Christine Lambrecht | dpa

Sprache in Bundesbehörden Lambrecht gegen Gendersternchen

Stand: 06.10.2021 09:55 Uhr

"Liebe Leser*innen ..." - für geschlechtsneutrale Formulierungen wird immer öfter das Gendersternchen verwendet. In Bundesbehörden möchte Frauenministerin Lambrecht das Sonderzeichen aber nicht sehen.

Frauen- und Familienministerin Christine Lambrecht (SPD) spricht sich einem Zeitungsbericht zufolge dafür aus, dass Ministerien und Bundesbehörden auf das Gendersternchen verzichten. Sonderzeichen als Wortbestandteile in der offiziellen Kommunikation seien "nicht zu verwenden", heißt es laut "Neuer Osnabrücker Zeitung" in einer Empfehlung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zur geschlechtergerechten Sprache in der Bundesverwaltung.

Neben dem Gendersternchen sollen demnach auch der Binnendoppelpunkt, der Binnenunterstrich, das große Binnen-I oder das Trema aus der offiziellen Kommunikation verschwinden.

Laut Expertenrat rechtswidrig und vielleicht unverständlich

Verwiesen wird dabei auf die Auffassung des Deutschen Rechtschreiberates. Demnach ist die Verwendung der Sonderzeichen derzeit rechtswidrig. Zudem sei nicht sicher, dass solche Schreibweisen allgemein verständlich sind.

Das auf den 16. September datierte Schreiben richtet sich an die Bundesverwaltung einschließlich Kanzleramt und Ministerien, aber auch an Bundesgerichte und Stiftungen des Öffentlichen Rechts des Bundes, wie die Zeitung meldet. Der Bundestag als Gesetzgeber oder der Bundespräsident gehören nicht zu den Adressaten.

Lieber die weibliche Form

Während Sonderzeichen laut dem Bericht abgelehnt werden, empfiehlt das Frauenministerium ausdrücklich, das generische Maskulinum zu vermeiden, wenn auch eine weibliche Form existiere, wie bei "Kunde" und "Kundin". Ausgenommen werden dem Bericht zufolge nur juristische oder abstrakte Personen wie "Arbeitgeber".

Für zusammengesetzte Wörter wiederum wird laut der Zeitung ein "pragmatischer Umgang" angeregt. So sei die Verwendung des Begriffs "Ministerpräsidentenkonferenz" in Ordnung. Dabei soll die Klarstellung bei der Auflösung des Kompositums erfolgen, etwa als "Konferenz der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder". Von der abwechselnden Verwendung von männlicher und weiblicher Form wird laut Bericht abgeraten.

Wo immer möglich, solle ein neutrales Wort verwendet werden, heiße es in der Empfehlung. Also etwa "Teilnahmeliste" statt "Teilnehmerliste". Auch würden möglichst geschlechtsneutrale Begriffe angemahnt, wie "Pflegkraft", "Belegschaft" oder "Vorsitz".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Oktober 2021 um 06:00 Uhr.