteil bislang als Darlehen der Eigentümer geflossen ist. Sie sollen in nicht-rückzuzahlende Zuschüsse umgewandelt werden. In der kommenden Woche sollen der Bund und die beiden Länder auf einer Gesellschafterversammlung über die Maßnahmen beraten.

Dafür stellte der Flughafenchef in Aussicht, dass ab 2025 keine Steuergelder mehr notwendig sein werden. Die Gesellschaft könne dann wieder eigene Kredite am Kapitalmarkt aufnehmen. Voraussetzung: Die Fluggastzahlen wachsen bis dahin tatsächlich wieder auf das Vorkrisenniveau.

Der BER wurde nach jahrelangen Verzögerungen wegen Problemen am Bau Ende Oktober 2020 eröffnet. Die Kosten stiegen von ursprünglich rund 2,7 Milliarden Euro auf knapp sechs Milliarden Euro. Wegen der Corona-Pandemie wird der Airport nun noch mehrere Jahre Verluste machen. Der 64-jährige FBB-Chef Engelbert Lütke Daldrup hat noch einen Vertrag bis März 2022, will aber im September 2021 vorzeitig aufhören. Der Aufsichtsrat habe dem einvernehmlich zugestimmt, sagte Bretschneider.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. März 2021 um 21:00 Uhr in den Nachrichten.