Armin Laschet (CDU) spricht beim Tag der Industrie | dpa

Tag der Industrie Schaulaufen der Kanzlerkandidaten

Stand: 22.06.2021 18:12 Uhr

Wie kann die Klimawende gelingen und der Industriestandort Deutschland erhalten werden? Die Kanzlerkandidaten haben beim Tag der Industrie Ausblicke gegeben. Am Ende gab es nicht mehr als freundlichen Applaus.

Von Eva Ellermann, ARD-Hauptstadtstudio

Die Deutsche Industrie macht sich Sorgen: Klimaneutralität bis 2045 - wie soll das Industrie-, Export- und Innovationsland Deutschland das schaffen?

Eva Ellermann ARD-Hauptstadtstudio

Der Chef des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Siegfried Russwurm, befürchtet, dass immer neue Klimaschutzziele und Vorgaben die Industrie überfordern: "Nur die Latte höher zu legen, obwohl Sportler und Trainer noch nicht wissen, wie sie die niedrigere bewältigen können - das ist keine erfolgreiche Trainingsstrategie. Und das als Trainer zu tun, ob mit dem Sportler vorher darüber zu sprechen, erst recht nicht."

Merkels letzter Tag der Industrie

Bundeskanzlerin Angela Merkel fällt das Bekenntnis zum Industriestandort Deutschland nicht schwer, allerdings müssten Selbstverständlichkeiten immer wieder neu erarbeitet werden, mahnt sie.

Es ist ihr letzter Auftritt bei einem Tag der Industrie und sie nutzt ihn, um auch Forderungen an die Gastgeber zu stellen auf dem Weg zur Klimaneutralität: "Wir brauchen dringend - da sollten wir mit dem BDI zusammenarbeiten - eine Prognose für den Strombedarf 2030. Die Annahmen, dass sich der Strompreis nicht vergrößert, sind wahrscheinlich nicht zukunftsfähig. Dann muss ein Plan her, der mehr Leitungsbau erfordert, als wir das heute angesetzt haben", sagte Merkel.

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz teilt die Diagnose der Kanzlerin und nutzt sie zum Angriff auf Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Der gehe von gleichbleibendem Stromverbrauch bis 2030 aus - Scholz dazu: "Lassen Sie es mich so laut und klar sagen: die Stromlüge."

Scholz präsentiert sich als Macher. Er verspricht der Industrie, dass Strom für sie bezahlbar bleibe. "Darum werden wir die EEG-Umlage bis 2025 abschaffen und die Abgaben und Umlagen im Energiebereich neu ordnen", so Scholz. "Mein Ziel ist ein Industriestrompreis von vier Cent."

Laschet: keine Steuererhöhungen

So konkret wird Mitbewerber Armin Laschet nicht. Der Unions-Kanzlerkandidat zeigt Verständnis für die Sorgen der Industrie. "Meine Vorstellung ist, dass wir auch in 20 Jahren noch eine Stahlindustrie haben, noch eine chemische Industrie haben, noch eine Automobilindustrie - dann klimaneutral", so Laschet. "Aber wenn man dieses Ziel nicht am Anfang formuliert, sondern nur immer Richtlinien und Grenzwerte erhöht, Verbote erlässt, wird man am Ende den Status des Industrielandes verspielen."

Die "Methode Corona" mit Regelungen bis ins kleinste Detail passe nicht zur Zukunft. Laschet verspricht: weniger Gängelung und keine Steuererhöhungen.

Annalena Baerbock (Grüne) spricht beim Tag der Industrie | dpa

An Klimaneutralität führe kein Weg vorbei, betonte Annalena Baerbock. Bild: dpa

Natürlich weiß Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock, dass das auch an ihre Adresse geht, aber sie betont, am Ziel Klimaneutralität führe kein Weg vorbei: "Ob einem das nun gefällt oder nicht - klar ist, der Wettbewerb darum, wer die Märkte der Zukunft als erstes klimaneutral erreicht, der wird in Zukunft auch wirtschafts- und damit gesellschaftspolitisch die Nase vorn haben."

Die Weichen für eine soziale und klimagerechte Marktwirtschaft müssten jetzt gestellt werden, so Baerbock.

Ein bisschen nervös wirken alle drei Kanzler-Kandidaten bei ihrem Schaulaufen vorm wichtigsten deutschen Wirtschaftsverband. Am Ende gibt es für alle freundlichen Applaus, aber auch nicht mehr beim Tag der deutschen Industrie.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. Juni 2021 um 17:00 Uhr.