Seda Basay-Yildiz  (Archivbild 2019) | Bildquelle: imago images/photothek

"NSU 2.0"-Drohschreiben Bedrohte Anwältin setzt Belohnung aus

Stand: 20.11.2020 19:46 Uhr

Seit 2018 bekommt die NSU-Opferanwältin Seda Basay-Yildiz immer wieder Drohschreiben. Absender: "NSU 2.0". Damit die Urheber endlich gefasst werden, hat sie nun eine Belohnung ausgesetzt.

Die Frankfurter Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz hat eine Belohnung in Höhe von 5000 Euro für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung der Urheber der mit "NSU 2.0" gezeichneten Drohmails und Faxe führen. Sie wolle nichts unversucht lassen, damit der Fall doch noch aufgeklärt werde, sagte die Juristin.

Die Anwältin, die Nebenklägerin im Prozess um die Morde des rechtsextremistischen Trios "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) war, hatte seit August 2018 mehrfach anonyme Drohschreiben erhalten, die mit "NSU 2.0" unterzeichnet waren. In dem ersten Schreiben war auch ihre damals zwei Jahre alte Tochter namentlich genannt und mit dem Tod bedroht worden.

Persönliche Daten aus Polizeicomputer abgerufen

Die unbekannten Verfasser hatten immer wieder auch weitere, öffentlich nicht zugängliche Informationen über Basay-Yildiz und ihre Familienmitglieder genannt, darunter auch ihre Adresse. Persönliche Daten über Basay-Yidiz waren zuvor aus einem Polizeicomputer in einem Frankfurter Revier abgerufen worden.

Inzwischen bekamen auch weitere Prominente - vor allem Frauen - solche Drohmails: unter anderem die hessische Linken-Fraktionschefin Janine Wissler und die Kabarettistin Idil Baydar. In beiden Fällen waren persönliche Daten aus Computern in Wiesbadener Polizeirevieren abgerufen worden.

Rassistische Beleidigungen

"Zwei Jahre und drei Monate nach dem ersten Drohfax ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Fall noch aufgeklärt wird, eher gering", erklärte Basay-Yildiz. Daher der Versuch mit der Auslobung der Belohnung.

Wegen ihrer türkischen Abstammung war die deutsche Rechtsanwältin in den überwiegend per Fax verschickten Drohschreiben auch rassistisch beleidigt worden. Die Ermittlungen der Polizei haben trotz Einsetzung eines Sonderermittlers bislang noch kein erkennbares Ergebnis gehabt.

Über dieses Thema berichtete hr-INFO am 20. November 2020 um 18:30 Uhr.

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