Reisende geht zur Registration des Corona-Testzentrum am Münchner Flughafen. | Bildquelle: dpa

Neue Corona-Panne in Bayern Ergebnisse bei 10.000 Menschen verspätet

Stand: 04.09.2020 21:58 Uhr

Tausende Betroffene bei der neuen Corona-Test-Panne in Bayern: Nach Behördenangaben wurde rund 10.000 Menschen, die sich an bayerischen Flughäfen testen ließen, das Resultat verspätet zugestellt. Aber auch an anderen Test-Stationen hakt es.

Das Ausmaß der neuerlichen Probleme bei der Übermittlung von Corona-Test-Ergebnissen in Bayern ist offenbar beträchtlich: Das bayerische Gesundheitsministerium teilte auf BR-Anfrage mit, dass rund 10.000 Menschen länger als die versprochenen 48 Stunden auf ihr Test-Ergebnis warten mussten. Betroffen seien Personen gewesen, die sich zwischen vergangenem Freitag und Dienstag an bayerischen Flughäfen testen ließen. Die Verzögerungen lagen laut dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) an "einem technischen Schnittstellenproblem in der Datenverarbeitung" beim Dienstleister Ecolog.

Das Gesundheitsministerium teilte mit, die Ursache sei mittlerweile behoben. Heute Morgen hätten noch rund 2.000 Menschen auf ihr Testergebnis gewartet, am Mittag nur noch 250. Der Dienstleister habe zugesichert, bis zum Abend alle ausstehenden Resultate zu versenden. Alle positive Getesteten seien jedoch schon informiert worden. Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) betonte, das LGL habe die Verzögerungen im Zuge des "regelmäßigen Controllings" festgestellt. Dies zeige, dass die Kontrolle funktioniere.

Verzögerungen auch an anderen Test-Stationen

Nach BR-Recherchen kam es darüber hinaus auch an den Test-Stationen an bayerischen Autobahnen und den Hauptbahnhöfen München und Nürnberg teilweise zu erheblichen Verzögerungen. Dazu sagte ein Ministeriumssprecher, man habe ebenfalls davon gehört, der zuständige Dienstleister Eurofins beteuere aber, dass es keine Probleme gebe. Eurofins selbst äußerte sich bisher nicht.

Mehrere Getestete hatten dem BR berichtet, sie hätten auf ihr Ergebnis statt 48 Stunden bis zu eine Woche warten müssen. Ein Münchner, der sich wegen Erkältungssymptomen an der Raststätte Hochfelln (A8) testen ließ, schilderte dem BR unter anderem seinen Anruf bei Eurofins: Der Mitarbeiter an der Hotline habe ihn um Geduld gebeten - wegen des hohen Testaufkommens könne es derzeit bis zu sieben Tage dauern.

Nach einem ersten Bericht über die Verzögerungen am Donnerstagabend meldeten sich beim BR weitere Betroffene, die ebenfalls mehrere Tage auf ihr Ergebnis warten mussten. Sie hatten sich an Autobahnraststätten oder Bahnhöfen testen lassen.

Ministerium sieht mehrere mögliche Fehlerquellen

Grundsätzlich gibt es nach Angaben des Ministeriums bei der Übermittlung von Test-Ergebnissen mehrere mögliche Fehlerquellen. Zum Teil machten Getestete Fehler bei der Angabe ihrer Telefonnummer oder E-Mail-Adresse, oft landeten Mails mit den Ergebnissen auch im Spam-Ordner. Außerdem könne es - wie das aktuelle Beispiel zeige - Fehler in der Software geben.

Insbesondere die Test-Stationen an den Autobahnen seien ein "Flaschenhals", hieß es weiter. An reisestarken Tagen seien dort bis zu 16.000 Menschen getestet worden, an ruhigeren Tagen um die 6.000. Bei den Labordienstleistungen sieht das Ministerium dagegen gegenwärtig keine Probleme.

Labore beklagen Überlastung

Das widerspricht allerdings der Darstellung des Verbands der akkreditierten medizinischen Labore in Deutschland (ALM). Dieser hatte am Donnerstag dem BR mitgeteilt, auch in Bayern schilderten Labore, "dass sie aufgrund des hohen Volumens aktuell Tests nicht taggleich abarbeiten können und sich daher Testergebnisse auch länger als 48 Stunden hinziehen können".

Bayern ist das einzige Bundesland, das kostenlose Corona-Tests für jedermann anbietet. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) gab Ende Juni die Devise aus: "schneller, kostenlos und für jedermann."

Grüne: Söders Test-Debakel geht in zweite Runde

Die bayerische Grünen-Fraktion erneuerte angesichts der Probleme ihre Forderung nach der Einsetzung einer Corona-Kommission und nach einer gezielte Teststrategie. "Ministerpräsident Söders Corona-Test-Debakel geht in die zweite Runde", sagte Fraktionschefin Katharina Schulze. Den "großspurigen Ankündigungen" von kostenlosen Tests könnten die Strukturen in den Testzentren nach wie vor nicht folgen.

Die Söder-Regierung habe zwar Besserung versprochen, die Folgefehler seines Debakels aber würden weiter Kreise ziehen, beklagte die Fraktionschefin. Die Grünen fordern, dass ganz gezielt nur Reiserückkehrer, Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher, Beschäftigte im Medizinwesen sowie Menschen mit Symptomen getestet werden. Dann sei auch ausreichend Testmaterial in den Laboren vorhanden, so Schulze. Derzeit kann sich jeder auf eine Corona-Infektion hin testen lassen.

SPD attackiert Ministerin Huml

Der Generalsekretär der bayerischen SPD, Uli Grötsch, attackierte nach den Berichten über neuerliche Verzögerungen Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) und forderte indirekt ihre Entlassung. Auf Twitter schrieb er, es sei höchst unverantwortlich, noch immer an einer Ministerin festzuhalten, die seit Wochen die Probleme nicht in den Griff bekomme! "Innerparteilicher Proporz darf nicht zu Lasten der Bevölkerung gehen!"

FDP-Gesundheitsexperte schreibt Brief an Söder und Huml

Der FDP-Gesundheitsexperte Dominik Spitzer wandte sich mit einem Brief direkt an Söder und Huml. In dem Schreiben, das dem BR vorliegt, zeigt er sich besorgt über die Lage und fordert sie auf, die bayerische Teststrategie zu ändern. "Für den Herbst brauchen wir einen Plan, wie wir dem zu erwartenden Ansturm auf die Praxen und Teststationen Herr werden können", schreibt der FDP-Politiker.

Die Probleme sind laut Spitzer jetzt schon groß: "Die Labore sind schon jetzt am Limit. Ärzte müssen Termine absagen. Gesundheitsämter sind nicht erreichbar." Die bayerische Teststrategie müsse vorhandene Ressourcen berücksichtigen - insbesondere Personal, Schutz- und Labormaterial in den Laboren. Söder und Huml müssten Einsicht haben, "bevor es zu spät dafür ist".

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