Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) | LUKAS BARTH-TUTTAS/EPA-EFE/Shutt

Söder vor Ministerpräsidentenkonferenz "Wir müssen jetzt Corona ausbremsen"

Stand: 13.10.2020 13:55 Uhr

Bayerns Ministerpräsident Söder fordert vor dem Treffen mit Kanzlerin Merkel eine Verschärfung der Corona-Maßnahmen. Mecklenburg-Vorpommerns Landeschefin Schwesig verteidigt das Beherbergungsverbot.

Im Kampf gegen die sich wieder verschärfende Corona-Krise sind nach Ansicht von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder die kommenden vier Wochen entscheidend für Deutschland. "Wir müssen jetzt Corona ausbremsen, bevor wir eine echte Notbremsung machen müssen", sagte der CSU-Chef nach einer Sitzung der Landesregierung in München.

Söder sprach sich für eine erweiterte Maskenpflicht in ganz Deutschland aus, so könne die Pandemie besser unter Kontrolle gehalten werden. Auch private Feiern müssten in den kommenden Wochen runtergefahren werden. Wo genau eine erweiterte Maskenpflicht nötig sei, das müsse an diesem Mittwoch auf der Konferenz der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin besprochen werden.

Als Beispiele nannte Söder öffentliche Plätze, öffentliche Gebäude, aber auch Fahrstühle. "Wo ist der beste Ansatz für mehr Maske?", dieser Katalog müsse nun erarbeitet werden.

Söder und Schwesig gegen Lockerungen

Söder betonte, Bund und Länder müssten morgen einen gemeinsamen Regelungskanon beschließen, um auch die Bevölkerung für die kommenden Wochen zu motivieren. "Wir müssen der Wahrheit ins Auge schauen, wir sind in einer sehr ernsten Lage. Wir sind kurz davor, die Kontrolle zu verlieren", sagte Söder. Dies zeige sich in vielen Nachbarländern "überall um uns herum gibt es extrem negative Anzeichen".

Ähnlich sieht das auch Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschefin Manuela Schwesig. Sie sprach sich im ARD-Morgenmagazin gegen Lockerungen aus: "Wir brauchen eine klare, stringente Linie. Die kann in einer Zeit, wo die Zahlen immer mehr in Deutschland steigen, nicht Lockerung sein." Die SPD-Politikerin forderte stattdessen strengere Regeln, "insbesondere in Risikogebieten". Dabei setzte sie sich auch für das umstrittene Beherbergungsverbot ein: "Wir sind mit unseren strengen Regeln von Anfang an in der Corona-Zeit gut gefahren. Wir haben die niedrigsten Infektionszahlen, obwohl wir drei Mal so viele Touristen beherbergt haben, wie wir eigentlich Menschen im Land sind." Das zeige, dass die Regeln gut funktionierten.

Das sieht der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, ganz anders: Er forderte, das Verbot auf den Prüfstand zu stellen. "Gerade Hotels haben in einem großen Kraftakt die Hygienemaßnahmen umgesetzt und für Sicherheit gesorgt. Ein nochmaliger Lockdown der ganzen Hotelbranche muss verhindert werden", so Bareiß.

"Verunsicherte Gesellschaft"

Der Chef des Landkreistages, Reinhard Sager, sprach im Nachrichtenportal "t-online" von einem "im Alltag kaum zu überblickenden Flickenteppich und großer Verunsicherung in der Gesellschaft". Die Hauptgeschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Ingrid Hartges, sagte der "Saarbrücker Zeitung": "Ich habe die begründete Hoffnung, dass sich Bund und Länder von dieser Form des Beherbergungsverbots verabschieden müssen." Hartges spielte damit offenbar auf die angekündigten Klagen gegen das Verbot an.

Kanzlerin und Ministerpräsidenten kommen morgen erstmals seit Mitte Juni wieder im Kanzleramt zusammen und tagen nicht in einer Videokonferenz. Laut "Bild"-Zeitung begründete Kanzleramtschef Helge Braun gegenüber den Staatskanzleichefs die Notwendigkeit hierfür mit der dramatischen Infektionslage in Deutschland. Man müsse eine offene Debatte führen, die "historische Dimensionen" haben könne, wurde er unter Bezug auf Teilnehmer zitiert. Unions-Fraktionschef Ralph Brinkhaus mahnte für das Treffen unter anderem in der Frage der Beherbergungsverbote eine einheitliche Linie an. "Ich erwarte morgen ein klares Signal gegen die Kleinstaaterei. Wir benötigen Klarheit für die Menschen in Deutschland. Dies gilt insbesondere für innerdeutsche Reisen", sagte der CDU-Politiker.

Die meisten Bundesländer hatten am vergangenen Mittwoch beschlossen, dass Bürger aus Orten mit sehr hohen Corona-Infektionszahlen bei Reisen innerhalb von Deutschland nur dann beherbergt werden dürfen, wenn sie einen höchstens 48 Stunden alten negativen Corona-Test vorlegen können. Greifen soll dies für Reisende aus Gebieten mit mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen. Als sicher gilt, dass morgen über das Thema gesprochen werden wird.

Verlängerte Weihnachtsferien?

Diskutiert werden könnte beim Bund-Länder-Treffen auch über die Schulen - dass diese nicht wieder geschlossen werden müssen, gilt als eines der wichtigsten Ziele der Maßnahmen. Die Bundestagsabgeordneten Christoph Ploß (CDU) und Stephan Pilsinger (CSU) machten in der "Bild"-Zeitung den Vorschlag, die Winterferien um zwei bis drei Wochen zu verlängern und im Sommer entsprechend zu kürzen. Gegenwehr kam aber sofort von Unionsfraktionsvize Thorsten Frei. Er sagte bei RTL/ntv: "Angesichts der Verbreitungswege, die derzeit dominieren, befürchte ich, dass wir durch eine Verlängerung der Weihnachtsferien viel Unruhe stiften, aber letztlich keinen durchgreifenden Erfolg erringen."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 13. Oktober 2020 um 12:15 Uhr.